Sechs Journalisten in Teheran inhaftiert

Für den iranischen Journalisten Emadoldin Baghi öffneten sich am 15. September die Gefängnistore. Der Menschenrechtler wurde kurz vor Ablauf seiner einjährigen Haftstrafe vorzeitig entlassen. Die Gesundheit des 46-Jährigen ist angeschlagen, denn seine medizinische Versorgung in der Haft war unzureichend. Nach der Entlassung droht Baghi nach Angaben der „Reporter ohne Grenzen“ (ROG) neues Ungemach. Denn gegen ihn laufen zwei andere Verfahren wegen der „Schaffung von Öffentlichkeit für Regierungsgegner“ sowie wegen „Aktivitäten gegen die nationale Sicherheit“. Ihm droht eine dreijährige Haftstrafe. Baghi ist Vorsitzender einer Organisation, die sich für politische Gefangene einsetzt.
Das Evin-Gefängnis in Teheran ist laut ROG das größte Gefängnis für Journalisten im Nahen und Mittleren Osten. Auch nach Baghis Entlassung sind dort noch mindestens sechs Medienleute inhaftiert; im übrigen Land sind es weitere drei. Vier der Evin-Insassen gehören zur aserbaidschanischen Minderheit des Landes. Sie wurden in Trakt 209 verlegt, der unmittelbar dem Geheimdienst unterstellt ist und von dem aus Kontakte zur Außenwelt gar nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich sind. Was den Journalisten vorgeworfen wird, ist nicht bekannt. Mit einem Hungerstreik machte zudem im Oktober der Redakteur Mohammad Hassin Falahieh Zadeh auf sein Schicksal aufmerksam. Mit der Aktion wollte er eine Wiederaufnahme seines Verfahrens erreichen. Er war im April vergangenen Jahres wegen angeblicher Spionage zu drei Jahren Freiheitsentzug verurteilt worden.
Mit großer Verbissenheit verfolgt die iranische Regierung auch Internet-Aktivistinnen. Das Revolutionsgericht in Teheran untersagte am 29. Oktober der Online-Journalistin Sussan Tahmasebi, das Land zu verlassen. Am selben Tag sollten die Cyber-Feministinnen Nahid Keshavarz und Mahboubeh Hosseinzahdeh vor Gericht erscheinen, um Auskunft über Artikel zu geben, die sie auf Frauenrechts-Seiten im Internet veröffentlicht hatten. Der Termin ist dann auf den 27. Januar vertagt worden. Diese Repressalien zeigten, „wie sehr die Regierung die Kritik der Aktivistinnen fürchtet“, sagt ROG. Ihrem Einsatz ist es zu verdanken, dass ein Gesetzesentwurf, der polygame Eheschließungen vereinfachen sollte, angefochten wurde“.

 
nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Krasse Kürzungen bei ARD und ZDF

  Für 58 Cent bekommt man heutzutage beim Bäcker allenfalls ein Brötchen von gestern. Dennoch haben einige Bundesländer ARD und ZDF eine entsprechende Erhöhung der Rundfunkabgabe auf monatlich 18,94 Euro verweigert. Trotz einer Verfassungsbeschwerde der Sender wird der Beitrag erst 2027 steigen, und dann wohl nur um 28 Cent. Vor allem innerhalb der ARD muss daher noch mehr gespart werden. Das schließt auch einen weiteren Stellenabbau mit ein.
mehr »

Medien-NGOs im Visier der Rechten

In Deutschland nehmen die Angriffe auf zivilgesellschaftliche Organisationen zu – angefeuert von extrem rechten Akteur*innen aus Politik, Medien und PR. Ihre Diffamierungs- und Desinformationskampagnen zielen darauf, vor allem Nichtregierungsorganisationen, finanziell auszutrocknen. Damit gefährden sie auch die Arbeit demokratischer Medienprojekte.
mehr »

Filmtipp: Was haben wir gelacht

Der Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ mit Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins blickt facettenreich, differenziert und  kurzweilig aus weiblicher Perspektive auf die Rolle der Frau in der Fernsehunterhaltung der Neunziger- und Nullerjahre. Eva Müller und Isabel Schneider dokumentieren mit Hilfe vieler Show-Ausschnitte, wie misogyn und homophob diese Zeit war.
mehr »

KI-Resilienz im Journalismus

In der aktuellen KI-Debatte schenkt sich keiner was. Kaum taucht der Verdacht auf, ein Kollege habe ChatGPT oder Claude zum Schreiben mitgenutzt, beginnt vielerorts bereits die öffentlichkeitswirksame KI-Spurensuche.Die aktuelle KI-Debatte zeigt, warum Redaktionen endlich praxistaugliche Leitlinien für einen souveränen Umgang mit der KI brauchen.
mehr »