Demokratie auf der Anklagebank

leuchtendes Paragrafzeichen

Viele Einschüchterungsklagen (SLAPPs) werden nicht als solche erkennbar sein, fürchtet die dju in ver.di. Foto: 123rf

Der aktuelle Bericht der Coalition Against SLAPPs in Europe (CASE) und der Daphne Caruana Galizia Foundation  zeigt, dass die Zahl missbräuchlicher Klagen in ganz Europa weiter steigt. Trotz des neuen EU-Gesetzes gegen SLAPP-Klagen, das im Mai 2024 in Kraft getreten ist und das die Länder bis Mai 2026 in nationales Recht umsetzen müssen, nehmen SLAPPs weiter zu.

Mit SLAPPs versuchen mächtige Akteur*innen, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen. Immer wieder sind Journalist*innen mit rechtlichen Angriffen konfrontiert, die weniger auf tatsächliche Rechtsverletzungen abzielen, sondern bei denen es vielmehr darum geht, kritische Berichterstattung zu verhindern und einzuschüchtern. Diese sogenannten SLAPPs (Strategic Lawsuits Against Public Participation) nutzen rechtliche Mittel wie Abmahnungen, Klagen oder Schadensersatzforderungen systematisch, um unliebsame Stimmen aus dem Diskurs zu drängen.

Seit 2010 hat CASE insgesamt 1.303 SLAPP-Fälle in Europa dokumentiert. Allein im Jahr 2024 wurden 167 neue Fälle erfasst. Das bedeutet einen Anstieg gegenüber den 166 Fällen des Vorjahres. Das Phänomen ist mittlerweile in 43 europäischen Ländern nachgewiesen. Mit 20 dokumentierten SLAPP-Fällen im Jahr 2024 gehört Deutschland neben Italien (21 Fälle), Serbien (13), Ungarn (12) und der Türkei (10) zu den am stärksten betroffenen Ländern.

Die Mehrheit der Einschüchterungsversuche erfolge bereits im vorgerichtlichen Stadium durch aggressive Abmahnschreiben und münden daher nie in öffentlich sichtbare Verfahren. Hinzu komme, dass viele Betroffene aus Angst vor weiterer Eskalation schwiegen. Ein Effekt, den die Kläger*innen gezielt nutzten.

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di kritisierte Ende 2025 das von der Bundesregierung beschlossene Anti-SLAPP-Gesetz. Es beschränke den Schutz vor Einschüchterungsklagen nur auf grenzüberschreitende Fälle.

Ganze Studie zum DOWNLOAD

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