Diskussionssplitter

Klaus Grabowski, Stuttgart: Wir müssen die Frage nach dem Qualitätsjournalismus stellen. Die ZDF Entscheidung ist nur die Spitze des Eisbergs, die zeigt: Der Grabgesang ist eingeläutet. Welche Impulse können ein Absterben verhindern?


Joachim Kreibich, dju-Bundesvorstand:
Wen die Mutlosigkeit erfasst, sollte sich die Hummel zum Vorbild nehmen. Die Wissenschaft sagt, dass sie eigentlich nicht fliegen kann. Doch die Hummel schert das nicht, sie fliegt trotzdem. Die Kollegen sollte es also auch nicht scheren, sie sollten trotzdem streiken.

Martin Behring, freier Journalist, Hamburg: Wie kriegen wir das hin mit dem Qualitätsjournalismus? Da müssen wir auch Selbstkritik üben. Ist uns hier der investigative Journalismus völlig entgangen? Ich höre nichts davon. Das ist doch ein Qualitätsaspekt, den wir mehr anpacken müssen.

Rosemarie Bölts, freie Journalistin: Zum Qualitätsjournalismus gehört Haltung. Die findet sich immer weniger bei Redakteuren. Dazu gehört auch ein kritischer Blick auf die Dinge und nicht, dass Artikel umgeschrieben und geglättet werden.

Norbert Freund, Saarbrücker Zeitung: Ein gemeinsamer Streik aller Journalisten ist schwer. Die Kernbelegschaft unserer Zeitung, zu der ich gehöre, schrumpft immer mehr. Volontäre streiken nicht und freie Mitarbeiter nur teilweise. Sie sind kaum zu bewegen, nichts mehr zuzuliefern. Nicht einer von ihnen wird nach dem Tarifvertrag für Freie bezahlt. Ein Problem: „Outgesourcte“ unterliegen nicht dem Tarifvertrag und werden auch nicht von einer Streikmobilisierung erfasst.
Nicht mangelnde Motivation, sondern diese unterschiedliche Struktur scheint mir das Hauptproblem zu sein, um Durchschlagskraft mit einem Streik zu schaffen. Deshalb muss Tarifflucht beim Outsourcing erschwert werden und die unendlich möglichen Befristungen der Verträge müssen ein Ende haben. In outgesourcten Unternehmen muss die Gewerkschaft wieder Fuß fassen.

Günter Frech, freier Journalist, Berlin: Bitte keine Jammerarien. Die bringen uns nicht weiter. Sollen wir uns darauf ausruhen, dass Journalisten nicht streiken können? Wir haben schon mehrfach gestreikt. Die Gebäudereiniger haben uns jetzt vorgemacht, wie man auch ohne Betriebsbindung streiken kann und das zudem in einem Bereich mit nur zwölf Prozent Organisationsgrad. Das sollten wir nicht hinkriegen? Wir sollten gesellschaftliche Bündnisse eingehen, die uns den Rücken stärken.

Renate Gensch, Betriebsratsvorsitzende der Deutschen Zeitungsholding (früher Berliner Verlag): Es gibt keine verantwortungsvollen Verleger mehr. Aber man kann was organisieren. Als es um die Einstellung der Netzeitung ging, haben wir gemeinsam – Drucker, Verlagsangestellte, freie und festangestellte Journalisten – viel Druck gemacht. Die Morgenausgabe der Berliner Zeitung konnte darauf nicht erscheinen. Widerstand lohnt sich.

Wolfgang Mayer, Nürnberger Neueste Nachrichten: Eine Redaktion sollte – um nicht nur Zeilenhonorare zahlen zu können – ein Budget in die Hand bekommen, über das sie eigenständig verfügen kann.

Ulrike Maercks-Franzen, dju-Bundesgeschäftsführerin und Moderatorin des 23. Journalistentags zitierte Bob Woodward, Süddeutsche Zeitung vom Tage: „Hochwertiger Journalismus wird ein Comeback erleben, weil die Leute Sachen lesen wollen, die nicht durch PR gefiltert sind.“

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