Über die Symbiose von Internet und Journalisten

Vorgestellt: Neue Bücher über die Recherche im Netz

Für Journalisten, besonders für uns schreibende „Tagelöhner“, ist die Nutzung des Internet und seiner Dienste in den letzten Jahren unverzichtbarer Bestandteil der Arbeit geworden. Wer seinen Bauchladen, bestehend aus landesweit verstreuten Redaktionen, bedienen will, nutzt die elektronische Post als kostengünstiges und schnelles Transportmittel für Artikel und Bilder. Da sich kaum ein Freier ein eigenes Medienarchiv oder gar den Bezug von Agenturdiensten leisten kann, treten die oft kostenlosen Onlinearchive von Tageszeitungen und Magazinen aus dem World Wide Web (WWW) an diese Stelle. Interviewpartner werden per E-Mail angeschrieben, Gespräche nach Übersee in Chatboxen oder per Internet- Telefonie geführt. Ein Trend, der einigen Verlagen Anlaß gibt, neue Titel zum Thema „Journalismus Online“ auf den Markt zu werfen.

Drei aktuelle Handbücher zum Thema sollen Einsteigern und Fortgeschrittenen helfen, die weltweiten Datennetze effektiv zu nutzen. Von den Autoren Clasen, Wallbrecht und Rommerskirchen stammt der Titel „Internet für Journalisten – Online-Recherchen im Netz der Netze“, den der Luchterhand Verlag zusammen mit dem Verlag Rommerskirchen aufgelegt hat. Das kleine Taschenbuch mit dem stolzen Preis von 44 Mark bietet einen kurzen Überblick zu den wichtigsten Feldern des Themas. Technische Fachbegriffe und Hintergründe sind meist auch für Einsteiger verständlich erklärt. Das im Frühjahr dieses Jahres erschienene Buch ist aber leider teilweise schon wieder veraltet. So sind etwa neuere Browserversionen (eine Software die das Navigieren im Internet erlaubt) nicht ausreichend dargestellt. Leider haben die Autoren nicht darauf verzichtet, die sattsam bekannte Historie des Internet ein weiteres Mal breit darzustellen. Warum Themen wie Videoconferencing (eine Technik für Bildtelefonie via Internet) oder Java (eine plattformübergreifende Programmiersprache) eine solch breite Darstellung finden, bleibt ein Geheimnis der etwas willkürlichen Verfasser. Besser wäre es für den Leser gewesen, den praktischen Umgang mit Suchmaschinen, die Tücken bei der Anmeldung bei einem Onlinedienst oder Provider, die Installation eines Internetbrowsers und das Arbeiten mit an E-Mail angehängte Dateien einmal gründlich darzustellen.

Nützlich sind dagegen die aktuellen Links im Anhang des Buches, die die Redaktion „journalist“ zusammengetragen hat. (Links, das sind Verweise, die auf einen einfachen Mausklick hin den Sprung auf andere Stellen im Internet ermöglichen.) Doch wer die Liste der Suchmaschinen und Kataloge, der im Internet vertretenen Medien, Bibliotheken und Unternehmen nutzen will, kann dies auch weitaus einfacher haben: Die Verweise stehen im WWW unter http://www. journalist.de/links/medienlinks. html, wo das Material kostenlos und ohne lästiges Abtippen verfügbar ist.

Stefan Lamprecht hat sich in seinem Werk „Professionelle Recherche im Internet“ dagegen ganz auf die Feinheiten bei der effektiven Informationssuche im globalen Computernetzwerk konzentriert. Selbst eingefleischte Netzprofis können hier noch etwas über die Nutzung der elektronischen schwarzen Bretter, der sogenannten Newsgroups im Usenet lernen. In diesen Diskussionsforen unterhalten, streiten und informieren sich weltweit einige Tausend Menschen. Das Themenspektrum ist dabei sehr vielfältig und reicht von Tips und Trick zu Hardware- und Softwareproblemen über Hinweise zur Tierhaltung bis hin zur Diskussion von Forschungsergebnissen aus dem Bereich der Kernphysik. Um an den Diskussionen in den Newsgroups teilnehmen zu können, benötigt der Rechercheur entweder einen speziellen Newsreader, oder sie benutzen die eingebaute Funktion der Browser für das World Wide Web.

