Aktion für vier Reporter*innen in Burundi

Recherchereise endet im Gefängnis

Als aus der Provinz Bubanza im Nordwesten Burundis Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und einer bewaffneten Gruppe gemeldet wurden, entschied die Redaktion des unabhängigen Nachrichtenportals Iwacu, der Sache vor Ort nachzugehen. Bevor Agnès Ndirubusa, Christine Kamikazi, Egide Harerimana und Térence Mpozenzi mit ihrem Fahrer Adolphe Masabarakiza aufbrachen, informierten sie – wie üblich – die Provinzbehörden über ihre Pläne.

Als die Journalist*innen am 22. Oktober 2019 in Bubanza ankamen, erwarteten sie bereits Polizeikräfte. Umgehend wurden die fünf Männer und Frauen festgenommen, wenige Tage später entschied ein Gericht, dass sie in Haft bleiben müssten. Noch am selben Tag erfolgte die Anklage wegen angeblicher „Untergrabung der Staatssicherheit“. Der Generalstaatsanwalt des ostafri­kanischen Staates erklärte zwar, die fünf seien nicht wegen ihrer journalistischen Tätigkeit, sondern allein wegen der Anklagepunkte festgesetzt worden. Doch die vage Anklage basiert allein auf einer klassischen Aufgabe der Medien: einer Recherchereise mit dem Ziel, über aktuelle Ereignisse zu berichten. Amnesty International fordert deshalb die sofortige und bedingungslose Freilassung der Festgenommenen.

Iwacu zählt zu den wenigen unabhängigen Medien, die es in Burundi noch gibt. Seit Zuspitzung der politischen Krise im April 2015 sahen sich immer mehr Journalist*innen gezwungen, ins Exil zu gehen. Damals war Präsident Pierre Nkurunziza entgegen der Verfassung des Landes für eine dritte Amtsperiode angetreten. Proteste dagegen wurden niedergeschlagen, Medien verwüstet und geschlossen. Auch der Gründer von Iwacu, Antoine Kaburahe, verließ im Dezember 2015 das Land.

Was können Sie tun?

Schreiben Sie an den burundischen Generalstaatsanwalt und fordern Sie ihn auf, sämtliche Anklagepunkte gegen die vier Journa­list*innen Agnès Ndirubusa, Christine Kamikazi, Egide Harerimana und Térence Mpozenzi sowie ihren Fahrer Adolphe Masabarakiza fallenzulassen. Dringen Sie darauf, dass Medienschaffende in Burundi ohne Druck der Behörden und der Sicherheitskräfte ihrem Beruf nachgehen können.

Schreiben Sie auf französisch oder deutsch an:

Generalstaatsanwalt

Sylvestre Nyandwi

Parquet général

  1. P. 105

Bujumbura

BURUNDI

 

Senden Sie eine Kopie Ihres Schreibens an:

BOTSCHAFT DER REPUBLIK BURUNDI

I.E. Frau Else Nizigama Ntamagiro

Berliner Straße 36

10715 Berlin

Fax: (030) 234 567 20. E-Mail:

ambabuberlin2019@yahoo.com

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

AfD-Pläne gefährden Medienpolitik

Seit über einem Jahr beraten die Bundesländer über einen Digitale-Medien-Staatsvertrag. Sie wollen die Regulierung an eine KI-geprägte Kommunikationswelt anpassen. Im Fokus steht die Sicherung von Medienvielfalt und der Schutz vor Manipulationen im Netz. Wann die neuen Regelungen in Kraft treten, ist unklar. Viel wird vom Ausgang der kommenden Landtagswahlen abhängen.
mehr »

Digitale Gewalt trifft Medienschaffende

Hassrede, Drohungen, Doxing – für die Mehrheit der Journalist*innen ist das längst keine abstrakte Gefahr mehr. Ein neues Gesetz will digitale Gewalt nun bekämpfen, blendet die Betroffenheit von Medienschaffenden aber noch aus.
mehr »

„Desinformation gefährdet Leben“

Politische Kommunikation studierte Johannes Hillje an der London School of Economics, Politikwissenschaften an der Universität Mainz. Er arbeitet als Politik- und Kommunikationsberater und ist Autor. In seinem Buch „Mehr Emotionen wagen“ beschreibt er, wie Gefühle die politische Landschaft beeinflussen. Wir sprachen mit ihm über emotionale Wahlkämpfe, journalistische Strategien und den Umgang mit Antidemokraten.
mehr »

Katapult MV: Die Stimme für den Norden

Die kleine Redaktion von Katapult MV stellt im Flächenland mit 1,57 Millionen Einwohner*innen mit einer monatlichen Zeitung und aktuellen Online-Beiträgen ein Gegengewicht in der Berichterstattung dar. Wir sprachen mit Chefredakteur Patrick Hinz über Lokaljournalismus, die anstehenden Landtagswahlen und den journalistischen Umgang mit der AfD.
mehr »