Schnelle und unbürokratische Hilfe

Aktivisten von Amnesty International protestierten gegen ein neues Gesetz zur Einschränkung der Pressefreiheit in Burundi (2013) vor der Botschaft Burundis in Brüssel Foto: REUTERS / Francois Lenoir

Seit nunmehr 23 Jahren unterstützt die Organisation „Journalisten helfen Journalisten“ bedrohte und notleidende Kolleginnen und Kollegen auf der ganzen Welt. Mal geht es um medizinische Hilfe, mal um die Finanzierung eines Anwalts, mal um einen neuen Computer und mal um die Übernahme von Flugkosten, damit verfolgte Journalist_innen sich in Sicherheit bringen können. Dank internationaler Vernetzung kann die Gruppe in vielen Fällen weiterhelfen.

Das Telefon klingelt häufig in diesen Tagen bei Carl Wilhelm Macke. Gerade hat ein Bekannter aus der kenianischen Hauptstadt Nairobi ihn darauf aufmerksam gemacht, dass ein südsudanesischer Journalist massiv bedroht wird und das Land dringend verlassen muss. Das Notfallreferat von „Reporter ohne Grenzen“ will wissen, ob man sich im Fall einer Hilfe für eine Kollegin aus Aserbaidschan die Kosten teilen kann. Und ein Journalist möchte ein Interview mit Macke über die Arbeit der Organisation „Journalisten helfen Journalisten“ (JhJ) führen.
Geduldig, engagiert und effizient hilft Macke, der seit vielen Jahren im Vorstand von JhJ sitzt, allen weiter. Der südsuanesische Kollege wird nach Kenia ausgeflogen, Macke sagt zu, die Hotelkosten für die ersten Tage in Nairobi zu übernehmen und bei der Suche nach einer Privatunterkunft zu helfen. Außerdem will er schon bald einen Text des Südsudanesen über die von der Regierung eingeschränkte Pressefreiheit in seinem Heimatland auf der JhJ-Homepage veröffentlichen.
Eine Mail des „Komitees zum Schutz von Journalisten“ (CPJ) geht ein. Eine Kollegin aus Burundi, die im Exil in der ruandischen Hauptstadt Kigali lebt, ist in einer prekären Situation, kann kaum noch ihre drei Kinder ernähren. Spontan sagt Macke Hilfe zu. Auch andere Organisationen sind angefragt worden. Macke ist zuversichtlich, dass noch mehr Unterstützung eingehen wird.
„Unser Vorteil ist, dass wir schnell und unbürokratisch helfen können“, sagt der JhJ-Koordinator. Ich muss mich nur mit drei Menschen abstimmen, dann können wir direkt Unterstützung zusagen.“ In größeren Organisationen sei das oft umständlicher, da gebe es erst einmal Meetings und Rücksprachen mit Zentralen im Ausland. „Geholfen werden muss aber oft sofort“, betont Macke. Und zwar so schnell, dass manchmal Korrespondent_innen, die Mitglied bei JhJ sind, das Geld schon mal aus eigener Tasche vorstrecken. „Oft geht es gar nicht um große Summen“, betont Macke. JhJ ist ein vergleichsweise kleiner Verein mit etwa 130 zahlenden Mitgliedern und weiteren Spendern. Das Büro der Gruppe ist in der Privatwohnung von Carl Wilhelm Macke in München untergebracht.

Die Idee zur Vereinsgründung entstand 1993. Auslöser war der tödliche Beschuss des SZ-Korrespondenten Egon Scotland in Kroatien zwei Jahre zuvor gewesen. Seine Witwe Christiane Schlötzer, ebenfalls Journalistin bei der „Süddeutschen Zeitung“ und Mitbegründerin von JhJ, ist bis heute im Vorstand des Vereins aktiv.
Mit ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern organisiert sie unermüdlich medizinische Hilfe für Journalist_innen, die im Einsatz verletzt worden sind, kümmert sich um materielle Unterstützung von Kolleg_innen, die ohne Hilfe ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen könnten. Manchmal werden Computer gespendet, manchmal die Kosten für Flüge, Rechtsanwälte oder psychosoziale Betreuung finanziert. Dabei arbeitet JhJ nicht nur mit „Reportern ohne Grenzen“, sondern auch mit Amnesty International oder der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte zusammen.
„Auch international sind wir immer besser vernetzt“, sagt Macke. „Über den Verbund ‚Journalists in Distress’ tauschen wir uns mit ähnlichen Organisationen, etwa in den USA, Kanada, Großbritannien, Dänemark, Schweden, den Niederlanden oder Irland über Notfälle aus. Dann organisieren wir gemeinsam humanitäre und oft auch moralische Unterstützung, was in vielen Fällen genauso wichtig ist. Die Kolleg_innen in Not brauchen das Gefühl, nicht allein zu sein.“ Die Anfrage von CPJ zu der Journalistin aus Burundi kam aus ebenjenem Netzwerk.

Große Organisationen wie Amnesty International, Human Rights Watch, der PEN oder ROG können Schicksale verfolgter Journalisten mit ihren Möglichkeiten oftmals besser recherchieren oder schneller verifizieren als kleine Vereine. Doch wenn es um konkrete Hilfen gehe, ist Macke überzeugt, zeige JhJ seine Stärke und werde dringend gebraucht.
Zurzeit registriert er verstärkt Anfragen aus Ostafrika. In Krisenregionen wie Somalia, Eritrea oder Burundi werde die Pressefreiheit mit Füßen getreten, was bei vielen Medienschaffenden zu Verfolgung und massiven Problemen führe. Viele müssen ihr Land verlassen und haben Schwierigkeiten, im Exil ihren Beruf auszuüben.
Auch wer, wie etwa aktuell einige Journalisten aus Syrien, in Deutschland Schutz sucht, kann mit der Unterstützung von JhJ rechnen. Es geht neben der wichtigen materiellen Hilfe oft auch darum, einen sicheren Aufenthaltsstatus für die Betroffenen zu erreichen. Und natürlich darum, Publikationsmöglichkeiten zu finden. Persönliche Kontakte zur „Süddeutschen Zeitung“, zum Bayerischen Rundfunk, zur Deutschen Welle, zur „FAZ“ oder zum „Handelsblatt“ helfen dabei.

 

 

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