IOJ-Vereinigung für Deutschland orientiert sich neu

Mitgliedervotum für eine AG Internationales bei der IG Medien

Die Wogen schlugen hoch auf der Mitgliederversammlung der IOJ-Vereinigung für Deutschland Ende März in Berlin. Schließlich ging es um nichts Geringeres als das weitere Schicksal der Organisation.

Mit ihrer Gründung 1990 sollte für die Kolleginnen und Kollegen des sich auflösenden DDR-Journalistenverbandes VDJ ein Übergang in der internationalen Arbeit geschaffen werden. Dazu gehörte auch die weitere Ausstellung der IOJ-International Press Card. Angestrebt war außerdem die Mitwirkung bei der geplanten Vereinigung der einst konkurrierenden journalistischen Weltorganisationen IOJ und IFJ.

Angesichts der existenziellen Probleme der Internationalen Journalistenvereinigung IOJ stand nun für die deutsche Gruppierung Standortbestimmung und Neuorientierung auf der Tagesordnung. Auch wenn sich die IOJ de jure noch nicht aufgelöst hat, so ist sie doch de facto nicht mehr vorhanden. Die Zentrale in Prag ist gelähmt, der Posten des Generalsekretärs seit Jahren verwaist, internationale Arbeit findet praktisch kaum noch statt. Die anvisierte Vereinigung IOJ/IFJ mit einem gemeinsamen Weltpresseausweis hat kaum noch Aussichten auf Erfolg.

So war es überfällig, für die in der deutschen Gruppe registrierten rund 2500 Mitglieder eine Möglichkeit der weiteren Interessenvertretung und Perspektive zu finden und zu organisieren. Holger Wenk, Präsident des seit gut zwei Jahren wirkenden ehrenamtlichen Sprecherrates, stellte drei Varianten zur Debatte:

1. Die ersatzlose Auflösung der deutschen IOJ-Vereinigung.
2. Überführung in eine Arbeitsgruppe Internationales bei der IG Medien/dju und
3. die Gründung eines eigenständigen Vereins für internationale Journalistenarbeit.

Vorschlag 1 war erwartungsgemäß kein Thema. Konsens herrschte über die Fortsetzung der IOJ-Arbeit in Deutschland. Mehrheitlich und vehement betonten die Kollegen ihre positiven Erfahrungen mit der IOJ-Press-Card. Ein internationaler Presseausweis, der sich für die journalistische Arbeit im Ausland generell als äußerst hilfreich und geradezu unentbehrlich erwiesen habe. In einer lebhaften Debatte plädierte eine Reihe von Kollegen ganz entschieden für einen eigenständigen Verein. Die Mehrheit sah aber in der Überführung in die IG Medien die einzige Chance. Klarheit wurde gefordert über die Kooperationsmodalitäten mit der IG Medien. Verlangt wurde weitestgehende Autonomie. Insbesondere sollte die eigene Verwaltung des Datenbestandes, der Mitgliederkartei und des Kontos garantiert werden. Ebenso Akzeptanz und Neuausstellung der Press-Card, solange die IOJ noch existiert.

Bedenken zur zwangsläufigen Mitgliedschaft in der IG Medien konnten entkräftet werden, ebenso Zweifel an der Vereinbarkeit mit der Satzung der IG Medien und mit der der künftigen Megagewerkschaft „ver.di“. Und schließlich wurden nicht nur die Konsequenzen, sondern auch die Vorteile der neuen Verbindung realistisch eingeschätzt. So z.B. die Nutzung einer gut funktionierenden Infrastruktur und ihrer organisatorischen und technischen Möglichkeiten. Begrüßt wurde auch die wesentlich breitere Basis und der Autoritätszuwachs. Nach wie vor haben die Mitglieder ihre Vertretung im Sprecherrat. Die bisherige Sprechstundenregelung (jeder 2. Dienstag im Monat von 13-15 Uhr) wird beibehalten.

Zusammen mit den vorab per Briefwahl abgegebenen Stimmen, entschieden sich von 243 schließlich 159 Mitglieder für Variante 2.

Auch wenn damit nur das Votum einer Minderheit der Gesamtmitgliedschaft zustandekam, steht nun fest, dass die IOJ-Vereinigung für Deutschland in eine Arbeitsgemeinschaft Internationales bei der IG Medien überführt wird, organisatorisch angesiedelt beim Landesbezirk Berlin-Brandenburg.

Der einstimmig gewählte neue Sprecherrat hat nun das Mandat, die formalen Bedingungen und konkreten Konditionen auszuhandeln und die Überführung zu vollziehen.

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