Viele Internetnutzer stehen vor dem Problem, daß sie aus Suchmaschinen wie www.hotboot.com oder www.altavista.digital.com meist nicht mehr als eine wirre Masse oft nutzloser Links herausholen. Der Verfasser erklärt deshalb die Funktionsweise dieser Inhaltsverzeichnisse des Internet und zeigt, wie durch geschickte Verknüpfung mehrerer Begriffe ein zufriedenstellendes Rechercheergebnis entsteht.

Auch die Suche nach Personen ist im Internet keine Hexerei. Spezielle Suchdienste wie www.four11. com und www.bigfoot.com helfen bei der Suche nach den E-Mail-Adressen von Interviewpartnern. Ein Verzeichnis nützlicher Webseiten, auf denen sich Online-Wörterbücher und andere Wissensspeicher finden, runden das Buch ab.

Im unscheinbaren blauen Einband kommt der Titel „Recherche online – Ein Handbuch für Journalisten“ daher. Darin steckt ein Buch, das tatsächlich keine relevante Frage der journalistischen Nutzung des Internet offenläßt. Dem Autoren Jochen Wegner gelingt es auf knapp 350 Seiten, die Funktionsweise und den Aufbau aller Dienste und Recherche-Ressourcen aufzuzeigen und brauchbare Tips für ihre Nutzung zu geben, ohne dabei auch nur einmal langweilig oder unkritisch zu werden.

Recherche online hat ihre Tücken, wer nach dem Blick auf unzählige Websites letztlich nur Geld und viele Stunden kostbarer Arbeitszeit vertan hat, sammelt zwar Erfahrung, nicht aber die eigentlich gesuchten Informationen. Damit man beim Surfen wegen der Vielfalt des Materials nichts ins Schwimmen Gerät, hat Wegner eine Checkliste für die Netzrecherche entwickelt: So sollte der Journalist, der möglichst viel Hintergrundmaterial sucht, die Netze möglichst früh zu Rate ziehen. Oft stößt man dort auf wichtige Details und abseitige Anekdoten, die ein dröges Pflichtstück zum kleinen Fakten-Feuerwerk machen. Erst gegen Ende sollte der Griff auf kostenpflichtige Dienste wie jene in Compuserve oder T-Online erfolgen, wo weitere weiteren Details gefunden werden können. Gut gepflegte, teure Datenbanken sind wegen ihrer größeren Zuverlässigkeit auch ein gutes Mittel, um fragwürdige Internet-Infos gegenzurecherchieren. Wer einen eng umgrenzten Faktenzusammenhang oder ein einzelnes Faktum sucht, wird erfahren, das die Suche nach sehr spezifischen Informationen im Netz frustrierend sein kann – je enger die Fragestellung, desto unwahrscheinlicher, daß die Antwort dort zu finden ist. Oft hilft auch eine Anfrage in den passenden Foren des Usenet, oder bei den Onlinediensten Compuserve oder AOL. Nicht selten sitzt irgendwo auf der Welt ein Mensch, der sich genau mit demselben Rechercheproblem beschäftigt. In den Journalisten-Foren wie dem „Jo!Net,“‘ im „lnfodienst Wissenschaft“ oder im „Profnet“ finden sich Kollegen und Experten, von denen manche nützliche Hilfe zu erwarten ist. Manchmal kommt die Antwort schon innerhalb weniger Stunden, meist sind nach spätestens einem Tag irgendwelche Hinweise dar. Schließlich ist gegenseitige Hilfe eine der Grundregeln des Internet.

Besonders gut in den Netzen zu recherchieren sind die Themen Computer, Wissenschaft, Technik und Sex. Eine Fundgrube sind die Netze auch schon immer für Themen mit eher (politisch-)alternativem Charakter. Außerdem nutzen viele verstreut lebende Menschen mit denselben Interessen, seien es sogenannte „Randgruppen“ oder Hobbyisten, die integrative Kraft des Mediums, um „Communities of Interest“, zu bilden. So kommt es, daß gerade besonders seltsame Themen im Internet manchmal besonders gut dokumentiert sind.

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