Weit und breit kein Wegweiser

Medienkompetenz für Erwachsene vermittelt durch die Medien

Die gesamte Medienlandschaft befindet sich im Umbruch. Ausländische Investoren drängen in den Kabel- und Fernsehmarkt und übernehmen Tageszeitungen. Fernsehen und Computer sind dabei, miteinander zu verschmelzen. Mit einem Digital-Decoder kann man Hunderte von Sendern empfangen. Otto Normalverbraucher hat längst den Überblick verloren. Sein technisches Verständnis endet in der Regel beim 16:9-Flachbildfernseher. Er hat zwar mitbekommen, dass sein neues Gerät „HD-ready“ sein sollte, aber was das heißt, weiß er nicht; mit Abkürzungen wie DVB-T kann er in der Regel ohnehin nichts anfangen.

Rosige Zeiten also für Medienfachjournalisten: Es gibt viel zu tun, denn dass Defizit der meisten Erwachsenen in Sachen Medienkompetenz ist eklatant und offensichtlich. Zu dumm, dass sich die Arbeit der Medienredakteure bei den Tageszeitungen weitgehend darauf beschränkt,  einen Mangel zu verwalten. Selbst wenn sie ausreichend qualifizierte Mitarbeiter hätten, die mit der komplexen Entwicklung des Medienmarktes Schritt halten konnten: Die Verlage sind auf eine anspruchsvolle Berichterstattung gar nicht erpicht. Daher sind die Medienseiten längst wieder das, was sie früher waren: Fernsehseiten. Einzig die überregionalen Tageszeitungen befassen sich immer wieder mal mit medienpolitischen Themen; regionale Blätter hingegen, die sich zu Zeiten des Medienbooms Ende der Neunziger sogar eigene Medienseiten geleistet hatten, haben sie aus (nicht selten vorgeschobenen) Kostengründen längst wieder abgeschafft. So mancher Geschäftsleitung kam die Werbekrise nach dem Platzen der Internet-Seifenblase gerade Recht; Chefredakteure gaben öffentlich zu, im eigenen Blatt nicht dauernd Artikel über die Einbrüche bei den Anzeigeneinnahmen lesen zu wollen.
Mittlerweile hat sich die ökonomische Lage zwar längst wieder stabilisiert, doch am Status quo wurde nicht mehr gerüttelt. Und so ist der Medienfachjournalismus zum Nischenberuf geworden. Medienpolitik wird in der Regel auf ihre wirtschaftlichen Aspekte reduziert und findet im entsprechenden Ressort statt. Die Zeit hat ihr Medienressort gleich ganz abgeschafft, bei der Frankfurter Rundschau wurde es im Zuge der Sparmaßnahmen dem Feuilleton angegliedert; auf der Medienseite findet sich seither auch schon mal das tägliche „Sudoku“-Rätsel. Noch drastischer veranschaulicht der Berliner Zeitungsmarkt die Entwicklung: Der Axel Springer Verlag hat Welt und Berliner Morgenpost mehr oder weniger fusioniert. Betrieb die Morgenpost früher eine für ein regionales Blatt erstaunlich offensive Medienberichterstattung mit breitem Spektrum, beschränkt sich das Thema Medien mittlerweile auf TV-Vorschauen.
Gleiches gilt für Programmzeitschriften. Selbst die einstmals ambitionierte TV Spielfilm, die sich konsequent an ein junges, medienkompetentes Publikum richtet und die Grenzen der reinen Vorberichterstattung regelmäßig sprengte, betreibt längst den gleichen Promi-Journalismus wie der restliche Markt; wenn auch auf höherem Niveau. Blieben noch Fachzeitschriften wie CUT oder Digital Fernsehen, doch die richten sich tatsächlich überwiegend an eine spezifische Leserschaft und setzen zudem starke technische Schwerpunkte. Medienpädagogisch ausgerichtete Titel wie „tv diskurs“ oder „medien + erziehung“ beschränken sich in der Regel auf Medienkompetenz für Kinder und Jugendliche.
Im Fernsehen selbst sieht es noch finsterer aus: Selbstreflektion findet im Leitmedium nur noch in Form von Blödel-Shows wie Stefan Raabs TV total oder Persiflagen wie Kalkofes Mattscheibe statt. Medienkritische Magazine wie Glashaus – TV intern (ARD, 1972 bis 1979) oder betrifft: Fernsehen (ZDF, 1974 bis 1984) sind dermaßen Vergangenheit, dass sich kaum noch jemand daran erinnert. Das Medienmagazin Zapp vom NDR ist gegenwärtig nahezu das Einzige auf weiter Flur. Der Sendeplatz (mittwochs 23 Uhr) belegt, welchen Stellenwert man der Medienberichterstattung einräumt. Genannt werden sollte an dieser Stelle auch die Fernsehsendung „EinBlick“ vom bayerischen Rundfunk, die jedoch lediglich jeden ersten Sonntag des Monats von 16.00 bis 16.30 Uhr läuft. Rühmliche Ausnahmen bilden allein die ARD-Hörfunksender. Auch dort haben die Medienmagazine zwar kräftig Federn gelassen und müssen mit deutlich schmäleren Etats über die Runden kommen, doch immerhin gibt  es regelmäßige, meist wöchentliche Sendungen.

Medienmagazine im Radio

Sender Programm Magazin Sendezeit
RBB Radio Eins Medienmagazin Samstag 18.03 – 19.00 Uhr
SR sr2 Medienwelt Samstag 17.04 – 17.30 Uhr
DLR DLF Markt und Medien Samstag 17.05 – 17.30 Uhr
hr hr info Medien und Computer Sonntag 11.05 – 11.30 Uhr
SWR swr cont.RA Medien Sonntag 12.30 – 13.00 Uhr
BR B 5 MedienMagazin Sonntag 14.05 – 14.30 Uhr
WDR WDR 5 töne, texte, bilder Sonntag 18.03 – 18.30 Uhr

Sonstige

Radio Corax Recherche UKW in Halle / www.medienmagazin.net
OKB 97.2 Formatwandler OKB Berlin / www.formatwandler.de
Antenne Düsseldorf Frequenzfieber NRW-Bürgerfunk / www.frequenzfieber.de
Radio Q Was mit Medien im Campus-Radio Münster / www.radioq.de


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