Schon entdeckt? BRF sendet auf Deutsch

Ministerpräsident Oliver Paasch beim Start der Feierlichkeiten zu 100 Jahre Ost-Belgien. Die Existenz der anerkannten Gemeinschaft geht auf den Versailler Vertrag zurück.
Foto: screenshot https://m.brf.be

Ein Fernsehkanal, zwei Radioprogramme und ein Internetauftritt mit Mediathekenfunktion. Europas kleinste öffentlich-rechtliche Sendeanstalt spricht Deutsch und ist für die gerade 80.000 Einwohner zählende Region der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien gemacht. Schlagermusik und eine besondere Perspektive machen das BRF-Angebot auch für Nutzer in Deutschland interessant.

Neun von zehn Ostbelgiern hören die beiden Hörfunkprogramme des Belgischen Rundfunks BRF, besagt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa Ost-Belgien. Die Menschen dort gelten als die „belgischsten aller Belgier“; Flamen und Wallonen nutzten bei so manchem Streit schon ihre Vermittlungsfunktion. Die Angehörigen der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) sprechen oft nicht alle drei Sprachen des Landes neben Deutsch, Französisch und Niederländisch. Sie haben eine starke Kultur und starke Medien.

Belgische Perspektiven auf Deutsch

Was die RTBF (Radio Télévision Belge Francophone) in Wallonien und der VRT (Vlaamse Radio- en Televisieomroep) in Flandern ist der BRF in der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Bis heute wissen selbst viele Belgier nichts von ihrer deutschsprachigen Minderheit im Königreich, und das, obwohl der BRF inzwischen Präsenz zeigt. Die Radiosender des BRF sind nicht nur in Ost-Belgien sondern auch in den französischsprachigen Gebieten in Namur, Lüttich und selbst in Brüssel auf Antenne zu hören. Auch in den Grenzregionen zu Deutschland können die Programme empfangen werden, via Internet ohnehin weltweit.

Der BRF-Sendeauftrag ist klar definiert: die deutschsprachigen Ostbelgier in ihrer Muttersprache über die Ereignisse in der Region, aber auch in ganz Belgien zu informieren. Letztes macht den BRF auch für deutsche Nutzer interessant, die sich ohne Kenntnisse des Französischen und Niederländischen ein Bild über ihr Nachbarland machen wollen. Die tägliche Presseschau im BRF-Hörfunk erklärt zudem die eine oder andere flämische und wallonische Perspektive, auch auf die Ereignisse in Deutschland.

Stetiger Ausbau seit fast 75 Jahren

Die ersten Hörfunksendungen in deutscher Sprache gehen auf Anläufe nach Kriegsende zurück. Am 1. Oktober 1945 starteten innerhalb der französischsprachigen Programme die ELA (Emissions en Langue Allemande) mit Irene Janetzky. Ihr ist heute eine Gedenktafel an ihrer Wirkungsstätte im Sendezentrum, dem Funkhaus in Brüssel gewidmet. 1964 wurde aus diesen Programmteilen der Belgische Hör- und Fernsehfunk BHF gebildet.

1977 erfolgte die Umbenennung in BRF (Belgisches Rundfunk- und Fernsehzentrum für deutschsprachige Sendungen). 1979 zog die Redaktion von Brüssel in die Zielregion nach Eupen um, der „Hauptstadt“ der DG. 1995 wurde am dortigen Kehrweg das Funkhaus eingeweiht. Mit zunehmender Institutionalisierung ging auch der Programmausbau einher: 1983 wurde das Ganztagsprogramm eingeführt und ein weiteres Regionalstudio im 60 Kilometer entfernten St. Vith gegründet, der südlichen Gemeinde deutschsprachigen Belgier. Mit wöchentlichen TV-Sendungen startet der BRF 1993, ab 1999 gibt es ein tägliches Fernsehmagazin. Seit 2012 ist das Fernsehangebot durch Beiträge in Kooperation mit Stationen in Belgien, Holland und Deutschland erweitert.

