Gemeinsame Initiative zum Zeugnisverweigerungsrecht

Zum ersten Mal haben sich die wichtigsten Organisationen von Presse und Rundfunk auf eine breite Gesetzesinitiative zum Zeugnisverweigerungsrecht verständigt. In einem gemeinsamen Gesetzentwurf fordern sie die Erweiterung dieses Rechts zum Schutz der Informanten und des Redaktionsgeheimnisses; zugleich treffen sie wirksame Vorkehrungen gegen unangemessene Übergriffe der Justiz auf Redaktionen und Journalisten.

ARD, Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Deutscher Journalisten-Verband (DJV), Deutscher Presserat, IG Medien, Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT) sowie das ZDF reagierten mit dieser Gesetzesinitiative auf wiederholte Eingriffe in das Redaktionsgeheimnis. Spektakuläre Justizaktionen, Durchsuchungen und Beschlagnahmen von redaktionellem Material, wie im vergangenen Jahr bei Sendern und Zeitungen in Bremen, hatten die Verbände und Rundfunkanstalten veranlaßt, gemeinsam für die Sicherung und den Ausbau der Pressefreiheit einzutreten.

Der Gesetzentwurf sieht vor, daß das Zeugnisverweigerungsrecht auf neue Informations- und Kommunikationsdienste sowie auf Filmberichte, nichtperiodische Druckwerke (wie Bücher oder Flugblätter) und auf das von Journalisten selbsterarbeitete bzw. -recherchierte Material ausgedehnt wird. Einschränkungen sind ausschließlich für jene Einzelfälle vorgesehen, in denen bestimmte, schwerwiegende Straftaten nicht anders aufgeklärt werden können.

Das mit dem Zeugnisverweigerungsrecht einhergehende Beschlagnahmeverbot soll laut Gesetzentwurf nur dann aufgehoben werden können, wenn der dringende Verdacht besteht, daß die betroffenen Mitarbeiter der Medien an solchen schwerwiegenden Straftaten beteiligt waren. Zerstreut sich dieser dringende Verdacht, müssen die beschlagnahmten Gegenstände zurückgegeben werden.
Die Justizbehörden haben das Zeugnisverweigerungsrecht in der Vergangenheit darüber hinaus umgangen, indem sie Telekommunikationsunternehmen zur Auskunft über entsprechende Telefonkontakte der Journalisten verpflichteten. Auch dies soll künftig nicht mehr möglich sein.


  • ARD – BDZV – DJV – Deutscher Presserat – IG Medien – VDZ – VPRT – ZDF

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Pressefreiheit ist keine Weltmeisterschaft

Deutschland ist in der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit einige Plätze abgestiegen und rangiert 2026 nur noch auf Platz 14. „Na und?“, werden einige jetzt sagen, „Das ist doch immer noch nicht schlecht!“ Doch, das ist es.
mehr »

Der Arbeitskampf im ÖRR geht weiter

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) setzt ihre Tarifverhandlungen in den Sendern der ARD fort und hält an ihren Forderungen von sieben Prozent Honorar- und Gehaltserhöhungen, mindestens aber 300 Euro monatlich mehr, fest. Dies gelte ausdrücklich auch für den Westdeutschen Rundfunk (WDR), erklärte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz-Dethlefsen, zuständig für Medien.
mehr »

Zukunftsoffensive für COSMO

Über 500 Organisationen, darunter die dju in ver.di, fordern bundesweite Zukunftsoffensive für ARD-Programm COSMO. Der WDR benennt seine  Radiowellen Cosmo und 1Live Diggi um und richtet die Programme neu aus. Ein einmaliges Großbündnis warnt die ARD davor, einen großen Teil der migrantischen Bevölkerung zu vernachlässigen.
mehr »

Bildmarkt ächtzt unter KI-Entwicklung

„Ein tiefer Graben“ trenne Fotograf*innen und Bildagenturen von denjenigen, die ihre Bilder veröffentlichen, resümiert Professor Lars Bauernschmitt in seiner Auswertung der diesjährigen Umfrage zum deutschen Bildermarkt. Während Fotograf*innen und Agenturen es überwiegend ablehnen, KI-generiertes Bildmaterial herzustellen, sieht das auf der Auftraggeberseite ganz anders aus.
mehr »