ver.di in Verlagen

Für eine bessere Zusammenarbeit der Fachgruppen in der Verlagsbranche

Es war nicht nur die erste, sondern die „allererste“ Konferenz der neuen Bundesfachgruppe Verlage und Agenturen. Im Vordergrund der Beratungen der insgesamt 33 Delegierten stand der Handlungsbedarf dieser und anderer Fachgruppen angesichts der Krise in der Medienwirtschaft.

Die Fachgruppe Verlage und Agenturen sieht sich als „offene Fachgruppe“: Außer den ver.di-Mitgliedern in Zeitschriften- und Buchverlagen, Kommunikationsagenturen, Nachrichtenagenturen und anderen verlagsnahen Medienbetrieben arbeiten auch Mitglieder anderer Verlags-Fachgruppen, insbesondere aus Zeitungsverlagen, mit. Gleiches soll in Zukunft auch für ver.di-Mitglieder aus dem Fachbereich Handel (Buchhandel) gelten. Eine der wichtigsten Lehren aus der bisherigen Krise der Printmedien sei eine engere Zusammenarbeit der ver.di-Fachgruppen in Verlagen. Auf der Konferenz wies der zuständige ver.di Sekretär Martin Dieckmann darauf hin, dass die Konzerne alle Verlagsbranchen steuern, dem aber in der bisherigen Fachgruppenstruktur nicht wirksam begegnet werden kann. Deshalb gäbe es mehr als nur Berührungspunkte mit der Fachgruppe Druckindustrie und Zeitungsverlage, aber auch der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju).

Die fachgruppenübergreifende Zusammenarbeit soll künftig in dem neuen Projekt „ver.di in Verlagen“ geschehen, das die Fachgruppe Verlage und Agenturen den anderen vorschlagen will. Der Antrag enthält bereits einen detaillierter Arbeitsvorschlag. Dazu gehört die Analyse und Dokumentation der Branchenentwicklung, aber auch die Zusammenarbeit der Betriebsräte und Betriebsgruppen. Zusätzlich soll eine neue, gemeinsame Internetplattform entwickelt werden, auf der sich sowohl Aktive als auch Interessierte informieren können. Dies ähnlich dem bisherigen Internetauftritt der Bundesfachgruppe Verlage und Agenturen unter www.verdi-verlage.de. Dessen Erfolge sind beachtlich. „Wir haben bis zu 50.000 Zugriffe monatlich“, sagte Holger Artus, der zu dem kleinen Team Ehrenamtlicher gehört, die den Internetauftritt betreuen. Auf der Seite stehen Informationen über die Verlagsbranche allgemein, aber auch über einzelne Unternehmen und über die aktuelle Entwicklung in den Konzernen. Martin Dieckmann bedankte sich für das Engagement der Ehrenamtlichen. Ziel sollte auf lange Sicht ein gemeinsames „Portal Medienarbeit“ aller Medienfachgruppen.

Die Bundesfachgruppe wurde erst vor zwei Jahren gegründet. Bislang gab es einen Übergangsvorstand, nun wurde der neue Bundesfachgruppenvorstand gewählt. Ihm gehören Mitglieder aus allen Landesbezirksfachgruppen an. Zum Vorsitzenden wurde Christian-Ulrich Behring gewählt, stellvertretende Vorsitzende sind Isolde Künzler, Holger Artus und Günter Weißmüller. Zusammen bilden sie auch den geschäftsführenden Vorstand.

Neuer Vorstand gewählt

Mit dem Problem, neue Mitglieder zu gewinnen, beschäftigte sich ein Antrag, der lebhaft diskutiert wurde. In der Kritik stand die so genannte Werber-Geldprämie, die Ehrenamtliche erhalten, wenn sie ein neues Mitglied gewinnen. Die hessische Delegierte Marija Orèsnik forderte die sofortige Abschaffung der so genannten „Kopf-Geld-Prämie“: „Ich will kein Geld. Ich werbe neue Mitglieder aus Überzeugung.“ Die Zahlung sei überflüssig und schade dem Ansehen der Ehrenamtlichen. „Von dem Geld könnte man den neuen Mitgliedern für eine gewisse Zeit den Beitrag verringern oder ihnen ein kleines Willkommensgeschenk überreichen“, schlug Marija Orèsnik vor. Die bisher aufgelaufenen Werberprämien seien nach ihrer Kenntnis noch nicht ausgezahlt worden. Sie regte an, diese Summe für einen wohltätigen Zweck zu spenden. Die Delegierten folgten ihrer Argumentation und nahmen den Antrag an. Als ein großes Problem wurden die ausufernden Überstunden in den Betrieben und eigene Erfahrungen diskutiert. Ein Antrag aus Hessen forderte hierzu weit reichende gesetzliche Regelungen, einschließlich einer gesetzlichen Arbeitszeitverkürzung. Eine lebhafte Diskussion über das Schlüsselthema Arbeitszeit, nicht nur in Verlagen, schloss sich daran an. Nur durch eine Gesetzesänderung, die die zulässigen Arbeitsstunden pro Jahr auf 1800 beschränkt, könne der ständigen Mehrarbeit Einhalt geboten werden. Außerdem soll die gesetzliche Wochenarbeitszeit von immer noch 48 Stunden auf 40 gesenkt werden und der gesetzliche Urlaubsanspruch auf sechs Wochen erhöht werden. Ohne Kontrolle sei dies aber nicht durchsetzbar. Der Arbeitgeber müsse verpflichtet werden, die geleisteten Stunden genau zu dokumentieren. Die Forderung nach neuen Gesetzen würde nicht ausreichen, darin waren sich die Delegierten einig.

Bei den Wahlgängen kam Unruhe über den so genannten Gewerkschaftsproporz auf. Die Fachgruppe Verlage und Agenturen ist auf besondere Weise eine ver.di-Fachgruppe: IG Medien, HBV und DAG kamen hier zusammen. Aber niemand will mehr etwas von der Vergangenheit wissen. Es wurde sogar gefordert, gar keine Angaben zur Quellgewerkschaft mehr zu machen. Ironie am Ende: Eine Delegierte aus Sachsen meinte, wenn es schon um Quellgewerkschaften ginge, dann wäre ihre Quellgewerkschaft nicht die IG Medien, sondern der FDGB.

 

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