Fernsehenbleibt „Leitmedium“

Die Veränderungen im Kommunikationsverhalten sind dramatisch – und doch wieder nicht. Denn trotz des Internetbooms bleibt die Nutzung klassischer Medien wie Fernsehen und Radio weitgehend stabil. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung, die ARD und ZDF am Donnerstag (10. September) in Frankfurt am Main vorstellten.

„Für die klassischen Medien besteht kein Grund zur Panik“, sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut bei Vorstellung der Langzeitstudie „Massenkommunikation 2015“. Die repräsentative Befragung wird seit nunmehr 50 Jahren durchgeführt, seit 1980 alle fünf Jahre. Sie zeigt, dass sich die Mediennutzung verändert. Dies geschehe aber graduell und über sehr lange Zeiträume, so Helmut Reitze, Intendant des Hessischen Rundfunks. Weiterhin seien TV und Radio die mit Abstand meistgenutzten Medien. Täglich erreichen sie 80 bzw. 74 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahren. Zum Vergleich: Die Reichweite des Internets liegt bei 46 Prozent, die der Tageszeitungen immerhin noch bei 33 Prozent.

Knapp neuneinhalb Stunden am Tag nutzen die Bundesbürger durchschnittlich die Medien – etwa eine halbe Stunde weniger als vor zehn Jahren. 208 Minuten davon entfallen auf das Fernsehen und 173 aufs Radio. Fernsehen bleibe damit das „Leitmedium“, betonte Bellut. 107 Minuten surfen die Bundesbürger der Befragung zufolge im World Wide Web. Zum Vergleich: Büchern widmen sie im Schnitt 19, der Tageszeitung 23 Minuten. Die Forscher der Projektgruppe von ARD und ZDF weisen allerdings darauf hin, dass das Internet nur 26 Minuten medial genutzt wird – die restlichen 81 Minuten wird kommuniziert, eingekauft etc. Dennoch: Der Trend zum Internet ist unverkennbar. Das zeigt sich besonders bei den 14- bis 29-Jährigen, die täglich 187 Minuten im Netz verbringen.

„Das Fernsehen ist kein Auslaufmodell“, erklärte HR-Intendant Reitze mit Blick auf die hohe Reichweite und Nutzungsdauer des Mediums. „Und auch der Tagesbegleiter Radio hat eine enorme Minutennutzung.“ Das TV dient dabei insbesondere der Entspannung und Ablenkung. Das Internet wird hingegen eher zur Informationsbeschaffung genutzt und als Nützlich im Alltag angesehen. Gleiches gilt für die Tageszeitung, die ein erheblicher Anteil allerdings auch aus Gewohnheit liest.

Das Image des Fernsehens ist erstaunlich gut. Reitze und Bellut ließen es sich nicht nehmen, darauf zu verweisen, dass dies „wesentlich auf die Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zurückzuführen“ sei: Befragt nach den Leistungen von ARD und ZDF im Vergleich zu privaten TV-Sendern schneiden Erstere durchweg besser ab. Einzige Ausnahme: Dem Satz „Sind gut zum Entspannen“ stimmt eine Mehrheit in Bezug auf die Privaten zu. Den öffentlich-rechtlichen Anstalten wird hingegen unter anderem eine ausgewogene Berichterstattung, ein Beitrag zur politischen Meinungsbildung und glaubwürdige Informationsverbreitung bescheinigt. Dazu passt, dass 83 Prozent der Befragten öffentlich-rechtliches Fernsehen und Radio für „unverzichtbar“ halten – noch etwas mehr als bei der letzten Befragung 2010.

 

nach oben

weiterlesen

Ein Fonds für die Pressefreiheit

Eine Zeitung druckt einen kritischen Artikel, dann flattert eine Abmahnung ins Haus: Expert*innen warnen davor, dass die Versuche, mit rechtlichen Mitteln gegen journalistische Berichte vorzugehen, der Pressefreiheit nachhaltigen Schaden zufügen können. Welche Erfahrungen es mit Einschüchterungsversuchen aufgrund kritischer Berichte gibt und was die Medienbranche dem entgegensetzen kann – darum ging es beim jüngsten Medien-Meeting der dju in ver.di
mehr »

Ausgezeichneter Nachwuchs beim Radio

Für ihre qualitativ hochwertigen Volontariats-Programme wurden im Rahmen des digital durchgeführten 4. Radio-Netzwerk-Tages 28 private Radiostationen aus ganz Deutschland mit dem Radiosiegel ausgezeichnet. Unter den diesjährigen Preisträgern befinden sich fünf Hörfunkveranstalter aus Baden-Württemberg. Für DIE NEUE 107.7 ist es bereits die siebte Auszeichnung durch das Radiosiegel in Folge.
mehr »

Kultur aus der Contentbox

Knapp 30 Millionen Euro will der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) im nächsten Jahr einsparen. Das entspricht rund fünf Prozent des Gesamtetats. Besonders der Kulturbereich ist von den Kürzungen betroffen. Allein der Jahresetat des Kulturradios soll ab 2021 um zehn Prozent schrumpfen. Auch die Programmstruktur wird sich ändern. Wie meist bei solchen Rotstiftaktionen dürfte es vor allem die freien Mitarbeiter*innen treffen.
mehr »

Digitale Reform im Kulturradio

Der Hessische Rundfunk (hr) hat sein Radio-Programm von „hr2 kultur“ umgestaltet. Die Reform ist jedoch weniger umfangreich als von einigen Feuilletons befürchtet. Altbewährte Magazinformate sind erhalten geblieben und das digitale Angebot wurde erweitert. Neu ist der Entstehungsprozess des Programms: Die verkleinerte Redaktion fragt die Beiträge nun an einem Desk in der zentralen crossmedialen „Kultur-Unit“ an.
mehr »