Schon entdeckt? Harburger Blatt

Wer sagt eigentlich, dass die Printzeitung keine Zukunft hat? Peter Noßek hat 2013 damit begonnen, mit der 14-tägig erscheinenden Stadtteilzeitung Harburger Blatt den Gegenbeweis anzutreten. In diesen Tagen feiert die nach eigenem Bekunden „Freie Zeitung für Harburg Stadt Land Fluss” mit ihrer 50. Ausgabe ihr zweijähriges Bestehen.

Im digitalen Zeitalter moderner Medienpräsenz geht Noßek den geradezu anachronistischen und bisweilen sozialromantischen Weg, indem er voller Überzeugung auf sein Druckerzeugnis, das er für einen Euro anbietet, setzt. Kontinuierlich rund 2000 verkaufte Exemplare pro Ausgabe geben ihm scheinbar Recht. Ein paar wenige Anzeigenkunden aus dem Stadtteil im Hamburger Süden ergänzen das Budget. Die zwölf Seiten werden jedes Mal durch ein kleines engagiertes Team mit viel Herzblut gefüllt. Dazu gehören wenige Autoren, ein Grafiker, Zeichner und meist von Nußek selbst gemachte Fotos. Geld zum bescheidenen Bestreiten seines Lebensunterhaltes kann nur Initiator Nußek aus dem Blatt ziehen. „Zu gerne würde ich anderen Autoren auch ein Honorar zahlen”, doch das gebe der Ertrag nicht her, schildert der 56-Jährige beinahe entschuldigend die Situation.

Gefragt nach den Inhalten und der Themenauswahl, sagt der studierte Sportwissenschaftler, der nun als Herausgeber, Chefredakteur, Reporter, Fotograf, Anzeigenbeschaffer, Vertriebssachbearbeiter und kaufmännischer Projektleiter den Allrounder gibt: „Wir hecheln nicht dem Terminjournalismus hinterher.” Das Harburger Blatt sei für Geschichten da, die andere Medien nicht oder noch nicht haben. Auf der wöchentlichen Redaktionskonferenz werden dann laut Noßek auch keine Einladungen zu Pressekonferenzen gesichtet, sondern immer die Frage nach der individuellen Story gestellt: „Was hast Du erlebt? Was ist Dir passiert? Welche Idee hast Du?” So ist bei den Beiträgen die persönliche Note gewährleistet – zugleich ein Kriterium von Nähe, das die Harburger Leserschaft besonders schätzt. Zur Nähe gehört auch, dass Noßek selbst 70 Vertriebsstellen mit seiner Zeitung versorgt und dabei eine Leser-Blatt-Bindung hautnaher als jede etablierte Zeitung erlebt.

Noßek hat versucht, mit dem Projekt ein wenig das Nachrichten übermittelnde Vakuum zu füllen, das die aus finanziellen Gründen erfolgte Einstellung der Harburger Anzeigen und Nachrichten Ende September 2013 hinterlassen hat. Bei der mit über 169-jähriger Geschichte ältesten Tageszeitung Hamburgs war Noßek bis zu ihrem Aus insgesamt 18 Jahre journalistisch als freier Mitarbeiter tätig. Seine damit verbundenen Kontakte und Bekanntschaften innerhalb des Süderelbe-Stadtteils haben sich fürs Harburger Blatt als sehr hilfreich erwiesen.

Im Internet findet man zum Harburger Blatt nur eine Impressum-Seite, sonst nichts, dazu noch einen Facebook-Auftritt. „Ich gebe dem Internet nichts, weil es den Dingen den Wert nimmt”, begründet Noßek die Netz-Abstinenz.

 

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