Scheinpraktika im Visier

Petitionsausschuss berät prekäre Situation junger Leute

Die „Generation Praktikum“ hat jetzt alle Fraktionen des Deutschen Bundestages erreicht. In einer öffentlichen Sitzung des Petitionsausschusses offerierten die DGB-­Jugend und der Verein Fairwork ihre Vorschläge zur Regelung von Praktika im und nach dem Studium vor voll besetzten Reihen im großen Fraktionssaal der CDU / CSU. Die beiden Petitionen waren von mehr als 108.000 Bürgern unterzeichnet worden.


Die Grünen und die Linke haben Gesetzesentwürfe eingebracht, die SPD berät ebenfalls über das Praktikum. Auch der FDP-Vertreter im Petitionsausschuss erkannte das Problem an, erhielt aber auf seine Frage nach den „Problembranchen“ sowohl von den Petenten wie den Staatsministern aus Bundesbildungs- und Bundesarbeitsministerium nur ungenau Antwort. Es seien vor allem die Geistes- und Sozialwissenschaftler, bei der die Hälfte aller Absolventen betroffen seien. Das Wort „Medien“ fiel dabei nur leise, auch wenn die kürzlich erschienene Studie von DGB und Hans-Böckler-Stiftung die Medienbranche als Tummelplatz der Generation Praktikum ausgewiesen hatte.
Einig war man sich weitgehend, dass die „Problemgruppe“ die Akademiker im Praktikum sind. Studienbegleitende Praktika sollten zwar nach DGB-Forderung mit monatlich mindestens 300 Euro honoriert werden, aber hier sei die entscheidende Frage „Praktikum zur Ausbildung mit dem Schwerpunkt auf dem Lernen“ oder Ausbeutung und Scheinpraktikum und damit auch ein Verstoß gegen die Sozialversicherungspflicht des Arbeitgebers oft nicht geklärt. Die Dauer des Praktikums könne ein Hinweis auf den Missbrauch sein. Dabei sei zu überlegen, ob die Nachweispflicht, dass es sich um ein Arbeitsverhältnis handle und somit angemessen zu entlohnen sei, nicht umgedreht werden könne, zu Lasten des Arbeitgebers. Schließlich gehöre zu jedem Berufseinstieg eine bezahlte Einarbeitungszeit, so die Linke.

Die Grünen regten an, dass die Tarifpartner Einigungen zum Thema Praktikum verhandeln sollten, eine Idee, die sich die dju-­Jugend mit ihrer Praktikumsinitiative bereits auf die Fahnen geschrieben hat. Aus den Reihen der SPD wurde zum Schluss der Anhörung noch auf die Möglichkeiten der Betriebsräte hingewiesen, das Anheuern von Scheinpraktikanten durch Einstellungswiderspruch zu verhindern.
Der Petitionsausschuss wird nun die demnächst erscheinende Studie des Hochschulinformationssystems HIS auswerten, für die rund 12.000 Absolventen befragt wurden, und versah die Vertreter der Ministerien mit etlichen Rechercheauf­trägen. Die Sacharbeit findet in den entsprechenden Ausschüssen für Arbeit und Bildung statt, die Mitglieder des Petitionsausschusses wollen aber die Anregungen aus den Anhörungen einbringen.

nach oben

weiterlesen

Verleger Ippen stoppt Bericht über Bild-Chef

Seit gestern steht der Vorwurf des Machtmissbrauchs bei Springer durch Bild-Chefredakteur Julian Reichelt erneut im Licht der Öffentlichkeit. Journalist*innen des Ippen-Verlages wollten nach wochenlanger Recherche über neue Erkenntnisse berichten. Verleger Dirk Ippen stoppte die Veröffentlichung. Das Team „Ippen Investigativ“ protestiert, da dies „allen Regeln der unabhängigen Berichterstattung“ widerspreche. Auch die dju in ver.di sieht Ippens Vorgehen kritisch.
mehr »

Umdenken auf dem medialen Bildermarkt!

Der Fotojournalismus ist zukunftsfähig! Dieses positive Signal sendeten Vorträge und Diskussionen beim Fotograf*innentag 2021 am 8. Oktober in Dortmund. Es ging um neue Chancen für das Berufsbild in Zeiten des „digitalen Plattformkapitalismus“, zunehmender Anforderungen durch Auftraggeber und immer schlechterer Bezahlung. „Slow Journalism“, eigene, digitale Veröffentlichungsformate oder besser vernetzte Interessenvertretungen bieten Ansätze.
mehr »

Was mit Medien? Das braucht Hartnäckigkeit

Wer hierzulande in den Journalismus will, braucht vor allem eines: Hartnäckigkeit. Denn obwohl in manchen Bereichen wie den Lokalredaktionen von Nachwuchsmangel die Rede ist, ist es für die jungen Leute, die den Berufseinstieg suchen, oft gar nicht so leicht. Egal ob Praktikum, Volontariat oder Journalistenschule: Dran bleiben und sich nicht entmutigen lassen, heißt die Devise. Wir begleiten zwei junge Frauen auf ihrem Weg in den Beruf.
mehr »

Unternehmerinnen entwickeln Superkräfte

Das Mediengründerzentrum NRW feiert zu seinem 15jährigen Jubiläum am 25. Oktober 2021 alle starken Frauen, die mindestens 24 Monate in der Medienbranche Nordrhein-Westfalens selbstständig tätig sind und ihre Visionen in eigenen Unternehmen umsetzen möchten. Das neunteilige Sheroes-Programm ist erstmals vor drei Wochen gestartet und läuft noch bis Dezember 2021. Dann soll es 2022 in die zweite Runde gehen. Es richtet sich an Soloselbständige, Freiberuflerinnen, Gründerinnen und Unternehmerinnen.
mehr »