40 Jahre taz: Print geht und digital kommt

Draufsicht im Neubau: Die taz lud anlässlich des 40. Jubiläums in den zweietagigen Raum für künftige Redaktionskonferenzen.
Foto: Christian von Polentz/ transitfoto.de

Von Selbstbewusstsein, „gewachsenen, vielseitigeren Angeboten“ und digitaler Zukunftsstrategie war im „mehr oder weniger fertig“gestellten Neubau an der Berliner Friedrichstraße die Rede. Chefredaktion und Geschäftsführer der tageszeitung (taz) eröffneten einen halbjährigen Jubiläumsmarathon, der zwischen dem Erscheinen der ersten Nullnummer Ende September bis zum eigentlichen 40. Geburtstag am 17. April 2019 reichen wird.

Das Produkt taz habe sich „bewährt, das Modell stimmt“, so das Eröffnungsstatement von Chefredakteur Georg Löwisch. Mit einer „Diversifizierungsstrategie“ habe sich die überregionale, genossenschaftlich getragene Tageszeitung fit für die Zukunft gemacht. Dazu gehörte sowohl ein Relaunch der Print-Ausgabe im vergangenen Jahr als auch die Weiterentwicklung der bewährten e-paper-Variante. Man wolle den „Fokus auf junge Produkte verstärken“. Verschiedene Angebote an die Leser – wie die Kombination einer täglichen digitalen Variante mit der gedruckten Wochenend-taz – sollen die tageszeitung sicher in die Zukunft führen. Ausgehend von einem „Innovationsreport“ der Redaktion aus dem Frühjahr dieses Jahres arbeite man daran, die Mobilversion der redaktionellen Inhalte so zu verbessern, dass sie sich als App vom bisherigen e-paper „emanzipiere“. Sie solle auf Smartphons besser zu lesen sein, erläuterte Katrin Gottschalk, die für digitale Strategien zuständige stellvertretende Chefredakteurin. Auch an der Reichweitentwicklung von taz.de arbeite man gezielt.

Kein Rascheln mehr beim Frühstück

Mit der Ankündigung, ab 2022 werde es keine Printausgabe mehr geben, hatte taz-Mitgründer und Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch schon vor Wochen Debatten um die Zukunft der gedruckten Tageszeitung angeheizt. Das „Bangen um die Papierzeitung und das Rascheln zum Frühstück“ habe sich zuletzt auf der Generalversammlung der taz-Genossenschaft am vergangenen Wochenende manifestiert, erklärte Ruch, doch wolle er „alle Ängste nehmen“. Das von ihm vorgestellte Szenario 2022 basiere auf der Fortschreibung bisheriger Auflagenentwicklungen.

Vision oder Provokation? taz-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch.
Foto: Christian von Polentz/ transitfoto.de

Zwischen 2009 und 2018 sei die Auflage der werktäglich gedruckten taz von über 45000 auf reichlich 27000 zurückgegangen. Dieser Trend werde sich fortsetzen. Dagegen ginge die Online-Nutzung „seit 2012 aufwärts“. Das reine e-paper-Abo und das Kombi-Abo zusammengenommen, erreiche man mehr als 60.000 Leser. Das sei ausbaufähig. Eine Druckausgabe auf teueren Vertriebswegen weiterhin bundesweit auszuliefern, mache nach Ruchs Auffassung nur Sinn, „solange Print noch einen angemessenen Deckungsbeitrag liefert“. Doch zeigte er sich überzeugt: „Print geht, digital kommt“. Dafür gebe es „viele Handlungsmöglichkeiten“, auch angesichts von 12 Prozent Umsatzsteigerung seit 2009. Die Umsatzeinbußen, die man beim Wegfall der gedruckten Ausgabe einkalkulieren müsse, würden durch Einsparungen bei Druck, Zustellung und Spedition kompensiert. Deshalb, so Ruch, werde die taz „weiter ein florierendes Unternehmen sein, auch wenn nicht mehr gedruckt wird“. Man werde ab sofort die Marketingaktivitäten auf die Digitalkampagne ausrichten und speziell ein „Vollabo neuen Typs“ – die Mischvariante zwischen digitalem Werktags- und gedrucktem Wochenendangebot der taz – bewerben.

Crossmedial mit „Gluthirn“

Überhaupt zeigten sich Karl-Heinz Ruch und Mitgeschäftsführer Andreas Bull überzeugt, dass die Branche bei der Suche nach digitalen Geschäfts- und Bezahlmodellen wieder „beim Abonnentenmodell als Kerngeschäft“ angekommen sei. Mit aktuell einem Anteil von einem Fünftel digitalen an den Gesamt-Abos liege die taz vor Süddeutscher, FAZ oder Spiegel.

Bei einem anschließenden Rundgang durch den Neubau erhielten Pressevertreter einen Eindruck vom fast fertigen Zustand des energieeffizienten und sehr hellen Medienhauses an der Friedrichstraße 21.

Aufstrebend: Das neue Medienhaus in der Friedrichstraße
Foto: Christian von Polentz/ transitfoto.de

Auf 6000 Quadratmeter Netto-Arbeitsfläche mit „offener Raumplanung“ werde sehr viel Wert auf Kommunikation und Möglichkeiten zum direkten gesellschaftlichen Dialog gelegt, erläuterte Vize-Chefredakteurin Barbara Junge. So seien spezielle Veranstaltungsräume und Ideenbasen ebenso vorgesehen wie ein crossmedialer Newsroom als „Gluthirn integrativer Redaktionstätigkeit“.

Die Eröffnungsfeier für das neue Medienhaus steigt am 19. Oktober. Der eigentliche Umzug von Redaktion und Verlagsabteilungen soll unmittelbar danach erfolgen.

 

 

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