Statistischer Unsinn

Statistiken sind aus dem Medienalltag nicht mehr wegzudenken; selbst in der Sportberichterstattung sind entsprechende Grafiken längst selbstverständlich. Und doch sei das Image seines Fachs, bedauert Andreas Quatember, Professor am Institut für Angewandte Statistik der Uni Linz, „denkbar schlecht”. Schuld daran ist seiner Ansicht nach der Irrtum vieler Menschen, die Qualität der Methoden mit der Qualität der Anwendung zu verwechseln.

Andreas Quatember: „Statistischer Unsinn. Wenn Medien an der Prozenthürde scheitern” Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2015. 226 Seiten, 14,99 Euro (E-Book: 9,99 Euro). ISBN 978-3-662-45335-3

Um diesen Makel zu beseitigen, beschreibt er in seinem Buch anhand diverser Beispiele typische Fehler, die bei der Interpretation von Statistiken gemacht werden. Gerade mit der Prozentrechnung stehen manche Journalisten offenbar auf Kriegsfuß, weshalb Quatember freundlicherweise erklärt, wie’s richtig geht. Mit vermutlich diebischer Freude arbeitet sich der Autor an verunglückten Diagrammen ab und erklärt geduldig, warum die Bild-Überschrift „Hilfe, alles wird billiger!” angesichts einer Inflationsrate von weniger als einem Prozent Unfug ist; es müsste heißen „Hilfe, alles wird weniger teurer!”.

Und wer’s nicht vorher wusste, lernt spätestens anhand von Quatembers selbstironischem Beispiel, dass man bei der Interpretation von Umfrageergebnissen stets auch die Fragestellung beachten sollte: „Wie gefällt Ihnen dieses Buch? Großartig, sehr gut, gut?”. Eine ausgesprochen nützliche und gleichzeitig amüsante Lektüre.

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Das Netz hat ein SLOP-Problem

Künstliche Intelligenz verändert das Internet wie wir es kannten. KI dient als Beschleuniger von immer neuen Inhalten. Nicht immer entstehen auf diese Weise sinnvolle Inhalte. AI Slop, also digitaler Müll, flutet das Netz. Und KI geht nicht mehr weg. Denn KI-Modelle, finden sich inzwischen an allen möglichen und unmöglichen Stellen des privaten und beruflichen Lebens.
mehr »

Big Tech verändert TV und Streaming

Bei den Video-Streaming-Plattformen verteidigte YouTube im Jahr 2025 erfolgreich seine Führungsposition und erreicht 72 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren. Die öffentlich-rechtlichen Streaming-Netzwerke von ARD, ZDF, Arte und 3sat kommen auf über 60 Prozent, dicht gefolgt von Netflix und Amazon Prime Video. Doch auch die Sender des ÖRR nutzen YouTube als Ausspielweg ihrer Inhalte. 
mehr »

Europas Machtprobe mit den Plattformen

Wegen mangelnder Transparenz bei Werbung und Nutzerkonten hat die EU-Kommission eine Strafe in Höhe von 120 Millionen Euro gegen den Onlinedienst X verhängt. Mit dem Digital Services Act (DSA) will die EU das Netz demokratisch kontrollieren. Doch Verfahren gegen X, TikTok und Meta zeigen, wie schnell die angestrebte Regulierung zur politischen Auseinandersetzung wird.
mehr »

Gespräche aufnehmen: Was ist erlaubt?

"Ich lasse nun die Aufnahme mitlaufen.“ In Interviewsituationen am Telefon sind Tonaufnahmen unproblematisch, wenn die Beteiligten sich darauf verständigen. Unsicherheiten bestehen aber, wenn Gespräche heimlich aufgenommen wurden, beispielsweise von Informant*innen. Darf die Aufnahme veröffentlicht werden? Können die Informationen aus dem Gespräch verwendet werden?
mehr »