Medien tragen Verantwortung für die Verbreitung eines diskriminierenden Menschenbildes, das nur Deutschen die im Grundgesetz garantierte Menschenwürde zugestehen möchte. Rechte Krawallportale wie „Nius“ schaffen es immer wieder, Hetze und Desinformation in verschiedene Informationskanäle zu spülen. Im August war es das „Volksbad“ vor der Berliner Volksbühne, das für eine rassistische Polarisierung der Gesellschaft instrumentalisiert wurde – nach einem bekanntem Muster, das in Diffamierungskampagnen genutzt wird.
Noch bis Oktober 2026 gibt es vor der Berliner Volksbühne ein „Volksbad“, das bei Buchung eines Zeitfensters kostenlos genutzt werden kann. Das temporäre Freibad hatte der Verein „Each One Teach One“ (EOTO) am 13. August 2026 für Schwarze Kinder und Jugendliche reserviert. Nius titelte zwei Tage vorher: „NGO-Projekt für ‚alle jungen Schwarzen‘: Berliner Volksbad schließt weiße Menschen vom Schwimmen aus“.
„Bild“, „Welt“ und „Apollo News“ nahmen den Faden dankbar auf und berichteten im gleichen Tenor. Das Magazin „Cicero“ schrieb am 12. August von „Rassentrennung wie im Apartheid-Südafrika“. Auch CDU- und AfD-Politiker*innen bliesen ins gleiche Horn und kritisierten „Rassentrennung”. Dieses Zusammenspiel von rechten Krawallmedien, konservativer Qualitätspresse und Politiker*innen kennzeichnet auch zahlreiche Strategien von NGO-Bashing. Wegen massiver Gewaltandrohungen wurde die Schwimmveranstaltung für Schwarze Kinder aus Sicherheitsgründen letztlich abgesagt.
„So wurde aus einem zeitlich begrenzten Schutzraum für Schwarze Kinder eine bundesweite rechte Hetzkampagne“, resümierten dazu die Neuen deutschen Medienmacher*innen (NdM). Laut EOTO sind Schwarze, afrikanische und afrodiasporische Menschen hierzulande oftmals von gleichberechtigter gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen. Deshalb brauche es „Safer Spaces“ – Schutzräume, wo sie sich ohne Angst vor Rassismus bewegen können. Solche Angebote für bestimmte Gruppen sind laut § 5 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) ausdrücklich erlaubt – als „positive Maßnahmen“, die bestehende Nachteile aufgrund von Geschlecht oder ethnischer Herkunft ausgleichen sollen, erinnern die NdM.
Medien rufen Triggerpunkte auf
Doch das gerät in Vergessenheit, wenn Medien „Triggerpunkte“ aktualisieren, an denen Diskurse kippen können, weil feste moralische Grundüberzeugungen berührt und starke emotionale Reaktionen hervorgerufen würden, erklärt es der Soziologe Steffen Mau. Als Beispiel nannte er auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publikations- und Kommunikationswissenschaft 2025 die Kolonialismus-Ausstellung in der Zeche Zollern in Dortmund 2023. Auch hier hatten People of Color als Besucher*innen einen Safer Space – einen sicheren Raum – erhalten.
Die „Bildzeitung“ kaperte den Rassismus-Begriff und titelte: „Weiße Besucher am Samstag für 4 Stunden unerwünscht“. Den ausgelösten Shitstorm begründet Mau mit Verletzungen von Gerechtigkeitsgefühlen und Entgrenzungsbefürchtungen. Dass bestimmte Themen zu „Triggerpunkten“ werden, könne man durch „intelligentes Maßnahmendesign verhindern“, sagte er auf Nachfrage aus dem Publikum: „Hätte man von zusätzlichen vier Stunden gesprochen, wäre der Gerechtigkeitsframe nicht abgerufen worden.“
Für die Volksbühne hätte ein solches „intelligentes Maßnahmendesign“ möglicherweise in einer juristisch korrekten Formulierung liegen können: „Ein für den Verein „Each One Teach One (EOTO) e.V.“ reserviertes Zeitfenster“ statt die Ankündigung, das Bad sei in diesem Zeitraum „exklusiv für schwarze Communitys geöffnet“. Im Kampf gegen Rassismus ist sicherlich auch Sensibilität gegenüber den Gerechtigkeitsgefühlen der weißen Mehrheit angebracht, um Triggerpunkte in der inszenierten Empörungskommunikation zu vermeiden. Vor allem sollten wir das „Bedrohungsnarrativ“, das Schwarze Menschen diffamiert, nicht bedienen. Sonst verfestigt es sich weiter in der deutschen Gesellschaft.
Denn: Immer breitere Kreise geraten ins Visier der Rechten. Mittlerweile sind nicht nur kritische Kultur- und Medienprojekte Zielscheibe rechter Krawallmedien, sondern auch Politiker*innen, die sich gegen den Rechtsruck stellen. Dabei findet die mediale Hetze Helfer in Plagiatsjägern wie Stefan Weber, kritisierte Melanie Amann in einem Kommentar am 22. August 2026.
So habe Weber die Fehler, die er in der Dissertation des Thüringer Ministerpräsidenten Mario Vogt entdeckt hatte, in einer Pressekonferenz mit dem AfD-Rechtsextremisten Björn Höcke vorgestellt. Zudem biete er seinen anonymen Auftraggebern auch noch Pressearbeit, oftmals über rechte Krawallmedien an. „So kann sich ein Verfechter einer sauberen Wissenschaft zu einer Art politischem Auftragskiller entwickeln“, konstatiert Amann. Zumal viele Zitierverstöße, die Weber anprangerte, sich später als haltlos erwiesen.
Passen wir Journalist*innen auf, dass wir rechten Krawallmedien nicht auf den Leim gehen und uns zu „politischen Auftragskillern“ eines demokratischen Zusammenlebens machen lassen!
Vgl. auch Dossier Medien-NGOs im Visier der Rechten

