Ausgesiebt

Aufhebungsverträge für langjährig Beschäftigte bei RTL

Auch die RTL Group will trotz Rekordgewinnen im ersten Halbjahr 2008 Arbeitsplätze abbauen. Als Vehikel zur Jobvernichtung dient auch hier eine umfangreiche Umstrukturierung der Gruppe, vor allem der für Sommer 2009 geplante Umzug auf die rechte Rheinseite nach Köln-Deutz.

Im Rahmen des Umzugs will die Geschäftsführung die Bereiche RTL-Produktion und Technik auflösen und einen Teil der Arbeitsplätze in die ebenfalls zur RTL Group gehörende Schwesterfirma CBC verlagern. Von den 157 Festangestellten sollen laut RTL-Geschäftsleitung nur 105 bei CBC eine Stelle erhalten. Einige Betroffene gehen in Altersteilzeit, andere haben bereits in Aufhebungsverträge eingewilligt. Die verbleibenden 36 bangen um ihre berufliche Zukunft.
Die Auslese zeigt Methode. Unter den Betroffenen befinden sich auch sechs Betriebsräte. Ein langjähriger Betriebsrat „Ausgesiebt wurden überwiegend Kollegen mit langer Betriebszugehörigkeit, also die Älteren, Qualifizierten und Teuren“. Offenbar wird der Umzug benutzt, um eine „olympiareife“, aber vor allem billige Belegschaft zu produzieren. Dazu passt, dass in den vergangenen Wochen bei CBC immer wieder mal neue Stellen im Technikbereich ausgeschrieben wurden, ohne sie zuvor den von Entlassung Bedrohten anzubieten. Der Betriebsrat will sich damit nicht abfinden. In einer internen Info missbilligt er die Vorgehensweise. Er geht davon aus, „dass es sich bei der Maßnahme um einen Betriebsübergang nach § 613a BGB handelt, bei dem niemand seinen Job verlieren würde“.
Angesichts der Negativhaltung der Geschäftsleitung ist die Stimmung in der Belegschaft derzeit „auf dem Nullpunkt“, heißt es von Seiten des Betriebsrats. Besonders empörend finden viele Mitarbeiter den krassen Gegensatz zwischen Rotstiftpolitik und Rekordgewinnen. connexx-av zufolge hat die RTL Group im ersten Halbjahr 2008 „ihre ohnehin schon üppigen Gewinne nochmals beträchtlich gesteigert“. Demnach konnte der Gesamtkonzern seinen Nettogewinn um 16,6 Prozent auf 338 Millionen Euro steigern. Allein RTL Deutschland hob sein operatives Ergebnis sogar um 29 Prozent auf das Rekordniveau von 218 Millionen Euro. Deshalb erwirkte der Betriebsrat vor dem Kölner Arbeitsgericht die Einrichtung einer Einigungsstelle zur Verhandlung eines neuen Sozialplanes für die Betroffenen.
Auch die RTL-Kollegen, die in die neuen Studios auf der anderen Rheinseite umziehen dürfen, treibt die Sorge um die Qualität ihrer künftigen Arbeitsplätze um. Viele Job-Ausschreibungen von CBC stimmen nicht mit ihren derzeitigen Tätigkeiten überein, moniert connexx.av: „Mit weniger Arbeitnehmern und mit verschlechterten Konditionen will RTL künftig das steigende Arbeitspensum bewältigen. „Eine Tarifbindung existiert bei CBC nicht, mit der existierenden Betriebsvereinbarung sind viele unzufrieden. Freie Cutter verdienten bislang in der Acht-Stunden-Schicht 350 Euro. Zuletzt schrumpfte das Honorar nunmehr auf Grundlage einer Zehn-Stunden-Schicht auf nur noch 280 Euro. Das Idealziel des Unternehmens, so der Betriebsrat, seien „billige Arbeitskräfte, die nicht meckern und neben ihrer Kernarbeitszeit rund um die Uhr per Handy erreichbar sind“.
Daneben existiert eine weitere Baustelle bei RTL Deutschland. Derzeit wird das gesamte redaktionelle und Technikpersonal für Nachrichten und Magazine in der Anfang 2008 gegründeten RTL-Tochter infoNetwork GmbH „zusammengeführt“, sprich: ausgelagert. Nach Abschluss dieses Prozesses soll infoNetwork innerhalb der RTL Group mit knapp 600 Mitarbeitern die zweitgrößte Firma sein – nach CBC. Schon vor zwei Jahren mussten viele Beschäftigte nach der Tarifflucht von RTL im Rahmen einer Betriebsvereinbarung eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden und andere Nachteile hinnehmen. So wurde etwa die Bezahlung bei allen neu Eingestellten im bestehenden Tarifrahmen pausschal um fünf Prozent gekürzt.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Filmförderung soll Standort retten

Kurz vor der Berlinale präsentiert Kulturstaatsministerin Claudia Roth ihren Plan zur Rettung des angeschlagenen Filmstandorts Deutschland. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) begrüßt das vorgelegte Paket. Es besteht aus einem neuen Filmfördergesetz und Diskussionsvorschlägen zur Steuerförderung für in Deutschland durchgeführte Filmproduktionen sowie einer Investitionsverpflichtung für Streaming-Dienste. Insbesondere der Wille zur Tarifbindung sei positiv zu bewerten.
mehr »

Warnstreik im Kino während der Berlinale

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) ruft die Beschäftigten der Kinokonzerne CinemaxX und CineStar im Rahmen der bundesweiten Tarifverhandlungen ab Donnerstag (15. Februar 2024) bis zum Wochenende zum Warnstreik auf. Der Aufruf gilt für Kinostandorte in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
mehr »

Neue Studie: Hass im Netz nimmt zu

„Der Hass ist laut, der Rückzug hingegen ist leise. Damit gefährdet Hass im Netz die Meinungsvielfalt im öffentlichen Raum. Er bedroht unseren demokratischen Diskurs.“ So die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Kompetenznetzwerks gegen Hass im Netz, die im Wahljahr 2024 besonders aufrütteln. Denn es sind insbesondere Rechtsextreme, „die auf Social-Media-Plattformen massiv mobilisieren sowie Hass und Desinformation teils gezielt als Instrument der Einschüchterung verbreiten.“
mehr »

Verkaufsstopp für rechtsextremes Compact-Magazin

Das rechtsextreme und AfD-nahe Magazin „Compact“ soll künftig in zahlreichen Buchhandlungen und Zeitschriftenläden nicht mehr erhältlich sein. Nachdem gestern das Unternehmen Valora den Verkaufsstopp bekannt gegeben hatte, folgen heute weitere Firmengruppen, berichtet das Recherchenetzwerk „Correctiv“. Das Magazin gefährde die freiheitlich-demokratische Grundordnung, werde das Vorgehen begründet.  
mehr »