US-Auslandssender kämpft ums Überleben

Radio Svoboda auf dem Smartphone: RFE/RL muss Wege finden, sein Publikum trotz Zensur zu erreichen. Foto: Sarah Schaefer

Von einem „großen Geschenk an Amerikas Feinde“ spricht Stephen Capus, Präsident von Radio Free Europe/Radio Liberty: Die brutalen Kürzungen der Trump-Regierung haben auch den US-Auslandssender mit Sitz in Prag erreicht. RFE/RL wehrt sich mittlerweile vor Gericht. Zugleich machen sich mehrere EU-Länder für eine europäische Finanzierung stark.

Unabhängige Nachrichten in 27 Sprachen für 23 Länder, die nach eigenen Angaben jede Woche 47 Millionen Menschen erreichen: Geht es nach der Regierung in Washington, soll damit Schluss sein. Sie hat dem US-Auslandssender Radio Free Europe/Radio Liberty die Gelder gestrichen.

Doch RFE/RL wehrt sich: Am Dienstag teilte der Sender mit, die zuständige US-Behörde für globale Medien (USAGM) verklagt zu haben – ebenso wie Kari Lake, die von Trump ernannte Sonderberaterin der Behörde sowie USAGM-Geschäftsführer Victor Morales. RFE/RL argumentiert, dass die Verweigerung der vom US-Kongress bewilligten Finanzmittel gegen Bundesgesetze verstößt.

Europa für den Erhalt von Radio Free Europe

In Europa mehren sich derweil die Stimmen, die sich für eine Unterstützung des in Prag ansässigen Senders aussprechen. Neun EU-Länder schlossen sich einer Initiative Tschechiens an, die für den Erhalt von RFE/RL mit Geldern aus Europa kämpft. „Eine europäische Finanzierung würde die Stabilität dieser wichtigen Medieninstitution sicherstellen und es ihr ermöglichen, weiterhin kritische und unabhängige Berichterstattung zu leisten“, heißt es in einer Erklärung, die der tschechische Europaminister Martin Dvořák am Dienstag bei X veröffentlichte. Unterzeichnet ist sie neben Tschechien von Deutschland, Österreich, Belgien, den Niederlanden, Slowenien, Schweden und den baltischen Staaten.

Am vergangenen Wochenende war bekannt geworden, dass die Trump-Regierung ihrem Auslandssender, der 1949 gegründet wurde, die Mittel streicht. Man sei von der USAGM darüber informiert worden, dass die Finanzhilfevereinbarung gekündigt worden sei, mit der RFE/RL seine Arbeit weltweit finanziere, hatte der Sender mitgeteilt.

Unabhängige Informationsquelle

In vielen Ländern, in denen die Pressefreiheit bedroht ist oder praktisch nicht existiert, ist RFE/RL eine wichtige unabhängige Informationsquelle für die Bevölkerung. Für ein russischsprachiges Publikum sendet RFE/RL etwa aus Riga – die lettische Hauptstadt wurde zum neuen Sitz der Moskauer Redaktion, nachdem sie Russland verlassen musste. „Das Publikum in Russland wendet sich uns zu, weil es dem Kreml misstraut“, sagte vor einem Jahr Elmars Svekis, der damalige Büroleiter in Riga, zu M.

FE/RL-Präsident Stephen Capus reagierte mit scharfen Worten auf die Kürzungen: Es wäre ein „großes Geschenk an Amerikas Feinde“, sollte es bei einem Ende der Finanzhilfen bleiben. „Die iranischen Ajatollahs, die kommunistischen Führer Chinas und die Autokraten in Moskau und Minsk würden den Untergang von RFE/RL nach 75 Jahren feiern“, sagte er.


Update 21.03.25: Klage gegen Trump eingereicht

Reporter ohne Grenzen (RSF) hat gemeinsam mit den Angestellten und Gewerkschaften des US-Auslandssenders Voice of America (VOA) Klage gegen die Bundesbehörde United States Agency for Global Media (USAGM) eingereicht.

Die Klage richtet sich gegen USAGM und namentlich gegen Kari Lake, USAGM-Sonderberaterin und treue Anhängerin von Donald Trump, sowie Victor Morales, neuer Geschäftsführer der Behörde. Die Klägerinnen und Kläger fordern, die Integrität der Auslandssender zu wahren und die Autorität des Kongresses zu respektieren, der die Behörde mit dem Ziel geschaffen hatte, unabhängige Berichterstattung weltweit verfügbar zu machen. Die Klage wurde am 21.03. bei einem Bundesgericht in New York eingereicht.

 

 

 

 

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Vorsichtige Rückkehr nach Ecuador

Leonardo Gómez Ponce hat ein halbes Jahr in Berlin mit einem Stipendium von Reporter ohne Grenzen verbracht. Dort hat er gelernt sich digital besser zu schützen. Zurück in Ecuadors Hauptstadt agiert der 41-jährige investigative Journalist vorsichtig, suggeriert in den sozialen Medien, dass er weiterhin im Ausland sei. Das schützt ihn bei der Recherche und in den sozialen Netzen.
mehr »

Neue Aufgaben im Community-Management

In der plattformdominierten Öffentlichkeit sind neue Berufsfelder entstanden – wie das Community-Management, das zwischen Redaktion und Publikum vermitteln soll. Obwohl diese Aufgabe in journalistische Ausbildungspläne integriert ist, prägen mangelnde Wertschätzung und prekäre Arbeitsbedingungen die Praxis in den Medien.
mehr »

Der Arbeitskampf im ÖRR geht weiter

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) setzt ihre Tarifverhandlungen in den Sendern der ARD fort und hält an ihren Forderungen von sieben Prozent Honorar- und Gehaltserhöhungen, mindestens aber 300 Euro monatlich mehr, fest. Dies gelte ausdrücklich auch für den Westdeutschen Rundfunk (WDR), erklärte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz-Dethlefsen, zuständig für Medien.
mehr »

Zukunftsoffensive für COSMO

Über 500 Organisationen, darunter die dju in ver.di, fordern bundesweite Zukunftsoffensive für ARD-Programm COSMO. Der WDR benennt seine  Radiowellen Cosmo und 1Live Diggi um und richtet die Programme neu aus. Ein einmaliges Großbündnis warnt die ARD davor, einen großen Teil der migrantischen Bevölkerung zu vernachlässigen.
mehr »