Cinema for Peace

Internationaler Friedens-Filmpreis für „No Man’s Land“ von Danis Tanovic‘

Einen gesellschaftlichen Höhepunkt auf der 53. Berlinale bildete die „Cinema for Peace-Gala“ im Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt. Zu dem riesigen Prominentenaufgebot aus der Medien-, Pop- und Filmbranche gehörten Stars wie Bob Geldorf, George Clooney, Catherine Zeta-Jones und Hannelore Elsner.

Wie im vergangenen Jahr kooperierte der in Berlin ansässige Konzert- und Unterhaltungsveranstalter „Star Entertainment“ mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF, dessen Botschafter Roger Moore die Gastgeberrolle für rund 600 Gäste übernommen hatte. Etliche der Gäste beteiligten sich mit Preisen – wie einem Gladiator-Schwert von Ralf Möller oder einem Abendessen mit Veronica Ferres – an der programmatischen Unicef-Auktion. Immerhin 265.000 Euro gingen aus den Erlösen der Versteigerung an Unicef.

Dustins besondere Festrede

Bewegendster Moment der diesjährigen Gala aber war die Festrede von Hollywoodstar Dustin Hoffmann. „Ich bin nicht antiamerikanisch, aber gegen die Strategie der amtierenden amerikanischen Regierung“, lautete der entscheidende Satz seiner engagierten Rede. Wie bereits andere amerikanische Künstler, sprach er sich deutlich gegen den drohenden Irak-Krieg aus.

Weiterer Höhepunkt der Veranstaltung sowie inhaltliches Fundament war die erstmalige Verleihung des internationalen Friedens-Filmpreises „Diamond Bucherer Award for Peace“ unter der Patenschaft von Bob Geldorf. Dieser Preis soll nun alljährlich an Regisseure verliehen werden, die sich für Humanität und die Verständigung zwischen den Völkern einsetzten. Diesmal war der Gewinner „No Man’s Land“ von Danis Tanovic‘. Der brillante satirische Antikriegsfilm gewann bisher 40 internationale Preise, darunter der Oscar und der Golden Globe.

Der Krieg als grausame Farce

„No Man’s Land“ ist schauerlich komisch. Der wirkungsvolle zynische Antikriegsfilm stammt von einem Filmemacher, der weiß, wovon er spricht. Der junge Bosnier mit der Wahlheimat Belgien war als Filmer der bosnischen Armee selbst an der serbisch-bosnischen Front. So zeigt er den Krieg nicht wie Genre-Klassiker mit Blick auf Unmengen von Blut und große Schlachten. Er geht so nah ran, dass man tief in die Taktiken und Wurzeln des Krieges blicken kann und erkennen muss, dass dieser Wahnsinn eine Geistesverfassung ist – die Fortsetzung der vielen kleinen Kriege des alltäglichen Lebens.

Während des Bosnien-Krieges stehen sich in einem verlassenen Schützengraben, im Niemandsland zwischen der serbischen und bosnischen Front, plötzlich zwei gegnerische Soldaten gegenüber. Wie in einem klaustrophobischen Kammerspiel entwickelt sich zunächst ein Kampf. Dieser wird völlig unverhofft unterbrochen, als die beiden einen dritten Mann entdecken, der auf makabere Weise an diesen Ort gefesselt ist. Im Glauben, dass er tot sei, wurde er auf eine Granate gelegt, die sich entzünden würde, sobald er sich bewegt. Da die beiden Feinde sich dadurch genauso in Lebensgefahr befinden, versuchen sie, Hilfe zu bekommen. Als ein französischer Blauhelm-Soldat der unmenschlichen Situation nicht tatenlos zusehen will, entspinnt sich ein grotesker Konflikt. Kommandanten, die sich hinter Vorschriften verschanzen, hilflose deutsche Spezialisten und eine gnadenlose englische Kriegskorrespondentin spielen ein Spiel, bei dem keiner unschuldig bleibt.

Ganz normale Anti-Helden

Im Ambiente leuchtend bunter Landschaftsaufnahmen, die an die Stimmung von Urlaubspostkarten erinnern, spiegelt sich das Grauen. Zusammen mit den außerordentlich passenden Darstellern, die ganz normale Anti-Helden verkörpern, unterstützen die starken formalen Kontraste die Aussage über die Absurdität des Krieges. Das Schlussbild des Filmes greift dies in entsetzlich verrückter Art auf. Aber wir wollen nicht zuviel verraten. „No Man’s Land“ ist ein schmerzhaft komischer Film. Er ist ein mutiges und kompromissloses Pamphlet gegen den Krieg, bei dem einem jedes Lachen im Halse stecken bleibt.

 

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