Kündigungswelle in Ostfriesland

Außenredaktionen geschlossen, Beschäftigte wehren sich vor dem Arbeitsgericht

Die Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO) will weiterhin hohe Gewinne, der Weg dahin: Personalkürzungen. In den Jahren 2005 bis 2010 teilten sich die Verleger 15,3 Millionen Euro Gewinnausschüttung und Pachteinnahmen. Das soll natürlich so bleiben!

Insgesamt verlieren 19 Kollegen der Ostfriesen-Zeitung (Leer) und des General-Anzeigers (Rhauderfehn) ihren Arbeitsplatz. 17 Festangestellten stehen Kündigungen ins Haus. Zwei Zeitarbeitsverträge wurden nicht verlängert. Der Personalabbau sei wegen wegbrechender Anzeigenerlöse notwendig, gab die Geschäftsleitung vor. Nachdem der Betriebsrat einen Wirtschaftssachverständigen hinzugezogen hatte, stellte dieser fest, dass der Verlag auf mehr als gesunden Füßen stehe. Es sei im Gegenteil sinnvoll, die Marktposition der Ostfriesen-Zeitung (OZ) zu stärken und weitere Mitarbeiter einzustellen, war sein Fazit.
Das hielt die Geschäftsleitung jedoch nicht davon ab, bereits Anfang des Jahres den Chef vom Dienst mit sofortiger Wirkung vom Dienst freizustellen. Er blickt auf eine 31jährige Betriebszugehörigkeit zurück. Den Leitern der Bezirksredaktionen in Emden, Aurich und Leer wurde gekündigt. Ihnen wurden bei einem Gütetermin vor dem Arbeitsgericht Emden lächerlich geringe Abfindungen angeboten. Sie klagen wie auch der CvD auf Wiedereinstellung.
Der Chefredakteur der OZ, Uwe Heitmann (52), übernimmt auch die Leitung der Lokalredaktionen in Leer, Emden und Aurich, die Außenredaktion mit drei Redakteuren in Norden wird geschlossen. Die Redaktionstechnik im Stammhaus in Leer-Logabirum soll aufgegeben, die Arbeit fremdvergeben werden. Zwei langjährige Mitarbeiter werden in einen anderen Betrieb nach Norden versetzt, zwei müssen gehen. Einer davon ist seit 37 Jahren im Betrieb. Die ihm angebotene Abfindung war inakzeptabel. Im Redaktionssekretariat sollen Stellen abgebaut, weitere Lokalredakteure entlassen werden.
In einer E-Mail teilte die Geschäftsleitung mit, sie wolle mit allen über 58 Jahre alten Redakteuren Gespräche über ein vorzeitiges Betriebsausscheiden führen. Das erweckt ganz den Eindruck von altersbedingten Kündigungen. Die verstoßen allerdings gegen das Antidiskriminierungsgesetz. Die Kollegen lassen sich das nicht kampflos bieten. Die Protestaktionen der ZGO-Mitarbeiter in Aurich, Leer, Emden und Norden, die in den Fußgängerzonen stattfanden, stießen auf großes Interesse bei der Bevölkerung. Unterstützung erhielten sie dabei durch IG Metall-Betriebsräte der Meyerwerft in Papenburg und VW Emden, die offen für weitere Aktionen sind. Die dju in ver.di und der DJV protestieren gegen den Stellenabbau und den Umgang mit den Kollegen bei der OZ: Für ihren Profit würden die Verleger Existenzen sowie Vielfalt und Qualität einer einzigartigen Presselandschaft opfern.
Auch die Europa-, Bundestags- und Landtagsabgeordneten aus den ostfriesischen Wahlkreisen wandten sich in einem gemeinsamen Brief an die Verleger der ZGO. Sie schrieben: „Eine starke Verringerung des redaktionellen Personals und die Trennung insbesondere von sehr erfahrenen Journalisten Ihrer Zeitungsgruppe werden fast zwangsläufig zu einer schlechteren journalistischen Qualität führen. Wir meinen, dass die Bevölkerung einen Anspruch auf völlige Transparenz Ihrer Entscheidungen hat. Das gebietet Ihr öffentlicher Auftrag.“
Bei der Jubiläumsfeier „150 Jahre Anzeiger für Harlingerland“ im April wies der Niedersächsische Ministerpräsident David McAllister auf die wichtige Bedeutung der Lokalzeitungen hin und äußerte sich kritisch über die Einsparungen bei einer größeren Zeitung in der Region, ohne Namen zu nennen. Ob das der Grund für das vorzeitige Verlassen der Veranstaltung durch den Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung war, ist nicht bekannt.

 

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