CineStar verabschiedet sich von Bamberg

Protestaktion vor dem Bamberger CineStar. Foto: ver.di

Das Kino im Einkaufszentrum Atrium in Bamberg, das durch den Corona-Lockdown schon länger geschlossen war, wird als Teil der Kinokette „CineStar“ nicht mehr öffnen. Das Unternehmen hatte den Standort Bamberg schon bei den Tarifvertragsverhandlungen im Mai ausgenommen. Geschäftsführung und Betriebsrat haben jetzt einen Sozialplan und Interessensausgleich für die 40 bis 60 Beschäftigten des CineStar Bamberg abgeschlossen.

Das CineStar in Bamberg hat schon seit Jahren ein ziemlich einsames, allerdings durchaus erfolgreiches Leben im Obergeschoss des Einkaufszentrums Atrium am Bamberger Bahnhof geführt. Trotz der eigentlich guten Lage waren immer mehr Geschäfte aus dem Atrium ausgezogen. Das Kino war schließlich der einzige Mieter. Nach einem Umbau durch den neuen Besitzers Eyemaxx Real Estate war das Kino am Schluss nur noch über das Parkhaus erreichbar.

Trotzdem kam die Ankündigung der CineStar-Geschäftsführung im Mai, dass der Mietvertrag für das Kino gekündigt sei und es auch nach dem Ende der Corona-Maßnahmen nicht mehr öffnen werde, für die Beschäftigten überraschend: „Lange vor der pandemiebedingten CineStar-Schließung hat der Umbau des Atriums begonnen, der Exodus der Mieter und das nach und nach leerstehende Gebäude waren da kein Grund, das gut besuchte Kino zu schließen – warum also jetzt, wo die Öffnung wieder möglich wird?“ Das fragten sich Beschäftigte, Betriebsrat und ver.di und riefen zur Protestaktion.

Zwischen Atrium-Besitzer und CineStar hatte es juristische Auseinandersetzungen wegen des Brandschutzes gegeben, gegenseitige Schuldzuweisungen und schließlich die Kündigung. Die Schließung des einzigen Multiplex-Kinos in Stadt und Landkreis Bamberg hatte auch den Bamberger Oberbürgermeister auf den Plan gerufen.

Niklas Döbler, Betriebsratsvorsitzender im CineStar Bamberg, erkärte im Gespräch mit M, die Mitarbeiter*innen hätten sich von der plötzlichen Nachricht der endgültigen Schließung „wie vor den Kopf gestoßen“ gefühlt. Wut und Trauer seien die vorherrschenden Gefühle in der Belegschaft gewesen. Eigentlich habe man optimistisch auf die Wiederöffnung nach der Pandemie geschaut. „Auch wenn die meisten Kolleg*innen noch studieren und auf 450-Euro-Basis angestellt waren, werden hier berufliche Existenzen zerstört“, hatte Döbler die Schließungs-Mitteilung am 12. Mai kommentiert. Manche Kolleg*innen seien schon seit der Eröffnung 2001 dabei gewesen. Das CineStar Bamberg wurde nun zum 31. Juli 2021 offiziell geschlossen.

Der jetzige Abschluss, der laut ver.di-Sekretär Bernd Bauer „nach kurzen und intensiven Verhandlungen“ zustande kam, sieht Abfindungen nach Durchschnittsverdienst und Dauer der Betriebszugehörigkeit vor. Nach dem Abschluss ist auch Döbler zufrieden: „Die Situation war in der Tat besonders. Corona hat der Kino-Branche schwer zugesetzt, dazu die Situation im Atrium.“ Dennoch sei es wichtig, dass der Arbeitgeber nicht aus der Verantwortung gelassen wurde, für seine unternehmerischen Entscheidungen gerade zu stehen. Das gelte besonders für die mehrheitlich geringfügig Beschäftigten, die genauso wie Vollzeitkräfte ein Recht auf gute Arbeitsbedingungen hätte. Und: „Es zeigt sich erneut, wie wichtig die Existenz eines Betriebsrats für die Wahrung von Arbeitnehmer*innenrechten ist. Nur in Betrieben, die einen Betriebsrat haben, können Sozialpläne und Interessenausgleich vereinbart werden.“

Der neue Besitzer des Bamberger Atriums, das seit vielen Jahren ein Problemfall ist, sieht im umgebauten Atrium neben Hotel, Fitness-Angeboten, Büros, Boutiquen und Fahrrad-Parkhaus auch wieder cineastische Unterhaltung vor. Es werde auf jeden Fall wieder ein Kino geben, versprach Christine Rumpf, Geschäftsführerin von Eyemaxx Real Estate, gegenüber infranken.de. Die Nachfrage von Betreibern sei hoch, „was uns wegen der Corona-Pandemie überrascht hat.“ Angepeilt sei eine Wiedereröffnung des Kinos im kommenden Jahr, so Rumpf.

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