Zehn Landesverbände, 15.000 Mitglieder, rund 300 Veranstaltungen im Jahr, das ist die Bilanz der Jugendpresse Deutschland, die Clara Hoheisel, Geschäftsführende Bundesvorständin beim Sommerfest der Jugendpresse Deutschland am Freitag in Berlin-Neukölln bekannt gab. Zur Eröffnung gab es ein Gespräch mit ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner über das Thema „Was braucht junger Journalismus“.
Jüngstes Projekt der Jugendpresse ist „Nah-Dran – Medien für alle“, das sich besonders an ländliche und strukturschwache Räume wendet, denn „Perspektiven, Wünsche und Sorgen junger Menschen aus ländlichen und strukturschwachen Regionen sind im Journalismus nach wie vor unterrepräsentiert.“ Bei „Nah:dran“ werden Podcasts und Videos mit Jugendlichen produziert. Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.
Für den Schülerzeitungswettbewerb der Länder will die Jugendpresse im kommenden Jahr eine eigene Datenbank alle Schülerzeitungen in der Bundesrepublik aufbauen.
Nicht mehr weitergeführt werden die „JugendPolitikTage“, die sich alle zwei Jahre in Berlin setzten mit der Jugendpolitik auseinandersetzten und „Empfehlungen für eine wirksame Jugendbeteiligung“ erarbeiteten. „Die Bundesregierung setzt andere Schwerpunkte“, fassten Hoheisel und Cynthia Seidel, auch von Bundesvorstand der Jugendpresse, die Gründe zusammen.
Jugendpresse sorgt für Nachwuchs
Beide sprachen danach mit ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner „Was braucht junger Journalismus?“ Sie fragten Wegner, der Mitglied im Kuratorium der Jugendpresse ist und Absolvent der Kölner Journalistenschule ist, ob er heute wieder im Journalismus landen würde. Ratlose Pause, dann Gelächter der rund 50 Teilnehmer*innen. Wegner berichtete, dass seine Familie ihm eher zu anderen, sichereren Berufen geraten habe. Auch er würde jungen Leute heute den Berufseinstieg nur raten, wenn sie von diesem Weg restlos überzeugt seien.
Allerdings müsse er zugeben, dass es im Journalismus durch die vielen verschiedenen Themen nie langweilig werde. „Es ist bis heute super!“ Viele der Kolleg*innen, die jetzt in Rente gingen, hätten in ihrem Journalistenleben sehr viel Verschiedenes gemacht.
Warum es für viele junge Menschen heute so interessant sei, in den Journalismus zu gehen? Wegner: „Das frage ich mich auch. Deshalb bin ich ja heute hier.“ Die Zeit erhalte auf ihre drei Volontariatsstellen jeweils rund 1000 Bewerbungen, das Auswahlverfahren werde deshalb zu einem ungeheuren Aufwand. Unbezahlte Praktika gebe es bei der ZEIT nicht.
Die Fähigkeiten, die junge Leute für den Einstieg brauchen, so Wegner, sie die „Freude daran, Neues zu erfahren, Geschichten zu erzählen, die Freude an Wahrheit und Weitergabe“. Dabei würden ständig neue Ausspielwege entstehen und man müsse selbstständig dazulernen und zwar schnell. Als Beispiel nannte er die Künstliche Intelligenz und das von ihm benutzte Tool „Claude“. Das sei in seinem Job „relativ schnell überlebenswichtig geworden“ zum Durchforsten großer Daten- und Artikelmengen oder für Übersetzungen beispielsweise. Bei der Zeit fielen derzeit keine Jobs durch KI weg, „eher im Gegenteil“.
„Und was müssen Nachwuchsjournalisten vom heutigen Abend mitnehmen?“, fragten Hoheisel und Seidel zum Schluss. „Vergessen, was der alte Mann da sagt.“ Und sich für den Einstieg Themen suchen, die nicht von vielen bearbeitet werden. So habe er als studierter Physiker zunächst über Teilchenbeschleuniger geschrieben und damit schnell Erfolg gehabt.
Transparenzhinweis: Die Autorin ist ebenfalls Mitglied im Kuratorium der Jugendpresse Deutschland.


