„Frauenmacht“: DW und RBB liegen vorn

Bild: Pixabay

Die Deutsche Welle und der RBB sind bei „Pro Quote Medien“ in der ersten Studie zur Gleichstellung im Rundfunk auf der Sonnenseite gelandet: Beide Sender erreichen einen „Frauenmachtanteil“ von über 50 Prozent. Als Schlusslichter wurden der Saarländische Rundfunk und das Deutschlandradio mit rund 25 Prozent ausgemacht. Zwar blieb die Definition von Frauenmacht zur Vorstellung der Studie im Berliner Haus des Deutschlandradios am 22. November nicht unumstritten. Fest steht aber, dass in Spitzenpositionen der Sender weiter mehrheitlich Männer das Sagen haben.

Der erste Teil der vom Bundesfrauenministerium unterstützten, 80 Seiten starken Studie „Welchen Anteil haben Frauen an der publizistischen Macht in Deutschland?“ widmet sich den öffentlich-rechtlichen und den beiden großen privaten Sendern. Im zweiten, 2019 erscheinenden, wird es dann um die Print- und Online-Medien gehen, die „Pro Quote“ ab 2012 und 2015 einer mehrfachen Durchleuchtung unterzogen hat. Seither haben sich die Ansprüche des Vereins von einem 30- auf einen 50-prozentigen „Frauenmacht“-Anteil gesteigert.

Die Deutsche Welle (51,9 Prozent) und der RBB (51,0) liegen über der heutigen Forderung, WDR (44,6), NDR (40,1), ZDF (39,4) und Radio Bremen (32,2) schaffen den Sprung über die alte Marke. Saarländischer Rundfunk (25,6) und Deutschlandradio (24,3) liegen am Ende der gewerteten Skala.

Moderatorin Sandra Maischberger wie auch Bundesfrauenministerin Franziska Giffey hatten als junge Frauen eine Quote abgelehnt. Nach Jahren der beruflichen Wirklichkeit zeigten sich jetzt beide als große Verfechterinnen der Frauenquote. Die Studien und die Veranstaltungen von „Pro Quote Medien“ seien die richtigen Plattformen, um das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen, sagte Maischberger. Nach Auffassung von Ministerin Giffey verändert sich der Blick auf Prioritäten und Perspektiven in gemischten Teams, nicht nur in den Medien. Die Quote sei der „intensive Anreiz“, guten qualifizierten Frauen wirklich eine Chance zu geben. Das habe die gesetzliche Frauenquote für Aufsichtsratsmitglieder erfolgreich bewiesen.

Rückenwind von ganz oben

„Pro Quote“-Vorstandsmitglied Sabine Stamer verwies darauf, dass bei der ersten Studie zu den Geschlechterverhältnissen in Printmedien fast kein Haus der Leitmedien die damals geforderten 30 Prozent erreicht habe – im Gegensatz zu heute. Der Durchschnitt des „Frauenmachtanteils“ liegt nach der vorliegenden Rundfunkstudie bei rund 35 Prozent. Deshalb sei jetzt die Parität das Ziel. Die werde seit kurzem sogar von der bisher eher quotenfeindlichen Kanzlerin Angela Merkel gefordert, merkte Maischberger an. „Ein schöner Rückenwind“, kommentierte Giffey.

Allerdings bewerten die Autorinnen Anna von Garmissen und Hanna Biresch nach den Maßgaben von „Pro Quote“ nicht die reinen Zahlen der Frauen in Sender-Leitungspositionen, sondern sie gewichten sie: Je höher die Führungsposition in den obersten vier Hierarchieebenen von der Intendanz bis zur Redaktionsleitung, desto wertvoller für die Gewichtung als „Frauenmachtanteil“. Ausgeschlossen von der Zählung waren allerdings Positionen in der Verwaltung, im Justiziariat, in der Unternehmenskommunikation und anderem, was nicht dem journalistisch-programmverantwortlichen Bereich zugeordnet wurde. Das rief deutliche Kritik bei ZDF-Chefredakteur Peter Frey hervor. Der verwis auf eine Verwaltungsdirektorin im ZDF in der Intendanz, die damit – trotz eindeutiger Machtposition – übergangen wurde.

Gefordert für die Bewertung waren auch Organigramme der Sender, um die Überprüfbarkeit der Angaben zu gewährleisten. Diese Forderung schlug den MDR aus dem ARD-Ranking, der nur drei hierarchische Ebenen nachwies. ProSiebenSat1 hatte zwar Zahlen, aber wie RTL kein Organigramm geliefert, da das Unternehmen „in ständiger dynamischer Umstrukturierung“ sei. Senior Vice President Annette Kümmel beklagte, der Unternehmensteil „TV Deutschland“ sei mit 30 Prozent „Frauenmachtanteil“ in der Studie völlig unterbewertet. In Wirklichkeit seien es mindestens 40 Prozent, und der Einfluss der unteren Hierarchieebenen würde unterschätzt.

Vereinbarkeit sollte mehr bringen

Kümmel, Frey und die Chefredakteurin des Deutschlandfunks Birgit Wentzien wiesen eine feste Quotierung zurück. Kümmel betonte flexible und mobile Arbeitsmöglichkeiten, „Netzwerke“ und entsprechende Compliance Regeln im Unternehmen. Frey sagte, dass er Leitungsstellen in In- und Auslandsstudios zum Teil nicht mit Frauen besetzen könne, wenn ein Familienumzug die Voraussetzung sei. Davor schreckten Frauen eher zurück als Männer.

Wentzien erklärte, dass Frauen weniger eine Quote als mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zum Beispiel durch Teilzeitmöglichkeiten auch in Führungspositionen, bei der Karriere helfen würden. Im RBB habe diese Möglichkeit zu dem hohen „Frauenmachtanteil“ von 51 Prozent beigetragen, ebenso die Befristung von Leitungspositionen mit einer daraus folgenden größeren Fluktuation und die frühzeitige Einbeziehung der Gleichstellungsbeauftragten in die Postenvergabe, unterstrich die RBB-Personalchefin Sylvie Deléglise: „Alles eine Frage der Organisation.“

 

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