Neubesetzungen im RBB verzögern sich

Foto: RBB/Gundula Krause

Es waren grundlegende journalistische Standards, die der RBB in seiner Berichterstattung über den Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar missachtete. Der Sender räumte die Fehler ein, bat Gelbhaar um Entschuldigung und zahlte ihm eine hohe Entschädigung. Programmdirektorin Katrin Günther und Chefredakteur David Biesinger legten im März ihre Ämter nieder. Biesinger übernahm wenig später kommissarisch eine andere Führungsaufgabe im RBB. Günther blieb geschäftsführende Direktorin – in Kürze gibt sie den Posten endgültig ab.

Am 30. September hat die 59-Jährige ihren letzten Arbeitstag als kommissarische Programmdirektorin. Das bestätigte der RBB auf Nachfrage. Damit wird es dann mehr als sechs Monate nach der erklärten Amtsniederlegung von Günther zu diesem Schritt kommen. Damals verwies der Sender darauf, Günther bleibe geschäftsführend im Amt – bis zur Neubesetzung der Programmdirektorenstelle. Im Frühjahr zeichnete sich ab, dass es auf dieser Position keine schnelle Nachfolge geben wird. Der RBB erklärte, die Nachbesetzung der Direktorenstelle mit dem eingeleiteten Konsolidierungs- und Reorganisationsprozess abstimmen zu wollen.

Im Herbst 2023 brachte die damals neue RBB-Intendantin Ulrike Demmer im Sender den sogenannten Prozess „Zielbild 2028“ auf den Weg. Dazu gehört auch eine Verkleinerung des RBB – angepasst an die künftigen finanziellen Möglichkeiten der Rundfunkanstalt. Der RBB hält es für notwendig, „eine jährliche Entlastung des Etats um jeweils 22 Millionen Euro ab 2026“ zu erreichen. Dieser Betrag solle „vorrangig im Personal- und Honoraraufwand erbracht werden“. Noch bis etwa Ende September läuft nun ein Freiwilligenprogramm, über das sich Beschäftigte für eine Vorruhestands- oder eine Abfindungsregelung entscheiden können.

Jobwechsel innerhalb des RBB

Katrin Günthers bevorstehender Abschied aus der obersten Führungsriege bedeutet nun aber nicht, dass sie dann die Rundfunkanstalt verlässt. Sie sei „fest angestellte Mitarbeiterin des RBB“ und werde daher „im Sender eine neue Aufgabe übernehmen“, erklärte der RBB auf Nachfrage. Um welche Position es sich dabei handelt, wollte die Rundfunkanstalt nicht sagen. Das wolle man „zu gegebener Zeit bekannt geben“. Bevor Katrin Günther im August 2024 Programmdirektorin wurde, hatte sie im RBB in leitenden Funktionen vor allem im Bereich Sport gearbeitet.

Nach dem internen Zeitplan, den sich der Sender dem Vernehmen nach gesetzt hat, soll in der nächsten Sitzung des RBB-Rundfunkrats am 1. Oktober die Programmdirektorenwahl stattfinden. Zu dieser Sitzung will demnach Intendantin Demmer dem aktuell 32-köpfigen Gremium einen Personalvorschlag vorlegen. Bestätigen will der Sender diesen Zeitplan nicht. Die Geschäftsstelle des RBB-Rundfunkrats erklärte, die Tagesordnung zur Sitzung stehe noch nicht fest.

Programmdirektion gesucht

Für die Leitung der Programmdirektion sucht der RBB „eine erfahrene Führungspersönlichkeit mit ausgeprägten strategischen Fähigkeiten“, wie es in der Ausschreibung heißt, die in der zweiten Juli-Hälfte veröffentlicht wurde. Insbesondere freue man sich „über Bewerbungen von Personen aus der Region und/oder mit ostdeutscher Biografie“ – um „die Lebenswirklichkeit unseres Publikums auch in leitenden Funktionen im RBB abzubilden“.

