„Netz gegen Nazis“

Mit einem interaktiven Ratgeberportal gegen Rechtsextremismus

„Ich bin gegen Nazis, weil sie anscheinend nichts aus der Vergangenheit gelernt haben“, sagt Chelsea-Star Michael Ballack im Videokommentar. Unter www.netz-gegen-nazis.de finden sich weitere 10-Sekunden-Spots von bekannten Sportlern und Medien-Promis wie etwa Wladimir Kaminer.

Das von der Zeit am 5. Mai initiierte Info- und Ratgeberportal ist kein Schnellschuss als Antwort auf jüngere Ausschreitungen von Neonazis. Es ist vor allem eine Reaktion auf die seit einiger Zeit beobachteten Bemühungen der rechtsextremistischen Szene, gesellschaftliche Einrichtungen wie Sportvereine, Schöffengerichte und freiwillige Feuerwehren zu unterwandern. Erreicht werden sollen nicht in erster Linie die ohnehin Informierten und „Gutmenschen“, so Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Vielmehr wollen die Macher dahin gehen, „wo es weh tut“, dorthin, wo die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen sich aktuell zuspitzen.
Um eine möglichst hohe Breitenwirkung zu erzielen, hat das Wochenblatt starke Verbündete ins Boot geholt. Mit dabei sind der Deutsche Olympische Sportbund, der Deutsche Fußballbund, die Deutsche Fußball-Liga und der Deutsche Feuerwehrverband. Als Medienpartner wurde das ZDF gewonnen. Online-Unterstützung erhält die Initiative von den sozialen Netzwerken StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ. Die VZ-Gruppe gehört ebenso wie die Zeit zum Holtzbrinck-Konzern.

Wissen, Handeln, Diskutieren

Die Webseite gliedert sich in die drei Bereiche Wissen, Handeln und Diskutieren. Unter „Wissen“ gibt eine interaktive Deutschlandkarte, eine Presseschau und eine umfangreiche Literaturliste schnelle Orientierung über aktuelle rechtsextreme Tendenzen. Im „Handeln“-Teil finden Menschen, die in ihrem persönlichen Umfeld mit Rechtsextremismus in Berührung kommen, Antworten. Etwa auf die Frage: Was tun, wenn der eigene Sohn zum Neonazi wird? Der Bereich „Diskutieren“ bietet registrierten Nutzern die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch.
In der dreimonatigen Einführungsphase wird „netz-gegen-nazis“ von vier Redakteuren gestaltet, das Forum von sieben Moderatoren unterstützt. Im Falle einer starken Nachfrage der Forumsfunktion, so Projektleiter Moritz Müller-Wirth, soll das Portal zur Dauereinrichtung werden. Falls die Nutzer überwiegend auf die Wissens- und Lexikon-Funktionen zurückgreifen, könnte es in das „Zeit Online“-Angebot integriert werden.

 
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