Gebrutzeltes in der FR

Mc Donald‘s greift zu einem perfiden Trick: Die um gutes Image bemühte Imbisskette lässt „Schüler­reporter“ für sich Werbung produzieren. Als Laufbursche bietet sich die Frankfurter Rundschau (FR) an. Auf den ersten Blick wirkt die achtseitige Beilage wie ein journalistisches Produkt. Sieht aus wie eine Zeitung, liest sich wie eine, ist aber keine. Nur oben rechts ein kleiner Hinweis: „Anzeigen-Beilage von Mc Donald‘s“.


Der Konzern öffnete seine Türen und die jugendlichen Schreiber – „mit riesigen Mengen an Information von den Kommunikationsprofis versorgt“, sind überwältigt: „Ich hätte niemals gedacht, dass Mc Donald‘s so ein angenehmer Arbeitsplatz sein kann.“ Ordentlich, freundlich und hygienisch gehe es in dem Unternehmen zu, in dem jeder vom Frittendreher zum Manager aufsteigen könne und Einstiegslöhne von 7,05 Euro als fair bezeichnet werden.
Glaubwürdiger kann Werbung nicht daherkommen, als wenn Jugendliche selbst als Hamburger Botschafter für ihre Altersgruppe fungieren. Schlimm genug. Doch die Frikadellenpostille ist Teil des Zeitungsprojekts „FRiSCH – Frankfurter Rundschau in der Schule“, mit der sich die linksliberale Zeitung schmückt. Alles gut und wichtig: Die FR stellt Schulklassen die Zeitung für den Unterricht zur Verfügung und eine eigene Jugendredaktion produziert unter Anleitung eines Journalisten einmal wöchentlich eine eigene Seite.
Doch ohne Sponsoren kommt FRiSCH nicht aus. Einen Teil der Kosten übernehmen der Flughafenbetreiber Fraport und Mc Donald‘s, das Jugendprojekt selbst wird abgewickelt von der Berliner Agentur Raufeld Medien, die auch für das Big-Mac-Bulletin verantwortlich ist. Raufeld-Geschäftsführer Jens Lohwieser ist angesichts der Kritik unschlüssig, ob das alles richtig war: Mc Donald‘s habe den Jugendlichen zwar ausdrücklich erlaubt, kritische Fragen zu stellen. Doch sei fraglich, ob es klug war, dem Wunsch eines Konzerns nachzugeben und ausgerechnet unerfahrene Schüler mit dem Projekt zu betrauen.
Wer 15- und 18-Jährige einer ausgefuchsten PR-Taktik überlässt, muss sich nicht wundern, wenn sie am Ende unterliegen. Nur FR-Geschäftsführer Sönke Reimers, der trotz mehrfacher Nachfragen für M nicht zu sprechen war, hält das für kritischen Journalismus. Der Mann mit langjähriger Springer-Erfahrung freut sich im Editorial, dass es den Schülerreportern gelungen sei, die Dinge von verschiedenen Seiten zu beleuchten und sich eine eigene Meinung zu bilden.
Mc Donald‘s hat indes ein anderes Problem: Wie gelingt es, die Definition von McJobs als „reizlose, schlecht bezahlte Jobs mit wenig Aufstiegschancen“ im britischen Duden loszuwerden? Unser Vorschlag: Lasst Laien ran. Ein Beispiel aus dem Rinderhack-Report: „Ich hätte nie gedacht, dass braten so kompliziert sein kann.“ Dieser Dudeneintrag wurde Ihnen gebrutzelt von Mc Donald‘s.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Kulturförderung unter rechten Bedingungen

Die Kritik an Kulturstaatsminister Wolfram Weimer reißt auch auf der Leipziger Buchmesse nicht ab. Zum Festakt gab es „Rote Karten“ vom Börsenverein, Buhrufe und vor der Tür eine Demo zu „Gegen Zensur & Autoritarismus“. Auch der Verband deutscher Schriftsteller*innen (VS in ver.di) hinterfragt Weimers Vorgehen in der Kulturförderung.
mehr »

Neues KI-Tool zur Medienaufsicht

Seit 2022 nutzen alle Landesmedienanstalten bei der Aufsicht KI, um im Internet nach rechtswidrigen Inhalten zu suchen, etwa nach Hassrede, Gewaltdarstellungen oder frei zugänglicher Pornografie. Im Juni 2025 kündigten die Bundesländer an, dafür eine klare Rechtsgrundlage zu schaffen.
mehr »

ver.di fordert Schutzkodex im ÖRR

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) fordert von ARD, ZDF und Deutschlandradio den Schutz von Journalist*innen einen entscheidenden Schritt voranzubringen: Bisher hat sich noch keine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt dem Schutzkodex angeschlossen. In vielen anderen Medienhäusern gelten die Regelungen des „Schutzkodex“ für Medienschaffende allerdings längst.
mehr »

RBB: Zweifel bei „Zusammenarbeit“

„Neue Zusammenarbeit“ – so heißt beim RBB das aktuell größte Umbauprojekt. Es soll die Rahmenbedingungen für die journalistische Arbeit verbessern. Dazu gehört eine Umstrukturierung und Verkleinerung der zweiten Führungsebene, der unterhalb des Direktoriums. Vorgesehen sind nur noch acht statt bisher zwölf Positionen. Sie wurden öffentlich ausgeschrieben und sollen bis Anfang April besetzt werden. Doch vom RBB-Personalrat kommt Kritik.
mehr »