Kubas Presse ringt um Unabhängigkeit

Eileen S. Martínez, Bernd Pickert, Rachel D. Rojas, Marcelo Pereira (La Diaria / Uruguay), Carlos M. Alvarez, Marita Pérez, Michel Contreras, Elaine Díaz,
Fidel A. Rodriguez, Geisy Guia Delis, Maria A. Colunga Oliveira, Roberto Peralo (v.l.n.r.)
Foto: Jonas Maron

Eileen S. Martínez, Bernd Pickert, Rachel D. Rojas, Marcelo Pereira (La Diaria / Uruguay), Carlos M. Alvarez, Marita Pérez, Michel Contreras, Elaine Díaz, Fidel A. Rodriguez, Geisy Guia Delis, Maria A. Colunga Oliveira, Roberto Peralo (v.l.n.r.) Foto: Jonas Maron

Junge Medienschaffende diskutieren Möglichkeiten und Grenzen der Unterstützung aus dem Ausland

In Kuba entstehen zahlreiche neue Blogs und Medienprojekte. Einige von ihnen werden aus dem Ausland von politischen Institutionen finanziert oder anderweitig unterstützt. Auf der Insel hat das nun für eine Debatte gesorgt. Zehn Journalistinnen und Journalisten aus Kuba waren im Herbst zu einem Lehrgang in Berlin zu Gast. Was zunächst wenig beachtlich klingt, war ein Novum für Pressevertreter aus dem sozialistischen Karibikstaat.

Auf Einladung der Panter-Stiftung der „tageszeitung“ (taz) sollten den Gästen in dem einwöchigen Kurs deutsche Medien vorgestellt werden – ein indirekter Beitrag zur Meinungsfreiheit und zur Debatte darüber. Die Kolleginnen und Kollegen kamen sowohl aus neuen Onlinemedien, Blogs und Magazinen, als auch aus staatlichen Redaktionen. Sie hätten „die taz mit ihrem Genossenschaftsmodell und deren Arbeits- und Produktionsbedingungen“ kennengelernt, „aber auch andere Projekte und Institutionen des alternativen Lebens und Wirtschaftens“.
Der Lehrgang sorgte in Kuba selbst für heftige Diskussionen, vor allem wegen der Netzwerke der Panter-Stiftung. Was zwei Dinge belegt: Dass es in Kuba eine diskussionsfreudige Blogosphäre gibt. Und dass die Zusammenarbeit mit kubanischen Journalisten angesichts politischer Regime-Change-Programme der USA weiterhin heikel bleibt.

Rolle der Panter-Stiftung hinterfragt

Die Kontroverse über den Workshop in Berlin entzündete sich vor allem an einem Text des in Berlin lebenden Kubaners Justo Cruz, einem Aktivisten der linken Solidaritätsorganisation Cuba Sí. Cruz verwies in einem online auf Spanisch erschienenen Beitrag auf die Finanzierung einiger neuer Medienprojekte aus dem Ausland. Zugleich hinterfragte er die Rolle der Panter-Stiftung und verwies auf deren politische Kooperationspartner, darunter die Organisation Reporter ohne Grenzen, die US-Stiftung German Marshall Funds und das Auswärtige Amt. Die Reporter ohne Grenzen sind in Lateinamerika wegen der politischen Kontakte von Mitbegründer Robert Ménard heftiger Kritik ausgesetzt. Ménard verfügte bereits vor seinem Ausscheiden aus dem Organisationsvorstand 2008 über Verbindungen zu gewaltbereiten Akteuren des kubanischen Exils in Miami und hat sich 2014 in seinem südfranzösischen Heimatort Béziers mit Unterstützung der rechtsextremen Front national wählen lassen, mit dessen Ideen er merklich übereinstimmt.
Die Kontakte der taz-nahen Stiftung wurden in Kuba in zahlreichen Beiträgen hinterfragt, ohne dass die Teilnehmer des Workshops aber selbst ins Visier gerieten. Dennoch waren die Reaktionen heftig. Cruz habe in seinem Artikel mit „Verleumdungen, Verdrehungen und Lügen“ gearbeitet, schrieb die Journalistin Elaine Díaz, Workshop-Teilnehmerin und Mitbegründerin des regierungsunabhängigen kubanischen Onlinemagazins Periodismo del Barrio (Stadtteil-Journalismus). Cruz und der regierungsnahe Blogger Iroel Sánchez, der die Rolle der Panter-Stiftung ebenfalls kritisch kommentiert hatte, „lassen das geringste Maß an Gespür für journalistische Normen missen“, schrieb sie. In einem Kommentar in dem Blog „La Joven Cuba“ (Das junge Kuba), dessen Betreiber an dem Workshop in Berlin teilgenommen hatten, wies taz-Redakteur Bernd Pickert die Kritik zurück. Der Workshop sei nicht von Reporter ohne Grenzen finanziert, sondern von dem Auswärtigen Amt bezuschusst worden.

Debatten im Zuge der politischen Öffnung Kubas

Die Aufregung um einen im Grunde wenig aufregenden Workshop, bei dem die Teilnehmer zudem linke Blätter wie die „Junge Welt“ und das „Neue Deutschland“ besuchten, offenbart die Angst der Akteure vor Ort vor einer politischen Instrumentalisierung in Zeiten der politischen Öffnung Kubas. Die Debatte zwischen kubanischen Journalisten über dieses Thema war von den Organisatoren so vielleicht nicht gewollt, ist daher aber umso spannender. Die Betreiber des Blogs „La Joven Cuba“ veröffentlichten einige Wochen nach dem Berlin-Besuch einen Meinungsbeitrag, in dem sie die Reise trotz der politischen Netzwerke der Gastgeber verteidigten. „Selbst wenn die CIA, die NSA oder die (rechtsextreme Exil-Stiftung) FNCA eine Veranstaltung organisieren würden, bei der wir über die kubanische Realität sprechen könnten, so würden wir daran ohne Zögern teilnehmen“, schrieben die jungen Journalisten selbstbewusst. Hier widersprach Díaz. Sie würde einer solchen Einladung nicht folgen, „weil sie meinen Namen nutzen würden, um ihre Ziele zu legitimieren“.

Angesichts der politischen Öffnung Kuba und zunehmender Freiräume spielt die Frage der ausländischen Finanzierung von Medien in dem sozialistischen Karibikstaat auch generell eine zunehmende Rolle. Vor dem Workshop der Panter-Stiftung waren im September bereits schon einmal kubanische Journalisten in Berlin zu Gast, dieses Mal eingeladen von der Akademie der Deutsche Welle. Zwei der Referenten, Pablo Díaz Espi und Francis Sánchez, werden von halbstaatlichen Organisationen aus dem Ausland finanziert, darunter mehr oder weniger direkt durch die US-amerikanische Regierungsstiftung National Endowment for Democracy und USAID. Mitglieder der von Díaz Espi geleiteten Redaktion von „Diario de Cuba“ wurden nach Angaben der „New York Times“ in der ehemaligen US-Interessenvertretung journalistisch ausgebildet. Diese zum Teil jahrelange Finanzierung und journalistische Unterstützung wird in den USA im Zuge der Annäherung nunmehr zunehmend hinterfragt. Die „New York Times“ konstatierte Ende 2014, verschiedene US-Regierungen hätten in 18 Jahren 264 Millionen US-Dollar in politische Programme in Kuba investiert. „Diese Fonds waren ein Magnet für Scharlatane, Schwindler und das Scheitern gut gemeinter Absichten.“

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