Google zahlt an Verlage für Inhalte

Foto: Pixabay

Der Suchmaschinen-Konzern Google startet zusammen mit 20 Medienhäusern aus Deutschland ein Nachrichtenangebot mit Inhalten, für die der US-Konzern erstmals in seiner Geschichte Lizenzgebühren bezahlt. Für Angebote in dem „Google News Showcase“ werde man in den ersten drei Jahren weltweit mehr als eine Milliarde Dollar (855 Millionen Euro) bereitstellen, kündigte das Unternehmen an. Danach seien bisher Verträge mit bis zu 200 Nachrichtenverlagen aus Deutschland, Brasilien, Argentinien, Kanada, Großbritannien und Australien abgeschlossen worden.

Der Dienst sollte zunächst in der bestehenden Google News App für Android für Anwender in Deutschland und Brasilien beginnen, so die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Es folge dann die Google News App für das iPhone. Danach sollen die Inhalte auch auf dem Smartphone in Google Discover sowie in der Google-Suche erscheinen. Anwender müssen dafür keine neue App installieren. Sie bekommen künftig über das Angebot auch kostenlos Zugriff auf einige Artikel, die die Verlage hinter eine Bezahlschranke gestellt haben.

Die Initiative hatte Google im Juni 2020 angekündigt (siehe News vom 26. Juni 2020). Neben bereits bekannten Partnern wie „Der Spiegel“, „Die Zeit“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Rheinische Post“ und „Der Tagesspiegel“ sind in Deutschland nun 15 weitere Medienunternehmen mit an Bord. Dazu zählen Burda („Focus Online“), Berliner Verlag („Berliner Zeitung“), Funke Mediengruppe („WAZ“), Gruner und Jahr („Stern“), Handelsblatt-Gruppe („Handelsblatt“, „Wirtschaftswoche“), Ippen Media Group („Münchner Merkur“), Lensing Media („Ruhr Nachrichten“), Mediengruppe Oberfranken („In Franken“), Mediengruppe Pressedruck („Augsburger Allgemeine“, „Südkurier“), „Neue Osnabrücker Zeitung“, Ströer (T-Online), VRM („Allgemeine Zeitung“) sowie Computec Media („Golem“) und Netzwelt. Das Angebot solle weiter ausgebaut werden.

Kritik kam vom Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV). Google erkenne mit dem neuen Angebot grundsätzlich an, dass es für Presseinhalte zahlen müsse, teilte der BDZV dpa mit. „Es ist daher umso weniger nachvollziehbar, dass der Konzern sich gegen klare gesetzliche Regelungen zum Schutz von Presseinhalten wendet. Es drängt sich der Verdacht auf, dass Google offenbar lieber ein eigenes Angebot lanciert, bei dem es die Teilnahmebedingungen diktieren kann, anstatt Recht und Gesetz in der EU anzuerkennen“, so der BDZV. „Die Geldausschüttung an Verlagshäuser erfolgt bei Google nach Gutsherrenart“, teilte der Verband weiter mit. Das habe „nichts mit unseren Vorstellungen von einem modernen Urheberrecht im 21. Jahrhundert zu tun“.


Ergänzung am 13.Oktober 2020

Das Angebot von Google, für Lizenznachrichten zu zahlen, wird von der Internationalen Journalisten-Förderation als „wichtiger erster Schritt“ begrüßt. Die Zusage von nur einer Milliarde US-Dollar weltweit in den nächsten drei Jahren wird jedoch als „weit entfernt von einer fairen Vergütung“ bezeichnet. IFJ-Präsident Younes M’jahed sagte außerdem: Google „muss sowohl Verlegern als auch Journalisten eine faire und angemessene Vergütung bieten.“

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Filmtipp: Call Me Queen

Die Auslandskorrespondentin Anna erlebt in „Call Me Queen“ im Kenia der 1990er Jahre die Berichterstattung als unzureichend. Lange vor den heutigen Haltungsdebatten muss sie Aktivistin werden, um mit ihrem Anliegen gehört zu werden.
mehr »

Lieblingsfeind freie Medien

Autoritäre Akteure setzen demokratische Strukturen, Zivilgesellschaft und freie Medien immer mehr unter Druck. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) diskutieren dazu am Mittwoch (30. September) auf ihrer Medienpolitischen Tagung mit dem Thema: „Lieblingsfeind freie Medien – europäische und deutsche Erfahrungen“.
mehr »

Berufsbild Dadfluencer: „Papa ohne Plan“

Auf Social Media lässt sich ein neuer Trend beobachten: Väter setzen sich in ihren Accounts öffentlich, selbstkritisch und selbstbewusst mit ihrer Vater-Rolle, ihren Unsicherheiten und ihren biographischen Prägungen als Mann und Sohn auseinander. Das ist ein relativ neues Phänomen. Wir sprachen mit dem Dadfluencer Felix Schenk.
mehr »

Mit Abendprogramm und Algorithmus

Die aktuelle ARD/ZDF-Medienstudie zeigt eine Mediennutzung ohne Wachstum. Ältere bleiben beim linearen TV-Programm, Jüngere wechseln zu digitalen Plattformen und KI-Tools. Für Sender und Redaktionen verschärft sich damit ein zeitlicher Wettbewerb, den Reichweitenzahlen allein nicht mehr abbilden.
mehr »