Buchtipp: Detektive auf medialer Zeitreise

Bastian Schlange, der seit 2014 bei Correctiv als Faktenchecker gearbeitet hat und jetzt im Correctiv-Verlag tätig ist, nimmt uns mit dem „einzig wahren Faktencheckbuch“ mit auf eine Reise durch eine mediale Vergangenheit, die mit der Kandidatur Donald Trumps für das US-Präsidentenamt ihren ersten abstrusen Höhepunkt hat und mit Brexit, Corona, Klimaleugnern, AfD-Aufstieg und Ukraine-Krieg ihre weiteren Stationen bis heute.

Der reich bebilderte Band präsentiert nicht nur die Detektivarbeit der verschiedenen Redaktionen von Correctiv auf 336 Seiten. Er bietet durch zahlreiche QR-Codes, die zu Quellen, Analysen, Artikelbeispielen, Gerichtsakten oder Studien führen, die Möglichkeit, das Lesevolumen um ein Vielfaches zu vergrößern. Auch zur umfangreichen Bibliographie des Faktencheckbuchs geht es per QR-Code, eine Printausgabe für Internet-Affine sozusagen.

Schlange lenkt unseren Blick immer wieder auf die gerne im Verborgenen wirkenden Geldgeber wie den US-Milliardär Robert Mercer, der Aktivisten wie Steven Bannon vielfältig unterstützt und dessen Tochter Rebekah in den diversen Firmen eines weit angelegten rechten Netzwerks immer an maßgeblicher Stelle ihre Hand im Spiel hat.

„Wir von Correctiv spüren Falschbehauptungen nach, stellen uns den Erzeugern entgegen und decken ihre Netzwerke auf“, beschreibt Schlange die Arbeit der Correctiv-Faktenchecker. Welcher Hass den Checker*innen dabei entgegenschlagen kann, zeigen einige der abgedruckten Mails, die vor Beleidigungen nur so strotzen. Um den Falschbehauptungen möglichst frühzeitig entgegentreten zu können, hatte sich Correctiv entschlossen, mit Facebook zusammenzuarbeiten. So können entsprechende Posts mit einer Warnung und Korrektur versehen werden. Der Knackpunkt ist allerdings, dass Facebook Aussagen und Anzeigen von Politiker*innen nicht gecheckt sehen will, was Correctiv für fragwürdig und problematisch wegen deren Reichweite hält.

Ein Einfallstor für verschwörungsartige Inhalte sieht Schlange im Runterfahren von journalistischer Kompetenz im Lokalen. Deshalb will Correctiv in seinen diversen Projekten nicht nur möglichst viel Medien- und Faktencheck-Kompetenz an Bürgerinnen und Bürger weitergeben, sondern hofft, durch die Einführung der Gemeinnützigkeit im Journalismus die lokale Lücke im Qualitätsjournalismus wieder schließen zu können.

„Das einzig wahre Faktencheckbuch“ bietet eine spannende und auch erschreckende Lektüre, die einen so schnell nicht loslässt. Es dürfte aber auch zum immer wieder hervorgeholten Nachschlagewerk taugen, wenn man einzelne Punkte vertiefen möchte. Dann werden die vielen QR-Codes auch sicher die Beachtung finden, für die man beim ersten Durchgang noch nicht die Geduld hatte.

Bastian Schlange: Das einzig wahre Faktencheckbuch. Recherchen, Einblicke und Erfahrungen von Deutschlands erster Faktencheck-Redaktion. Correctiv-Verlag, Essen 2023. 336 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und QR-Codes. 24 Euro. ISBN: 978-3-948013-23-3


Wer die Faktenchecker von correctiv unterstützen möchte kann das hier tun: Unterstützen Sie investigative Recherchen (correctiv.org)

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Faire Honorare für Filmvermittlung

Die AG Filmvermittlung legt erstmals einen Honorarrahmen für freischaffende Filmvermittler*innen vor und macht damit auch auf die prekäre Erwerbssituation in der Branche aufmerksam. Für die Honorare zieht der Verein den Basishonorarrechner Kultur von ver.di heran.
mehr »

ver.di übt Kritik an ZDF-Intendant

Der Vorgang der Ausladung der Musiker Igor Levit und Danger Dan aus der 100. Ausgabe des Satire-Magazins „Die Anstalt“ (Sendetermin am 21. Juli 2026) wirft große Wellen. Der Auftritt wurde durch eine kurzfristige Entscheidung des ZDF-Intendanten Norbert Himmler verhindert. Daran übt auch der ver.di-Bundesvorstand starke Kritik.
mehr »

Politische Ausladung: ZDF sagt Auftritt ab

Ein neues Lied von Igor Levit und Danger Dan heißt "Keine Angst" und erscheint zum 17. Juli 2026. Es handelt vom möglichen Widerstand gegen eine zunehmende politische und gesellschaftliche Faschisisierung, wie sie weltweit und auch in Deutschland zu beobachten ist. Ein Auftritt der Künstler mit dem Song sollte ebenfalls für die 100. Sendung von "Die Anstalt" aufgezeichnet werden, die am 21. Juli 2026 erscheint. Dann lud das ZDF Danger Dan und Igor Levit kurzfristig aus.
mehr »

RSF: Kritik an Reform der Nachrichtendienste

Die Bundesregierung möchte dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) deutlich mehr Befugnisse einräumen, das hat sie am 14. Juli 2026 in einer 700-seitigen Stellungnahme dargelegt. Der Schutz von Journalist*innen und ihren Quellen wird darin systematisch abgebaut, kritisiert Reporter ohne Grenzen (RSF). Und das ist nur ein Kritikpunkt an der Reform, die an anderer Stelle als "unanständig" kritisiert wurde.
mehr »