In eigener Sache: Online-Aufschlag im Januar

Mit Manfred Kloiber, Vorsitzender der Fachgruppe Medien in ver.di, sprach Redakteurin Karin Wenk über das Konzept der neuen ver.di-Publikation für Medienschaffende ab dem Jahr 2016

Manfred Kloiber, Vorsitzender des Bundesverbandes der Fachgruppe Medien Foto: ver.di / Murat Tueremis
Manfred Kloiber, Vorsitzender des Bundesvorstandes der Fachgruppe Medien
Foto: ver.di / Murat Tueremis

M | Was hat den Ausschlag gegeben für die Fachgruppen Medien, M künftig vor allem im Netz zu publizieren?

Manfred Kloiber | Uff, jetzt muss ich höllisch aufpassen. Üblicherweise fangen ja viele Strategen in den Medienhäusern an rumzueiern, wenn die Frage nach *DER* Online-Strategie gestellt wird. Aber: M muss weder online noch als Printversion Geld einspielen und das Team von M muss sich keine Gedanken darüber machen, mit welchem Online-Schnick-Schnack es die werberelevante Zielgruppe erreicht. ver.di leistet sich einfach seine medienpolitische Publikation M. Das ist komfortabel und stärkt die Unabhängigkeit der Redaktion. Wir sehen, wie auch unsere Kolleginnen und Kollegen immer stärker für und im Netz arbeiten. Sie beschaffen sich ihre Informationen aus allen Quellen und mit allen Geräten, die ihnen zur Verfügung stehen – analog und digital, beruflich und privat. M soll sichtbar sein – im Netz mit aktuellen, gut recherchierten und relevanten News aus der medienpolitischen Szene. Auf Papier mit hochqualitativem, fundierten und meinungsstarken Hintergrund. Ich finde, das ist eine Strategie, oder?

Aber es gab auch Argumente gegen eine M-Online?

Die Antwort fällt mir ein wenig schwer, weil wir ja in der Fachgruppe Medien eine sehr konstruktive und wichtige Diskussion genau über diese Frage hatten. Und ich gehörte zu der „No Print” Fraktion. Anfangs warb ich dafür, alle publizistische Kraft (und natürlich auch die Mittel) in eine umfassende Online-Plattform zu stecken, die nicht nur mit aktuellen Beiträgen und News journalistisch stark ist, sondern auch mit Essays, Dokumentationen und Dossiers publizistisch glänzt. Meine Kolleg_innen haben mich davon überzeugt, dass Print gerade für die tiefgehende medienpolitische Diskussion ein gutes, nachhaltiges und hochwertiges Medium ist. Deshalb wird das Netz unser Hauptmedium für das redaktionelle Brot- und Butter-Geschäft und die schönsten Perlen drucken wir zusätzlich auf Papier.

Und keine Sorge, dass M im Netz untergeht?

Ich weiß nicht, ob unser Konzept aufgeht. Was ich weiß: Wir haben ein super Team in der Redaktion, das nicht nur geballte medienpolitische Kompetenz mitbringt, sondern auch die viel beschworene Medien-Konvergenz quasi in sich verkörpert – Blogger, Netzjournalisten, Zeitungs-, Radio- und Fernsehmacher_innen. Darüber hinaus: ver.di ist die größte Interessenvertretung von Medienschaffenden in Deutschland, sogar in Europa. Das sind fast 40.000 Mitglieder im Journalismus und bei Radio, Film und Fernsehen. Insgesamt sind bei ver.di rund 2.000.000 politisch – auch medienpolitisch – interessierte Menschen organisiert. Da ist es klar, dass wir die Szene nicht nur sehr kritisch begleiten, sondern auch klare Positionen für unsere Mitglieder beziehen. Ich finde, das sind tolle Voraussetzungen, dass M nicht unter-, sondern abgeht.

nach oben

weiterlesen

Medienleute schützen, nicht verteufeln

Als völlig geschichtsvergessen bezeichnet die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di Hessen den Aufruf aus dem Umfeld der sogenannten Querdenker, am Sonntag in Frankfurt am Main gegen die „gleichgeschalteten Medien“ zu demonstrieren. Von der Polizei werde erwartet, dass sie Journalist*innen vor Übergriffen schützt, betonen auch die öffentlich-rechtlichen Redakteursausschüsse.
mehr »

Verbandsklagerecht für Urheber unverzichtbar

Das Verbandsklagerecht muss zwingend als neues Rechtsinstrument in das Urheberrecht aufgenommen werden. Mit dieser Forderung wenden sich der Deutsche Journalisten-Verband und die Gewerkschaft ver.di gemeinsam an die Abgeordneten des Deutschen Bundestags. Unterstützung erfahren die beiden Gewerkschaften durch ein Rechtsgutachten und den konkreten Formulierungsvorschlag von Prof. Dr. Caroline Meller-Hannich, Universität Halle-Wittenberg.
mehr »

Corona wirkt als Test für Menschenrechte

Die Menschenrechtslage hat sich in der Covid-19-Krise für Millionen von Menschen unmittelbar oder mittelbar verschlechtert, stellt Amnesty International im weltweiten Menschenrechts-Report 2020/21 fest. In vielen Teilen der Welt hätten die Pandemie und ihre Folgen im letzten Jahr die Auswirkungen von Ungleichheit, Diskriminierung und Unterdrückung verstärkt. Auch für Deutschland wird Handlungsbedarf ausgemacht.
mehr »

Wie hybrid darf ein Dokumentarfilm sein?

Der Dokumentarfilm „Lovemobil“ bietet seit Tagen heißen Diskussionsstoff. Eine STRG_F-Reportage des NDR hatte enthüllt, dass die Autorin Elke Lehrenkrauss den Film teilweise mit Darsteller*innen inszeniert hatte - ohne dies offenzulegen. Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG-Dok) nahm den Eklat um die "Fake-Doku" zum Anlass, in Kooperation mit der Deutschen Akademie für Fernsehen (DAfF) einen Web-Panel unter dem Titel „Was darf Dokumentarfilm?“ zu veranstalten.
mehr »