Vielfalt gefährdet

Die Debatte über die Neugestaltung des Medienrechts in Nordrhein-Westfalen ist in vollem Gange. Die Landesregierung hat im Juni zwei Gesetzentwürfe vorgelegt, die erhebliche Auswirkungen für die Medienlandschaft in NRW bedeuten.

Überarbeitet werden sollen das Landesmediengesetz NRW, das Regelungen für den privaten Rundfunk enthält, sowie das WDR-Gesetz. Im September haben im Landtag Anhörungen hierzu stattgefunden, zu denen auch ver.di und DGB kritisch Stellung bezogen haben.
Im Zentrum der Anhörungen stand der schon zu zweifelhaftem Ruhm gelangte Paragraf 33a des Gesetzentwurfs zum Landesmediengesetz. Dieser sieht vor, dass Verlagshäuser in Zukunft einen erleichterten Zugang zum Rundfunk erhalten sollen. Das heißt im Klartext, dass auch Verlage, die z.B. bei Zeitungen oder Zeitschriften bereits eine marktbeherrschende Stellung innehaben, zusätzlich noch Rundfunk veranstalten dürfen. Damit hebt die Landesregierung die bisherige Regelung, wonach eine solche Verquickung verboten ist, einfach aus den Angeln.
Dass von den Verlagen im Gegenzug „wirksame Vorkehrungen zur Verhinderung von Meinungsmacht“ verlangt werden, grenzt schon fast an eine Farce. Denn laut Gesetzentwurf reicht es, unabhängigen Dritten Sendezeit einzuräumen oder einen Programmbeirat einzurichten. Ein Blick auf die damit verbundenen Kriterien zeigt aber schnell, dass wirksame Vorkehrungen anders aussehen müssten. Es ist äußerst fragwürdig, ob Meinungsvielfalt wirklich dadurch gewährleistet wird, dass drei Prozent der wöchentlichen Sendezeit an Dritte gehen und davon nur 30 Prozent in der Hauptsendezeit ausgestrahlt werden müssen. Das heißt: Dritten stehen 43 Minuten täglich zu, davon müssen nur 13 Minuten in der Hauptsendezeit liegen – und die endet erst 23 Uhr. Auch die Vorgaben für einen Programmbeirat sind wenig geeignet, fehlen ihm doch wesentliche Entscheidungs- und Sanktionsbefugnisse.
Wes Geistes Kind diese Gesetzesnovellen sind, zeigt auch das Vorhaben der Landesregierung, den WDR-Rundfunkrat um satte vier Sitze zu erweitern – und zwar allein mit Vertretern aus Wirtschaft und Technik. Diese sollen dem Gremium den notwendigen ökonomischen Sachverstand für die anstehenden Drei-Stufen-Tests sichern. Das stellt nicht nur die Kompetenz der bisherigen Rundfunkräte in ein schlechtes Licht, sondern verkennt zudem, dass der Drei-Stufen-Test insbesondere auch den publizistischen Mehrwert eines öffentlich-rechtlichen Angebots bewerten soll. Deshalb ist ganz klar: Die Vorhaben der Landesregierung gefährden unnötig die Medienvielfalt in NRW.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Journalismus muss sich zur Wehr setzen

Nicht erst seit dem Wahlkampf in Sachsen-Anhalt sind sie zu einer festen Größe bei politischen Veranstaltungen geworden: Private Streamer, oft aus dem stramm rechten Spektrum. Sie behindern die Arbeit von Pressevertreter*innen, bedrängen Politiker*innen oder schüchtern Demonstrationsteilnehmer*innen ein.
mehr »

Der Wahlkampf im Fernsehen

Gerade im Vorfeld von Landtags- oder Bundestagswahlen ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk (ÖRR) Zielscheibe für Kritik. Egal in welcher Form ARD und ZDF über Parteien und die Spitzenkandidat*innen berichten, irgendwie ist es immer falsch. Ein Dilemma, wie sich auch im Vorfeld der bevorstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin exemplarisch zeigt.
mehr »

Leeres Wort des Reichen Pflicht

Verleger, Verlöger, verlogen. Mehr will einem nicht einfallen, wenn man die jüngsten Nachrichten aus der Medienwelt hört. Bei öffentlichen Auftritten, in Interviews und Sonntagsreden stellen sich die Deutschen Zeitungsverleger*innen als Bewahrer des Qualitätsjournalismus und somit Retter der Demokratie dar. Im Alltagsgeschäft legen sie an genau diesen Qualitätsjournalismus Hand an.
mehr »

Filmförderung in der Sackgasse

Die Töpfe des DFFF 1 & 2 sowie des GMPF sind bereits vier Monate vor Jahresende ausgeschöpft. Das zeigt die enorme Nachfrage und das Wachstumspotenzial des Filmstandorts Deutschland. Deutsche Studios und Drehorte, Crews und Kreative, Produktionsunternehmen und Dienstleister sind gefragt – und stärken damit die gesamte filmwirtschaftliche Wertschöpfungskette bis hin zu den Kinos. 
mehr »