Iowa: Freispruch für US-Journalistin

Andrea Sahouri wird verhaftet. Foto: privat

Die US-amerikanische Zeitungsreporterin Andrea Sahouri wurde im Mai 2020 am Rande einer Black-Lives-Matter-Demonstration in Iowa vorübergehend festgenommen und später wegen einer angeblichen Störung von Amtshandlungen angeklagt. Knapp zehn Monate nach ihrer vorübergehenden Festnahme wurde endlich Recht gesprochen: Denn im März 2021 entschied ein Gericht in Iowa, dass Andrea Sahouri unschuldig ist und keine Amtshandlungen der Polizei gestört hat.

Der Prozess hatte drei Tage gedauert, und nach dem Urteil zeigte sich die Freigesprochene sehr dankbar für die weltweite Unterstützung. In Zusammenarbeit mit Amnesty International war auch in „Menschen Machen Medien“ das Ende des Verfahrens gegen die Mitarbeiterin der Tageszeitung „Des Moines Register“ verlangt worden.

Es war der Abend des 31. Mai 2020: Die Journalistin Andrea Sahouri berichtete in „Des Moines“ im US-Bundesstaat über eine Black-Lives-Matter-Demonstration, wie sie nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd in den ganzen USA stattfanden. Plötzlich tauchte die Polizei in Kampfausrüstung auf und befahl der Menge, den Platz zu räumen. Als die Sicherheitskräfte Tränengas einsetzten, verließ Andrea Sahouri den Ort des Geschehens. Obwohl sie sich als Journalistin auswies, wurde sie an einer belebten Kreuzung von der Polizei angegriffen und aus unmittelbarer Nähe an den Armen und im Gesicht mit Pfefferspray besprüht. Sie schrie vor Schmerzen, doch die Polizei nahm sie fest, band ihr die Hände mit Kabelbindern hinter dem Rücken zusammen und verfrachtete sie in einen Polizeiwagen.

Andrea Sahouri wurde für mehrere Stunden in Gewahrsam genommen und kam erst am späten Abend wieder auf freien Fuß. Später wurde sie wegen der angeblichen Störung von Amtshandlungen angeklagt; zudem habe sie den Anweisungen der Polizei nicht Folge geleistet. Auch internationaler Druck verhinderte nicht, dass tatsächlich ein Prozess gegen die Journalistin begann. Denn die Staatsanwaltschaft bestand darauf, wegen zweier leichter Vergehen ein Verfahren zu führen, das für Andrea Sahouri mit einer Geldstrafe, einer 30-tägigen Haftstrafe oder beidem hätte enden können – wenn die Richter nicht doch im Sinne der Pressefreiheit entschieden hätten.

Während der Black-Lives-Matter-Proteste, die sich gegen Polizeigewalt gegen Afroamerikaner*innen richten, setzten US-Polizist*innen immer wieder unverhältnismäßig Gewalt ein und unterschieden bei ihrem Vorgehen oft nicht zwischen gewaltsamen und friedlichen Demonstrant*innen. Auch die Medien wurden Ziel von Übergriffen: Im vergangenen Jahr wurden in den USA nach Angaben der Stiftung „Freedom oft the Press Foundation“ mindestens 117 Journalist*innen bei der Berichterstattung über Proteste festgenommen. 16 von ihnen, darunter Andrea Sahouri, wurden angeklagt.

 

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Kartellrecht mit kleinen Ausnahmen

Presseverlage sollen dauerhaft vom Kartellverbot ausgenommen werden, wenn sie außerhalb des redaktionellen Bereichs kooperieren wollen. So steht es im Referentenentwurf zur zwölften Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), vorgelegt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Kooperationen im öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk sollen aber nicht erleichtert werden.
mehr »

Streik in vier großen ARD-Anstalten

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) erhöht deutlich den Druck auf mehrere große ARD-Sender in den laufenden Tarifverhandlungen. Bereits seit Mittwochmorgen finden Streiks im WDR und im SWR statt, von Donnerstag (18. Juni 2026) an auch im BR und im NDR.
mehr »

dju legt 5 Punkte für KI-Einsatz vor

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di warnt Verlage und Medienunternehmen davor, Künstliche Intelligenz ohne verbindliche Regeln einzusetzen. Immer mehr Redaktionen setzen generative KI im Arbeitsalltag ein, dennoch fehlen vielerorts verbindliche Vereinbarungen. Die dju nennt deshalb fünf Punkte für einen verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz im Journalismus.
mehr »

Vorsichtige Rückkehr nach Ecuador

Leonardo Gómez Ponce hat ein halbes Jahr in Berlin mit einem Stipendium von Reporter ohne Grenzen verbracht. Dort hat er gelernt sich digital besser zu schützen. Zurück in Ecuadors Hauptstadt agiert der 41-jährige investigative Journalist vorsichtig, suggeriert in den sozialen Medien, dass er weiterhin im Ausland sei. Das schützt ihn bei der Recherche und in den sozialen Netzen.
mehr »