taz-Neubau: Mit Kleingeld für den großen Wurf

Grundsteinlegung am 23. September 2016: taz-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch (rechts) und Bauleute von Hochtief füllen die Bulle, Architekt und Senatsbaudirektorin halten sich im Hintergrund. Foto: Gabriele Senft

Natürlich eine taz vom Tage, als Referenz an das Schweizer Architektenteam aber auch ein Zürcher „Tages-Anzeiger“, die Baupläne, eine Comic-Urkunde von Hauszeichner TOM sowie Euro-Münzen und 5 Rappen wurden heute unter Blasmusikklängen in den Grundstein des Neubaus für „Die Tageszeitung“ an der Berliner Friedrichstraße einbetoniert. Das neue Verlagsgebäude der taz, mit dessen Bau bereits im November 2015 begonnen wurde, soll bis Ende 2017 bezogen werden.

„Wenn wir nun den Grundstein legen, dann ist das schon ein kleines Richtfest“, freute sich taz-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch angesichts der Schwierigkeiten mit dem Baugrund in der südlichen Berliner Friedrichstadt. „Dass die taz auf schwierige Verhältnisse stößt, sind wir ja gewöhnt“, erklärte er in der Baugrube auf Höhe des zweiten Untergeschosses.

Die taz bebaut eines von vier Feldern einer Weltkriegs-Brache als Teil eines künftigen Kunst- und Kreativquartiers. Realisiert wird der Siegerentwurf eines Architekturwettbewerbs, in dem sich das Züricher Architektenbüro E2A einstimmig unter insgesamt 310 Bewerbern durchsetzen konnte. Wim Eckert vom Architektenteam erläuterte, dass zwei physikalische Modelle für den „ökologischen Avantgarde-Entwurf“ Pate gestanden hätten: Das eines „negativen Kochtopfs“, da Verdunstungskälte zur Kühlung der Räume genutzt werde; sowie das eines „strukturellen Netzes“, das die gesamte Peripherie einbinde, aber im Inneren des Gebäudes „komplexe Freiheit“ ermögliche.

Es entstehe nicht nur ein Haus für die taz, „sondern ein Haus in einer städtebaulich nicht unproblematischen Umgebung und ein Projekt für nachhaltige Stadtentwicklung“, zeigte sich Senatsbaudirektorin Regula Lüscher überzeugt. Auf dem gesamten Baufeld zählten für die Investoren „nicht nur das Geld, sondern auch soziale und qualitative Aspekte“. Grünen-Bundestagsabgeordneter und taz-Mitgründer Christian Ströbele fand jedes der bisher vier Quartiere der Tageszeitung „angemessen“ für die Zeit und Entwicklungsstand von Redaktion und Verlag. Mit dem neuen Haus verband er „die große Hoffnung für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Platz“ für die Zeitungsmacher, wünschte sich aber vor allem weiterhin „eine linke, radikale taz“.

Der Neubau auf 1320 Quadratmetern soll maximal 20 Millionen Euro kosten. 6,2 Millionen Euro seien dafür nach Angaben der taz-Verlagsgenossenschaft über Neumitglieder und stille Anteile eingeworben worden. Das neungeschossige Gebäude mit einer gitterartigen Stahl-Glas-Fassade soll in reichlich einem Jahr bezugsfertig sein und dann sämtlichen Beschäftigten Platz bieten. Für das bisherige taz-eigene Domizil in zwei nebeneinander liegenden Häusern in der nahegelegenen Rudi-Dutschke-Straße werden dann Mieter gesucht.

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