Berliner Verlag: Über 90 Kündigungen

Noch werben "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier" am Alexanderplatz, doch DuMont hat die Ampel hier längst auf Rot gestellt. Foto: Christian von Polentz

Die erwartete Entlassungswelle im Berliner Verlag rollt an. Der Betriebsrat hat gestern mehr als 90 beabsichtigten Kündigungen widersprochen, heißt es in einem aktuellen Info. Die Geschäftsführung der neuen Newsroom GmbH, die schrittweise die Redaktion von „Berliner Zeitung“ und „Berliner Kurier“ übernehmen soll, spricht zeitgleich davon, dass die „Organisation komplett“ sei.

Der Betriebsrat habe aktuell von den Geschäftsführern die Anhörung für die beabsichtigte Kündigung von 34 Kolleginnen und Kollegen des „Berliner Kuriers“, 53 Kolleginnen und Kollegen des Berliner Verlages („Berliner Zeitung“) und sechs Kollegen der Redaktionsgemeinschaft 2 erhalten. „Wir reden insgesamt von über 90 Anhörungen zur Kündigung. Zuletzt hatte die Geschäftsführung die Zahl der noch Beschäftigten mit 161 angegeben“, erklärt Betriebsratsvorsitzende Renate Gensch. Die eine oder der andere Gekündigte könne zwar noch mit einer Weiterbeschäftigung im neuen Haus rechnen. Denn im Gegensatz zur Geschäftsführung geht die Interessenvertretung nicht davon aus, dass bereits alle Stellen in der Newsroom-Gesellschaft besetzt sind; es fänden immer noch Bewerbungsgespräche statt. Für die übergroße Mehrheit der Beschäftigten werde es allerdings bei der Kündigung bleiben, rechnet der Betriebsrat. Das Gremium hat allen Kündigungsbegehren widersprochen.

In der Begründung des Arbeitgebers habe es geheißen, dass der Betrieb bis voraussichtlich Mitte 2017 geschlossen werde und sämtliche Arbeitsplätze wegfallen. Nach Überzeugung des Betriebsrates werde der Betrieb jedoch nicht geschlossen, sondern lediglich auf ein anderes Unternehmen, die Berliner Newsroom GmbH, übertragen. Man gehe deshalb von einem Betriebsübergang nach § 613 a BGB aus.

Die Stellungnahme der Interessenvertretung werde den Ausspruch der Kündigungen aber nicht verhindern, heißt es in dem Betriebsratsinfo. Es liege im Ermessen jedes Einzelnen, ob ein Angebot gemäß Sozialplan oder zusätzlicher betrieblicher Vereinbarung angenommen oder auf Weiterbeschäftigung geklagt werde. Mitte Januar unterzeichnete Sozialvereinbarungen sehen neben Abfindungsregelungen auch den Übergang in eine Transfergesellschaft vor.

Inzwischen wurde auch eine zwischen neun DuMont-Gesellschaften am Berliner Standort und den Gewerkschaften ver.di, DJV und JVBB ausgehandelte Sozialtarifvereinbarung endgültig ausformuliert.

Regelungen sind jetzt ebenfalls für die 16 vom Stellenabbau betroffenen Beschäftigten von DuMont Systems gefunden. Seit Dezember 2016 wurde in der Einigungsstelle über einen Interessenausgleich und Sozialplan gestritten. Mitte Februar haben sich die Parteien auf Eckpunkte für Abfindungsregelungen und eine Transfergesellschaft verständigt. Die Abfindungen sollen zwischen 0,5 bis 0,7 Bruttomonatsgehälter pro Beschäftigungsjahr betragen und unterliegen einer Deckelung. DuMont hatte Ende 2016 entschieden, den Berliner IT-Standort komplett zu schließen. Alle IT-Beschäftigten sind langjährig im Unternehmen.

nach oben

weiterlesen

Strategie des geschützten Gartens

Seit letztem Jahr haben Verlage die Möglichkeit, im Rahmen von „Instant Articles“ journalistische Inhalte auf die Pinnwände von Facebook-Nutzerinnen und -Nutzern einlaufen zu lassen. Mit dabei ist auch der Axel Springer Verlag mit Angeboten von welt.de und bild.de. Im Gespräch erklärt Manuel Adolphsen, Pressesprecher bei der Axel Springer SE, was sich das Unternehmen davon erhofft.
mehr »

Besserer Schutz von Journalisten weltweit

Der Bundestag hat heute auf Antrag der Fraktionen von CDU und SPD sowie der Grünen beschlossen, sich bei den Vereinten Nationen (UN) für die Einrichtung eines UN-Sonderbeauftragten zum Schutz von Journalistinnen und Journalisten einzusetzen.
mehr »

UFA: Illusionsfabrik und Werkzeug wird 100

100 Jahre UFA: Am Jubiläum der Illusionsfabrik nehmen Film und Fernsehen großen Anteil. Man blickt zurück. Arte startet Ende August eine ganze Filmreihe, das Berliner Kino Babylon eine umfangreiche Retrospektive. In einem neuen Dokumentarfilm als Gemeinschaftsproduktion findet man auf Arte Interessantes aus der Filmgeschichte, Zusammenhänge können aber auch aus dem Blick geraten.
mehr »

Der Unternehmer Axel Springer

Am 2. Mai zelebrierte der Axel SpringerVerlag den 100. Geburtstag seines Gründers unter dem Logo „Journalist, Unternehmer, Freiheitskämpfer“, und punktgenau erscheint eine neue Biografie Springers, die sich vor allem auf sein unternehmerisches Schaffen konzentriert.
mehr »