Ein Puzzle offener Daten

#krassmedial: Max Bernhard, von Correctiv macht mit öffentlich zugänglichen Quellen wie „Open Source Intelligence“, kurz „OSINT“, bekannt. Foto: Charles Yunck

Wie der Geheimdienst“ war der Workshop von Max Bernhard von „Correctiv“ überschrieben. Dabei ging es doch „nur“ ums Recherchieren in öffentlich zugänglichen Quellen, „Open Source Intelligence“, kurz „OSINT“. Dass auch offen und legal nutzbare Daten Mächtige und Übelwollende ins Schwitzen bringen können, das zeigen Communitys wie „Correctiv“ oder „Bellingcat“ immer wieder.

Die Faktenchecker bilden innerhalb der Organisation von „Correctiv“ eine eigene Redaktion und überprüfen seit 2017 „Gerüchte im Netz, vor allem in Social Media und Blogs, seltener Medienberichte und Aussagen von Politiker*innen“. Dabei bewerten sie die untersuchten Posts von „richtig“ über „unbelegt“ bis „frei erfunden“. Diese frei zugänglichen Quellen, mit denen „OSINT“ arbeitet, sind: Social-Media-Kanäle zum Vergleich, Kartendienste und Satellitenbilder, Funkverkehr und Telekommunikationsdaten, das Verfolgen von Schiffs- und Flugbewegungen, Daten von Webseiten, öffentliche Statistiken und mehr.

Um die Aussage eines bebilderten Posts zu überprüfen, setzen die Faktenchecker zunächst die Möglichkeiten der „Geolocation“ ein. So wird die Frage geklärt, wo das Bild wirklich aufgenommen wurde. Dabei hilft die „Bilderrückwärtssuche“, die es bei Google, Bing und anderen Suchmaschinen gibt. Weitere Möglichkeiten bieten Browser-Erweiterungen wie InVid, RevEye oder Search by Image, Seiten wie Duplichecker, Google Lens etc. Die Eingabe „Bildersuche“ in einer Suchmaschine bringt ein reiches Angebot hervor. Achten sollte man dabei auf Details auf den Bildern wie Sehenswürdigkeiten, Straßen- oder Geschäftsschilder, Verkehrszeichen und ähnliches. Seiten wie Geo Hints sammeln solche Merkmale. Ein wichtiger Hinweis zum Einordnen von Fotos sind auch die Metadaten, die allerdings manipuliert werden können oder in vielen Sozialen Netzwerken gelöscht werden.

Nachdem diese Möglichkeiten im Publikum selbst ausprobiert wurden, ging es um die zeitliche Einordnung von Bildern, der „Chronolocation“. Dazu gibt es die verschiedensten Methoden, sei es über Wetterangaben (Wolfram Alpha) oder den Sonnenstand und den Schattenwurf (Sun Calc oder Sun Path 3D, Ben Strick OSINT at Home #8).

Hilfreich bei der Suche von Orten sind auch Satelliten-Daten zum Beispiel von Google Earth Pro, von Sentinal Hub oder Planet Labs. Andere Programme können Feuer, Emissionen oder Schifffahrtsbewegungen nachvollziehbar machen (Sentinel 5P, Nasa Firms, Sentinal1).

Inzwischen werden aber auch ganze Webseiten gefälscht. Hierfür hat Bernhard den Tipp, sich an Internet-Archive zu wenden wie archive.org, archive.today, perma.cc, Google Cache oder als Kombination Resurrect Pages Browser.

Manchmal, so Bernhard, stehe auch er erst mal vor einem Rätsel, mit welchem Hilfsmittel er eine Überprüfung von Meldungen auf einschlägig bekannten Portalen am besten beginnt. „Dann google ich einfach mal so vor mich hin.“ In den deutschen Redaktionen, meinte Bernhard, erkenne man zunehmend, dass viele Meldungen mit solchen Methoden hinterfragt werden müssen. Das Interesse der Journalist*innen an Workshops dazu steige.

In ihren aktuellen Artikeln geben die Correctiv-Faktenchecker nicht nur eine Einschätzung zu im Netz kursierenden Videos, Bildern und Texten, sondern sie erklären nachvollziehbar, mit welchen Mitteln sie die wahren Hintergründe entschlüsselt haben. Beispiele zum Nachmachen, wenn gewünscht, jeden Freitag im Newsletter.

Check it out: CORRECTIV.Faktencheck

Hier ein „Werkzeugkasten“ mit allen in diesem Fokus genannten Tools und deren Links.

 

 

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