Der Umzug: 3. Oktober?

Bild-Redaktion soll den Stammsitz Hamburg verlassen

Das Timing war perfekt: Am Abend des Kampftags der Arbeit ruft der Chefredakteur von Bild beim Betriebsrat an und informiert, dass da etwas am nächsten Tag in der FAZ stehen würde. Was – das konnten Betriebsrat, Belegschaft und Bild-Redakteure dann in einem Exklusiv-Interview mit Kai Diekmann am Folgetag nachlesen: Die Bild-Redaktion verlässt den Stammsitz Hamburg, wird von der Hansestadt nach Berlin umziehen.

Es sei Wunsch und Wille der Redaktion, so Diekmann: Da „kommen wir an der Frage des Standorts Berlin nicht vorbei. … Es gibt zunächst einmal lediglich den Wunsch der Redaktion. … Berlin ist gelebter Informationsvorsprung. Die Bild-Zeitung ist gedruckter Informationsvorsprung, deshalb gehört beides zusammen.“ Zwar wurde das in der Hamburger Redaktion und auf der Redaktionskonferenz vehement in Abrede gestellt, wie Spiegel Online es schon Stunden später ins Netz stellte: „Was ist das für ein schlechter Stil? Ein Interview zu geben und uns damit vor vollendete Tatsachen zu stellen“; schimpfte eine Redakteurin.“

Betroffen sind 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Springer Hamburg – nicht nur aus der Redaktion von Bild und Bild am Sonntag, sondern auch im Verlag, der Anzeigenabteilung und dem Vertrieb. Das ist ein Drittel der Hamburger Belegschaft. Und betroffen sind auch die anderen Abteilungen des Verlages. Ein BR-Mitglied: „Wenn ein Drittel der Belegschaft wegbricht, wie soll dann etwa die Kantine so weiter arbeiten können wie bisher?“
Aber wirtschaftliche Interessen ständen hinter diesen Umzugsplänen nicht, verlängert Kai Diekmann sein redaktionelles Engagement. Eben jener Diekmann, der sich noch vor Monaten intern und vehement gegen die Umzugspläne seines Verlagschefs Mathias Döpfner gestellt haben soll. Dennoch: Das Springer Redaktionsgebäude in Berlin ist mit Welt, Welt am Sonntag, BZ und Berliner Morgenpost nicht ausgelastet. Hier sei, so Springer-Sprecherin Edda Fels, noch Platz für 1000. Vorauseilend und ungefragt die Beteuerungen von Verlagsleitung und Chefre­daktion. Diekmann: „Mit Synergien hat das nichts zu tun.“ Fels: „Es geht nicht um Rationalisierung und Restrukturierung.“

Interessant in diesem Zusammenhang eine – termingerechte – Meldung des Branchendienstes Kontakter vom Vor­abend des 1. Mai zu einem anderen Springer-Blatt: „Die Redaktion des Hamburger Abendblatts sorgt sich darüber, dass Teile der Berichterstattung von Hamburg nach Berlin abgezogen werden. … ‚Sollte es Entscheidungen bezüglich der Nutzung von möglichen Synergieeffekten zwischen den Zeitungsgruppen geben, werden wir dies sicher rechtzeitig kommunizieren‘, so ein Sprecher.“

nach oben

weiterlesen

Auf jungen Kanälen überall mitmischen

„Online First“ gilt inzwischen in vielen Medienhäusern. Nachrichten gelangen zuerst in elektronische Kanäle. Doch auch die klassischen Zeitungen und Zeitschriften spielen immer noch eine Rolle, gedruckt oder im Netz. Denn ihre Namen sind als Marke und Signal für Glaubwürdigkeit nicht zu unterschätzen, war Tenor im jüngsten „Berliner Mediensalon“. Um junge Leser*innen an guten Journalismus zu gewöhnen, sollten Zeitungs- und Zeitschriftenverlage überall präsent sein, wo junge Mediennutzer*innen unterwegs sind.
mehr »

Google schließt erste Verträge mit Verlagen

Google hat erste Verträge mit deutschen Verlagen nach dem neuen Leistungsschutzrecht geschlossen. Das sind aktuell „Spiegel“, „Zeit“, „Handelsblatt“, „Tagesspiegel“, Ströer („T-Online“), „Golem“ und „Netzwelt", gab der Suchmaschinenkonzern bekannt. Die Deals beinhalten auch Titel wie „WirtschaftsWoche“, „Potsdamer Neueste Nachrichten“ und „Manager Magazin“ und Portale wie „Watson“, „Giga“, die von den Verlagen verantwortet werden. Die Lizenzverträge beziehen sich auf „erweiterte Vorschauen“ von Medieninhalten.
mehr »

Bildersuche gebündelt auf einer Plattform

Der Markt für bildbezogene Software für den Journalismus und den Fotojournalismus ist stark von us-amerikanischen Unternehmen geprägt. Eine Ausnahme stellt das mittelständische Münchner Unternehmen picturemaxx dar, in Deutschland ein Marktführer in Bezug auf Bildrecherche und Bildverwaltung. Felix Koltermann sprach mit dem CEO des Unternehmens, Gerhard Feigl, über die Arbeit des Unternehmens und die Zukunft des Bildermarktes.
mehr »

Verleger erwarten Vertriebsförderung

Die deutschen Zeitschriftenverleger wünschen sich von der nächsten Bundesregierung verlässliche Rahmenbedingungen für gedruckte und digitale Medien. Dazu gehöre auch eine „diskriminierungsfreie Vertriebsförderung“ der periodischen Presse, forderte VDZ-Präsident Rudolf Thiemann auf dem diesjährigen Publishers‘ Summit am 4. November vor rund 250 Branchenvertreter*innen in Berlin.
mehr »