Mit kundigem Blick: Pressefreiheit als Gut

„Under Pressure – Die Freiheit nehm ich dir“ ist der Titel des 31. dju-Journalistentages, der am 20. Januar in der ver.di-Bundeszentrale in Berlin veranstaltet wird. Im Fokus steht die Pressefreiheit. Beleuchtet und debattiert werden sollen die unterschiedlichen Gefahren, denen das in Deutschland grundgesetzlich geschützte Gut hierzulande und international ausgesetzt ist.

In mehreren Foren wird die Situation in der Türkei und Osteuropa besprochen. Aber auch Angriffe auf die Pressefreiheit in Deutschland stehen auf der Tagesordnung, wie beim G20-Gipfel in Hamburg, wo das Konfliktfeld zwischen dem Grundrecht auf Pressefreiheit und den vermeintlichen Erfordernissen der inneren Sicherheit eine neue Dimension erreicht hat. Darüber und über die Konsequenzen der Ereignisse rund um G20 diskutieren der freie Fotograf Björn Kiezmann, Arnd Henze vom ARD-Hauptstadtstudio, der Rechtsanwalt Frank Venetis und dju-Bundesgeschäftsführerin Cornelia Haß.

Zum Journalistentag wird zudem eine besondere Fotoausstellung gezeigt: 32 Journalisten gerieten während des G20-Gipfels auf die schwarze Liste des Bundeskriminalamtes (BKA). Neun von ihnen wurde die Akkreditierung für den G20-Gipfel in Hamburg kurzerhand wieder entzogen. Laut ARD-Recherchen beruhten die Entscheidungen darüber auf einem „toxischen Gebräu aus falschen und rechtswidrig gespeicherten Daten“. Betroffene Fotojournalisten zeigen ihre Aufnahmen von den Ereignissen in der Ausstellung „Die Diskreditierten“, die parallel zum Journalistentag zu sehen ist.

Zur Einführung der Tagung spricht der Journalist und Publizist Ulrich Chaussy, bekannt und ausgezeichnet für seine Recherchen um das Oktoberfest-Attentat in München, über die grundsätzliche Bedeutung der Pressefreiheit für eine demokratische Gesellschaft. Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, und Ebru Tasdemir von taz.gazete berichten, wie es um die Pressefreiheit in der Welt steht und welche Schlussfolgerungen sich daraus ergeben. Verantwortlichkeiten und die Rolle der EU-Politik nehmen der OSZE-Beauftragte für die Freiheit der Medien, Harlem Désir, und die Journalistin und Expertin für Osteuropa, Marta Orosz, in den Fokus.

Neben der politischen Dimension hat auch die Wechselwirkung zwischen Medien und Kommerz Auswirkungen auf die Freiheit der Berichterstattung. Sind Geld und Macht Voraussetzung für die Pressefreiheit? Und welche Auswirkungen haben neue Geschäftsmodelle wie die Verquickung von PR und Journalismus im Content Marketing?

Dazu gibt es Impulse von Philipp Schwörbel, Vorstand der Genossenschaft Krautreporter, Arne Henkes von der Ströer Content Group und dem Kommunikationschef der Daimler AG, Jörg Howe. Außerdem diskutieren der Informationsdirektor des Bayerischen Rundfunks, Thomas Hinrichs, der ehemalige Mediendirektor vom FC Bayern München, Markus Hörwick, der Geschäftsführer der Südwest Presse, Thomas Brackvogel, und die Wertschätzer vom Obermain-Tagblatt.

Anmeldung zur Teilnahme am Journalistentag

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Pressefeindliche Angriffe in Leipzig

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beobachtete am Samstag in Leipzig Connewitz eine Demonstration. Neben zahlreichen Behinderungen der Berichterstattung kam es auch zu einem körperlichen Angriff auf ein Kamerateam des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). Die dju äußert große Besorgnis über die Lage der Pressefreiheit und fordert ein konsequenteres Eingreifen der Polizei auf Grundlage des sächsischen Versammlungsgesetzes.
mehr »

Indymedia-Ermittlungen komplett rechtswidrig

Das Landgericht Karlsruhe hat die Hausdurchsuchungen gegen die „Freiburger Fünf“ abermals für rechtswidrig befunden. Es habe keinen „hinreichenden Verdacht“ für die Vorwürfe gegeben. Die eingeleiteten Maßnahmen der Karlsruher Staatsanwaltschaft gegen fünf Personen zum Komplex »Indymedia linksunten« aus Freiburg seien die  »nicht verhältnismäßig« gewesen.
mehr »

Misstrauen abbauen und selbst machen

Seit November vergangenen Jahres läuft ein neuer Journalismus-Pilot in Zwenkau bei Leipzig. In zehn weiteren sächsischen Landkreisen will das Projekt „Bürger machen Journalismus“ Menschen aus ländlichen Regionen dafür gewinnen, sich journalistisch mit Themen aus ihrem Umfeld zu beschäftigen. Das Projekt der Universität Leipzig will Medienmisstrauen begegnen, indem es Bürger*innen ermöglicht, selbst in die Rolle eines Journalisten zu schlüpfen.
mehr »

Krawallschleudern in die Schranken weisen 

In der Kontroverse um Äußerungen des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther fordert ver.di, presseethische Standards zu verteidigen und Digitalplattformen in die Medienregulierung einzubeziehen.  
mehr »