Bis zum Bewerbungsende am 7. August gab es mehrere interne und externe Bewerbungen. Die Vorstellungsgespräche, also praktisch die erste Auswahlrunde, fanden, wie zu erfahren war, Mitte August statt. Mehr sickerte bisher nicht durch. Der RBB will nicht einmal mitteilen, wie viele Bewerbungen er insgesamt (interne und externe) erhielt und wie viele davon von Frauen bzw. Männern kamen. „Wir werden uns zu weiteren Details dieses Verfahrens vor dessen Abschluss nicht öffentlich äußern“, erklärte der Sender.

Sofern der RBB bei seinem internen Zeitplan bleibt, dürfte Anfang Oktober feststehen, wer Katrin Günther in der Leitung der Programmdirektion nachfolgen wird. Nicht einhalten konnte der RBB den im März angekündigten Zeitplan zur Neuausschreibung der Führungsposition, die David Biesinger damals übernahm. Er wurde kommissarischer Leiter der Hauptabteilung Programmressourcen.

Der RBB erklärte, Biesinger solle diese Leitung so lange übernehmen, bis sie im Rahmen des „Zielbild“-Prozesses im zweiten Quartal 2025 neu ausgeschrieben werde. Das ist bisher noch nicht geschehen. Der RBB erklärte dazu: „Weitere Ausschreibungen im Rahmen unseres ‘Zielbild’-Prozesses bereiten wir derzeit vor.“ Man rechne mit dem Abschluss der Vorbereitungen noch im Sommer. Über das Ergebnis werde zunächst intern informiert, so der RBB. Zum „Zielbild 2028“ gehört auch, die Hauptabteilungen des RBB neu zu strukturieren.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Trauer um Franz Kotteder

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di trauert um Franz Kotteder. „Kotti" oder „der Franz", wie ihn Freunde und Kollegen wahlweise nannten, starb am 30. Dezember nach schwerer Krankheit viel zu früh im Alter von 62 Jahren. Seine Kolleginnen und Kollegen in der dju und im Süddeutschen Verlag verlieren mit Franz einen ebenso engagierten wie geistreichen, humorvollen und liebenswürdigen Streiter für Pressefreiheit, Qualitätsjournalismus und vor allem für die Interessen von Journalistinnen und Journalisten sowie aller Beschäftigten in der Zeitungsbranche.
mehr »

Guatemala: Eine ernüchternde Bilanz

Knapp zwei Jahre ist Guatemalas Präsident Bernardo Arévalo im Amt und erklärtes Ziel seiner Regierung ist es einen Schutzmechanismus für Journalist*innen einzuführen. Doch das innovative Projekt kommt nicht vom Fleck, moniert die Medienanalystin Silvia Trujillo gemeinsam mit zahlreichen bekannten Berichterstatter*innen. Dafür machen sie nicht nur den omnipräsenten „Pakt der Korrupten“ verantwortlich, sondern auch das Zögern der Regierung. Die verharre im Stand-By.
mehr »

Europas Machtprobe mit den Plattformen

Wegen mangelnder Transparenz bei Werbung und Nutzerkonten hat die EU-Kommission eine Strafe in Höhe von 120 Millionen Euro gegen den Onlinedienst X verhängt. Mit dem Digital Services Act (DSA) will die EU das Netz demokratisch kontrollieren. Doch Verfahren gegen X, TikTok und Meta zeigen, wie schnell die angestrebte Regulierung zur politischen Auseinandersetzung wird.
mehr »

Gespräche aufnehmen: Was ist erlaubt?

"Ich lasse nun die Aufnahme mitlaufen.“ In Interviewsituationen am Telefon sind Tonaufnahmen unproblematisch, wenn die Beteiligten sich darauf verständigen. Unsicherheiten bestehen aber, wenn Gespräche heimlich aufgenommen wurden, beispielsweise von Informant*innen. Darf die Aufnahme veröffentlicht werden? Können die Informationen aus dem Gespräch verwendet werden?
mehr »