BRF2 zieht deutsche Hörer

Aus ursprünglich einem Hörfunkprogramm sind inzwischen zwei geworden. BRF1 sendet ein Informationsprogramm mit viel Pop und Rock; BRF2 erreicht mit Schlagern und Volksmusik eine ältere Zielgruppe.

Gerade das zweite Programm erfreut sich auch bei Hörern in Deutschland großer Beliebtheit. Nachdem zu Beginn der 2000er Jahre reine Volksmusiksender wie „Radio Melodie“ ihren Sendebetrieb eingestellt haben, sind so manche deutsche Hörer im Internet auf BRF2 gestoßen. Dort werden nicht nur die selten gewordenen Titel abgespielt, die Altstars des deutschen Schlagers und der Volksmusik treffen auch immer wieder im Funkhaus Belgien zu Talksendungen ein.

Zudem sendet der BRF in Brüssel (UKW-Frequenz 95,2 MHz) gemeinsam mit dem Programm des Deutschlandfunks eine Art „dritten Kanal“ unter der Kennung „BRF-DLF“.

2004 erfolgte die Einrichtung der Online-Redaktion. Auf der Webseite brf.be laufen nun Hörfunk, TV, Nachrichten und Mediathek zusammen. Inzwischen heißt es im BRF „Internet first“: Bewegtbilder und soziale Netzwerke sind zur täglichen Priorität geworden.

 

 

 

 

 

nach oben

weiterlesen

Arbeiten in einem Klima der Angst

Die systematische Hetze gegen Journalistinnen und Journalisten hat dazu geführt, dass Medienschaffende zunehmend in einem Klima der Angst arbeiten – vor allem in Ländern, in denen sie sich bisher im weltweiten Vergleich eher sicher fühlen konnten, stellt Reporter ohne Grenzen (ROG) mit der Veröffentlichung seiner Rangliste der Pressefreiheit 2019 fest. Auch in Deutschland ist die Zahl der tätlichen Angriffe gegen Journalistinnen und Journalisten 2018 gestiegen.
mehr »

Regisseurinnen mit Haltung und Rückgrat

Spannende feministische und politische Spiel- und Dokumentarfilme zu inszenieren, die das Publikum inspirieren, weiterbilden und begeistern, reicht nicht. Ein Hauptbetätigungsfeld der Regisseurinnen ist stets der Kampf um Akzeptanz bei Filmförderungen, Produktionsfirmen, Sponsoren, Filmverleihern und TV-Redaktionen. Das wurde beim 36. Internationalen Frauenfilmfestival (IFFF) vom 9. bis 14. April in Dortmund in den Kinosälen diskutiert.
mehr »

Cannes: Der Hype um Short Form-Videos

Rund 40 Prozent des weltweiten Traffics beim mobilen Internet gehen auf das Konto von YouTube. Das ist nur ein Beispiel dafür, welche immensen Mengen an Videos weltweit über mobile Endgeräte konsumiert werden. Dieses Potential haben auch die Profis immer mehr im Blick. Zum Beispiel auf der größten Fernsehmesse der Welt MIPTV in Cannes, die gerade zu Ende gegangen ist. „Short Form“ war eines der wichtigen Themen auf dem Programmmarkt.
mehr »

Gegen Rechts: Medien als Sand im Getriebe

„Neue Rechte und Medien“ – so lautete der Titel einer Veranstaltung im Rahmen der Linken Medien-Akademie (LiMA) im Berliner taz-Cafe am 11. April. Das übergreifende LiMa-Motto in diesem Jahr: „Watch out – Medienmacher_innen gegen Hetze“. Neben einer Bestandsaufnahme der Expansion rechtsextremer Öffentlichkeiten ging es auch um angemessene Strategien der Gegenwehr.
mehr »