Bundesfachgruppe Journalismus entschied sich fürs „Ländermodell“

Führungsstruktur der Journalisten soll fach- und basisbezogen sein

Mit einer klaren Entscheidung für die regionale Rekrutierung der Beisitzer in den Bundesvorstand wählte die Bundesdelegiertenkonferenz der Fachgruppe Journalismus das ,,Ländermodell“. Sie gab damit einem basisnahen Demokratiemodell von Fachkompetenz im Bundesvorstand einem ,,Fachmodell“ den Vorzug. Das alternativ diskutierte ,,Fachmodell“ oder „Kompetenzmodell“ sah vor, Spezialistinnen und Spezialisten aus verschiedenen medienspezifischen Bereichen als Beisitzer zu wählen, die sozusagen von der Bundesdelegiertenkonferenz auf Vorschlag berufen würden. Dabei hätte die regionale Zugehörigkeit keine Rolle mehr gespielt.

„Das ist kein Putschversuch“, versuchte Veronika Mirschel aus München beim Antrag ihrer Ortsfachgruppe die Luft etwas herauszulassen. Mit dem Antrag sollte die Geschäftsordnung (Satzung) der Bundesfachgruppe geändert werden: „Anstelle der Wahl von Beisitzerinnen kann die Bundesfachgruppenkonferenz bestimmen, daß sich der Bundesvorstand aus den Vorsitzenden sowie Vertreterinnen von Fachausschüssen zusammensetzt“. Die bisherige Formulierung lautete: Der Bundesfachgruppenvorstand „setzt sich aus dem Vorsitzenden, zwei Stellvertreterinnen und sechs Beisitzerinnen zusammen“. Dabei war es üblich, daß die Beisitzer aus den Landesbezirken kamen, denn die Landesfachgruppenkonferenzen nominierten die Kandidaten.

Den Münchnern kam es darauf an, Fachausschüsse zu den vier Themen Berufsbild, Medienqualität, Wandel der Arbeitswelt und Multimedia bilden zu können. Diese Ausschüsse bestehen nicht aus Delegierten, sondern aus Interessierten, die sich auf der Bundesfachgruppendelegiertenkonferenz bewerben oder vorgeschlagen werden. Der Austausch mit der Basis geschieht zwei- bis dreimal jährlich in einer „Länderkammer“. Dieses Fachmodell sollte eine Konzentration auf inhaltliche Arbeit sicherstellen, eine sachorientierte Zielplanung von Personen mit Fachkompetenz ermöglichen und überhaupt „Spaß an der Arbeit sichern“.

Sigrid Meißner (Nord) unterstützte den Vorschlag mit einem Minderheitenvotum. „Kompetenz ergibt sich nicht aus regionaler Zugehörigkeit“, schreibt sie, und das Ländermodell sei „eine Entmündigung der Konferenz“, weil die Vorschläge der Landesbezirke „mehr oder weniger abgenickt werden dürfen“. Dieser Entmündigungsthese schloß sich die bisherige Vorsitzende Mechthild Kock an, die das Ländermodell als „gefährlich“ bezeichnete. Rolf Henning Hintze (Südost) nannte es „Zwangswahlen“, wenn ein schwacher Landesbezirk auch noch im Bundesvorstand vertreten sein solle.

Die Diskussion wogte auch an den Tischen beim Essen hin und her, wobei dann auch mal Klartext geredet wurde. Das Ländermodell sei „reiner Provinzialismus“, meinte einer, der andere hielt dagegen das Fachmodell für eine „blanke Einladung zur Vetterleswirtschaft“. Etwas seriöser und wieder öffentlich argumentierte etwa Herbert Fromme (Nordrhein-Westfalen), wenn Fachvertreter den Bundesvorstand stellten, dann gebe es keine inhaltliche Politik mehr, und im übrigen stehe es dem Bundesvorstand frei, Fachvertreter hinzuzuziehen. Hans Nakielski (NRW) äußerte sein Unbehagen, jemanden wählen zu sollen, den er nicht kennt. Ein kleines Grundsatzreferat hielt der anschließend neu gewählte stellvertretende Vorsitzende Manfred Protze. Die Leute aus den Ländern seien nicht weniger kompetent, nur weil sie aus den Ländern kommen. Dort würden Leute gewählt, die sich sowohl in demokratischer als auch in fachlicher Arbeit profiliert haben. Gute Leute seien manchmal rhetorisch schlecht, womit sie bei der Bundeskonferenz womöglich durchfallen, nicht aber auf regionaler Ebene, wo man ihre Qualität kennt. „Die Leute, die hier sind, haben das Vertrauen“. *

Da man überwiegend der Aufassung war, daß eine demokratische Struktur mit der Einbeziehung von Fachleuten kompatibel sei, wurde das Ländermodell mit großer Mehrheit in der Geschäftsordnung verankert. Wieder an den Tischen beim Essen schwärmte einer von einem „neuen fachgebundenen Rätesystem

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