Vergessene Kriege

Nicht mehr als eine Randnotiz in den Medien

„Nichts Besseres weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen / Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei, / Wenn hinten, weit in der Türkei / Die Völker aufeinanderschlagen. / Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus / Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten; / Dann kehrt man abends froh nach Haus / Und segnet Fried und Friedenszeiten.“

Die weisen Worte des Geheimrats Goethe aus dem Osterspaziergang in Faust 1 sind aktueller denn je. Die Rund-um-die-Uhr-Berichterstattung in den TV-Programmen über den Irak-Krieg zeigt, wie groß das Bedürfnis der Zuschauer nach allgegenwärtigen Informationen über den Kriegsverlauf von den Verantwortlichen in den Sendern eingeschätzt wird. Doch die hohe Aufmerksamkeit, die der unter der US-Bombardierung und dem Menschen verachtenden Saddam-Regime leidenden irakischen Zivilbevölkerung zuteil wird, wirkt etwas doppelbödig, wenn man sich vor Augen hält, wie es die deutschen TV-Nachrichten mit anderswo tobenden Kriegen seit Jahr und Tag halten: Aus Sierra Leone, Nepal, Kolumbien usw. gibt es so gut wie keine Bilder, weil schlicht und einfach kein Kamerateam zugegen ist. Pech für die dortigen Kriegsopfer, an ihrem Schicksal nimmt kaum einer Anteil – geschweige denn Hunderttausende von Schreckensbildern alarmierte Demonstranten gehen für den Frieden auf die Straße.

Nach einem Bericht der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung der Uni Hamburg gab es im Jahr 2001 weltweit 31 Kriege. Allein der erst kürzlich beendete Kongo-Krieg hat schätzungsweise 350.000 direkte Kriegstote und 2,5 Millionen Opfer von Hunger und Seuchen im Kampfgebiet gekostet. Der deutsche TV-Zuschauer erfuhr davon lediglich als Randnotiz. Afrika ist ohnehin der vergessene Kontinent der Fernsehnachrichten. Dortige Kriege müssen schon mit Hunderten von Toten an einem einzigen Tag aufwarten, um es mit einer Kurzmeldung in die „Tagesschau“ oder „heute“ zu schaffen. Ein solch gravierendes Missverhältnis in der Berichterstattung ist auch dadurch nicht zu rechtfertigen, dass die weltpolitische Bedeutung des Irak-Kriegs sicherlich überragend ist.

Angesichts dessen braucht man sich über die Naivität der deutschen Öffentlichkeit nicht zu wundern, die so tut, als sei nur dann Krieg, wenn US-Militär oder Bundeswehr in einen bewaffneten Konflikt eingreift. Aber, wie heißt es so schön, was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß …

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