Förmliche Beschwerde gegen Google

Foto: REUTERS/Dado Ruvic

Gewerkschaften, Organisationen der Medienwirtschaft und NGOs wehren sich gegen Googles KI-Übersicht bei Suchanfragen. Sie haben jetzt bei der Bundesnetzagentur eine förmliche Beschwerde eingereicht. Ihrer Meinung nach verletze Google mit der Integration von KI-generierten Antworten in der Suche zentrale Vorgaben des Digital Services Act (DSA). Das habe gravierenden Folgen nicht nur für die Medienvielfalt, sondern auch für Meinungsfreiheit und demokratischen Diskurs.

Die European Federation of Journalists (EFJ), deren Mitglied auch die dju in ver.di ist, kritisiert die Zusammenfassungen. Der Ärger über Googles Vorgehen ist verständlich: Wenn Nutzer*innen  Suchanfragen stellen und direkt Antworten angezeigt bekommen, die KI-generiert sind, müssen sie im Zweifel nicht mehr auf die Links der Drittplattformen klicken. In einer Pressemitteilung zur Beschwerde führen die Verbände  Gründe an, warum das Vorgehen von Google aus ihrer Sicht problematisch ist.

Mit den KI-Antworten schaffe Google ein Konkurrenzprodukt zu journalistisch-redaktionellen Inhalten, heißt es. Medienhäusern entziehe man damit Reichweiten und Werbeeinnahmen. Außerdem kritisieren die Verbände, dass die Funktionsweise von „AI Overviews“ intransparent sei. Die KI verbreite auch immer wieder fehlerhafte oder erfundene Inhalte. Das sei ein Widerspruch zu den Zielen des DSA. Die Beschwerdeführer wollen nun, dass die Bundesnetzagentur ihrerseits die Europäische Kommission einschaltet und ein Verfahren einleitet.

Das hat nicht nur wirtschaftliche Gründe. Seit Jahren stehe die Pressefreiheit durch Angriffe auf Medienschaffende und durch die wirtschaftliche Schwächung vieler Redaktionen unter Druck, kritisierte Christoph Schmitz-Dethlefsen, für Medien zuständiges Mitglied im ver.di-Bundesvorstand. „Jetzt kommen die Tech-Giganten hinzu, die ihre Marktmacht für Meinungsmacht missbrauchen. Die Plattformen graben redaktionellen Medien finanziell das Wasser ab – indem sie Journalismus unsichtbar machen und Medieninhalte durch Künstliche Intelligenz ausbeuten, die den Journalismus letztlich überflüssig machen soll. Wir dürfen das Herzstück unserer Demokratie, die Öffentlichkeit, keinen Tech-Oligarchen überlassen“, so Schmitz-Dethlefsen.


Bei der Allianz sind mit dabei:

AW AlgorithmWatch gGmbH | Matthias Spielkamp, Geschäftsführer | www.algorithmwatch.org

Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR) | Prof. Dr. Holger Paesler, Geschäftsführer | www.privatfunk.de

Börsenverein des Deutschen Buchhandels e. V. | Peter Kraus vom Cleff, Hauptgeschäftsführer | www.boersenverein.de

BDZV – Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger e. V. | Helmut Verdenhalven, Mitglied der Geschäftsleitung / Leiter Medienpolitik | www.bdzv.de

Corint Media GmbH | Dr. Christine Jury-Fischer, Geschäftsführerin | http://www.corint-media.com

Deutscher Journalisten-Verband (DJV) | Hanna Möllers, Justiziarin, stellvertr. Hauptgeschäftsführerin | www.djv.de

European Federation of Journalists | Renate Schroeder, Director | www.europeanjournalists.org

EMMA European Magazine Media Association & ENPA European Newspaper Publishers‘ Association | José Guimarães, Acting Executive Director, EMMA & ENPA | www.magazinemedia.eu | www.enpa.eu

Initiative for Neutral Search & Innovate Europe Foundation (IEF) | Felix Styma, Managing Partner economy iconomy GmbH | www.neutralsearch.eu | ww.ie.foundation/en

Initiative Urheberrecht e.V. | Katharina Uppenbrink, Managing Director | www.urheber.info

MVFP – Medienverband der freien Presse e. V. | Prof. Dr. Christoph Fiedler, Geschäftsführer Europa- und Medienpolitik | www.mvfp.de

VAUNET – Verband Privater Medien | Dr. Matthias Försterling, Senior Legal Counsel (Recht und Regulierung) | www.vau.net

Verband Deutscher Lokalzeitungen und Lokalmedien e.V. | Stefan Waldschmidt, Referent | www.lokalpresse.de

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Rassismus in Redaktionen

Das Kitt Kollektiv hat 200 Menschen, die in Redaktionen arbeiten nach ihren Rassismuserfahrungen gefragt: 90 Prozent gaben an, ihn erlebt zu haben, erklärt Sarah Zaheer im Interview mit der taz. Journalismus in Deutschland hat ein Vielfaltsproblem - können einzelne Programme, die Medienhäuser und Organisationen inzwischen etabliert haben, das Problem tatsächlich verändern?
mehr »

Krasse Kürzungen bei ARD und ZDF

  Für 58 Cent bekommt man heutzutage beim Bäcker allenfalls ein Brötchen von gestern. Dennoch haben einige Bundesländer ARD und ZDF eine entsprechende Erhöhung der Rundfunkabgabe auf monatlich 18,94 Euro verweigert. Trotz einer Verfassungsbeschwerde der Sender wird der Beitrag erst 2027 steigen, und dann wohl nur um 28 Cent. Vor allem innerhalb der ARD muss daher noch mehr gespart werden. Das schließt auch einen weiteren Stellenabbau mit ein.
mehr »

Medien-NGOs im Visier der Rechten

In Deutschland nehmen die Angriffe auf zivilgesellschaftliche Organisationen zu – angefeuert von extrem rechten Akteur*innen aus Politik, Medien und PR. Ihre Diffamierungs- und Desinformationskampagnen zielen darauf, vor allem Nichtregierungsorganisationen, finanziell auszutrocknen. Damit gefährden sie auch die Arbeit demokratischer Medienprojekte.
mehr »

Filmtipp: Was haben wir gelacht

Der Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ mit Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins blickt facettenreich, differenziert und  kurzweilig aus weiblicher Perspektive auf die Rolle der Frau in der Fernsehunterhaltung der Neunziger- und Nullerjahre. Eva Müller und Isabel Schneider dokumentieren mit Hilfe vieler Show-Ausschnitte, wie misogyn und homophob diese Zeit war.
mehr »