Arg gebeutelte Frankfurter Rundschau

FRANKFURT / MAIN. Erst wurden zwei Buchstaben geklaut, dann war plötzlich der Geschäftsführer weg. In die arg gebeutelte Frankfurter Rundschau will auch nach der Übernahme durch die SPD-Medienholding DDVG keine Ruhe einkehren. Und jetzt mucken auch noch die Freien auf, weil ihnen die Honorare gekürzt wurden.

Weil sein Kopf in der „Brüllleiste“ das „UN“ von UNABHÄNGIG verdeckte, wurde Woody Allen umgehoben und hat dabei „versehentlich“ die beiden Buchstaben mitgenommen. Keinem ist das aufgefallen, so dass aus der Deutschland-Ausgabe vom 3. August eine ABHÄNGIGE Zeitung wurde. So die Darstellung der Chefredaktion. Die 60.000 Exemplare wurden eingestampft und die Leser gingen leer aus.

Ende August dann die „einvernehmliche“ Trennung von Geschäftsführer Günter Kamissek. Betriebsratschef Viktor Kalla hat dafür keine Erklärung und bedauert, dass Kamissek mitten im Sanierungsprozess das Blatt verlässt. Die Frankfurter Spatzen pfeifen es vom Rundschau-Dach: Zwischen DDVG-Leitung und FR-Geschäftsführung stimmt die Chemie nicht. Die Vorstellungen über den Redaktionsetat liegen weit auseinander. Zudem wurden Kamissek mit den beiden Springer-Managern Michael Meyer-Böhm und Sönke Reimers zwei „Wachhunde“ zur Seite gestellt. Auch dass sich DDVG-Geschäftsführer Jens Berendsen inzwischen mit eigenem Büro und in Dauerpräsenz bei der FR häuslich eingerichtet hat, sorgt für Verstimmung.

Aus einzelnen Ressorts hören Freie immer öfter, dass der Etat für dieses Jahr ausgeschöpft sei und keine Artikel mehr gekauft werden können. Feste Freie ärgern sich, weil sie zum Teil drastische Kürzungen der Honorare und Pauschalen hinnehmen müssen. Die hessische dju schätzt, dass die FR allenfalls 15.000 bis 20.000 EUR einspare, viele Freie aber bis zu 50 Prozent weniger Einkünfte haben. Bei einem ersten Treffen diskutierten betroffene Freie über die Möglichkeit eines Haustarifvertrages oder den Weg über das Urheberrechtsgesetz, um zu gemeinsamen Vergütungsregeln zu kommen. Letzteres wurde favorisiert. Allerdings halten alle Beteiligten kollektive Verhandlungen nur dann für sinnvoll, wenn dieser Weg von der Mehrzahl aller festen Freien bei der FR mitgegangen wird.

dib

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