Madsack mit DuMont in Berlin verpartnert

Das Haus der Bundespressekonferenz am Schiffbauerdamm in Berlin
Foto: Andrew Buckin/Fotolia

Die Verlage Madsack und DuMont werden künftig ihre Titel aus den überregionalen Themenfeldern Politik und Wirtschaft durch eine gemeinsame Hauptstadtredaktion beliefern. Die bisherige Redaktionsgemeinschaft von DuMont wird geschlossen. 17 Beschäftigte verlieren ihren Job. Sie können sich auf zehn Stellen in der neuen RedaktionsNetzWerk Berlin GmbH (RND) bewerben. Diese wird ihren Sitz in den Räumen des bisherigen Madsack-Redaktionsnetzwerks im Haus der Bundespressekonferenz haben. Entsetzen herrscht unter den Beschäftigten der DuMont-Hauptstadtredaktion, die erst 2017 in ein neues Redaktionsgebäude in Berlin-Kreuzberg umgezogen sind. 

An dem neuen Unternehmen werden das RND von Madsack zu 75 Prozent und DuMont zu 25 Prozent beteiligt sein. Damit bekommt das RedaktionsNetzWerk Zuwachs durch sechs Titel von DuMont. Täglich werden dann insgesamt 6,8 Mio. Leser von über 50 Tageszeitungen erreicht. Die tägliche Gesamtauflage aller Titel beträgt 2,3 Mio. Exemplare (IVW I. Quartal 2018). Vom 1. Oktober 2018 an erhalten die DuMont-Zeitungstitel Berliner Zeitung, Kölner Stadt-Anzeiger, Mitteldeutsche Zeitung sowie der Express, die Hamburger Morgenpost und der Berliner Kurier überregionale Inhalte für ihre Mantelausgaben. Die Produktion der Seiten erfolgt wie für alle Partner des RND am Madsack-Standort in Hannover.

Geschäftsführer des neuen Unternehmens werden die RND-Chefs Wolfgang Büchner und Uwe Dulias. Chef in Berlin soll der jetzige Büroleiter des RND Gordon Repinski bleiben; auch die weiteren in Berlin ansässigen acht Journalist_innen des RND wechseln in die neue Gesellschaft. Insgesamt soll diese Redaktion, die nicht tarifgebunden ist, mit 18 Stellen besetzt werden. Nach Informationen von ver.di werden zehn Stellen ausgeschrieben, auf die sich die dann auch die ehemaligen DuMont-Beschäftigten bewerben können. Bei dem Projekt, das als „Strategische Partnerschaft“ verkauft wird, bleiben also vorhersehbar mehrere auf der Strecke.

Aus dem gemeinsamen Betriebsrat der Berliner DuMont-Redaktionen heißt es: „Wir sind entsetzt über das von DuMont beschlossene abrupte Aus für die 17 Kolleginnen und Kollegen der Hauptstadtredaktion“ (DuMont Redaktionsgemeinschaft GmbH). Quintessenz der neuen „Kooperation“ mit Madsack sei, dass die DuMont-Hauptstadtredaktion bis zum Herbst dieses Jahres dichtgemacht werde. Diese Redaktion habe seit acht Jahren mit immer weniger Redakteuren unter schwierigen Bedingungen gearbeitet. Es sei daher empörend, wie man im Hause DuMont jetzt mit den Kolleginnen und Kollegen umgehe. Selbst wenn zehn von ihnen im neuen Redaktionskonstrukt Platz finden würden, bleibe das ein „brutaler Abbau“ der bisherigen 17 Stellen. Gegenüber ver.di haben die Arbeitgeber Gesprächsbereitschaft für einen Sozialplan und einen Interessenausgleich signalisiert.

„Das ist ein herber Verlust an Vielfalt“, beklagt der stellvertretende Vorsitzende des dju-Bundesvorstandes Peter Freitag. „Wir erwarten, dass DuMont seiner sozialen Verantwortung nachkommt und allen betroffenen Kolleginnen und Kollegen eine berufliche Perspektive bietet. Es kann nicht sein, dass Beschäftigte, die sich mitunter seit vielen Jahren für das Unternehmen einsetzen, gewissermaßen auf ihre eigenen Stellen neu bewerben müssen. Das hat mit Sozialpartnerschaft nichts zu tun“, so der dju-Vize.

Die Zusammenarbeit von Madsack Mediengruppe und DuMont steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch das Bundeskartellamt.


Madsack/DuMont: ver.di befürchtet Verlust der Meinungsvielfalt und warnt vor Entlassungen

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) befürchtet nach der Ankündigung der Bündelung der überregionalen Berichterstattung durch die Medien-Gruppen Madsack und DuMont den Verlust von Meinungsvielfalt und Arbeitsplätzen im Zeitungsjournalismus. „Wer auf sinkende Auflagen mit der Einschränkung journalistischer Vielfalt reagiert, ist auf dem falschen Weg“, kritisierte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Frank Werneke. „Die betroffenen Redaktionen können sich unserer Unterstützung bewusst sein, und auf keinen Fall darf es zu Entlassungen von Redakteurinnen und Redakteuren kommen“, heißt es in einer ver.di-Pressemiteilung.

Protest gegen das Aus der DuMont-Hauptstadtredaktion

„Wir fordern DuMont daher auf, der Fürsorgepflicht eines verantwortungsvollen Arbeitgebers gerecht zu werden. Wir verlangen von DuMont sicherzustellen, dass die zehn zusätzlichen Stellen im RND Berlin komplett von DuMont-Kollegen besetzt werden. Allen anderen Redakteuren der Hauptstadtredaktionen sind faire Angebote über eine Weiterbeschäftigung im Konzern, vorzugsweise in Berlin, zu unterbreiten“, heißt es in einer Pressemitteilung der Gewerkschaften dju in ver.di und DJV und der Berliner Betriebsräte von DuMont.

 

 

 

nach oben

weiterlesen

Weltweit: Getötet, inhaftiert, entführt

In diesem Jahr sind bis zum 1. Dezember weltweit mindestens 80 Journalisten, Bürgerjournalisten und andere Medienmitarbeiter in direktem Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet worden, 15 mehr als im Vorjahr. Mehr als die Hälfte von ihnen kam in nur fünf Ländern ums Leben: in Afghanistan, Syrien, Mexiko, Jemen und Indien. 348 Medienschaffende sind weltweit inhaftiert, vor allem in China, Ägypten, der Türkei, Iran und Saudi-Arabien. Das geht aus der Jahresbilanz der Pressefreiheit 2018 von Reporter ohne Grenzen hervor.
mehr »

Crowdworker sollten aktiv mitbestimmen

Mechanical Turk, Upwork oder in Deutschland Content.de, Testbirds, Crowd Guru: Crowdworking-Plattformen sind Teil der sogenannten Plattform-Ökonomie. Von der Arbeit auf Uber, Airbnb oder bei Lieferdiensten wie Foodora grenze sich Crowdworking dadurch ab, dass die Abwicklung des Auftrags komplett online erfolge und ein digitales Ergebnis habe, definierte Prof. Dr. Hans Pongratz von der Ludwig-Maximilians-Universität München auf einer Tagung von ver.di und IG Metall in Berlin.
mehr »

Erste Hilfe gegen den Hass im Netz

Nicht zufällig am 10. Dezember 2018, dem 70. Jahrestag der Erklärung der Menschenrechte, starteten die Neuen deutschen Medienmacher eine Erste-Hilfe-Seite gegen Hassrede im Netz. Der Online-Helpdesk zum richtigen Umgang mit Hate Speech hat Erfahrungen von Fachleuten und Aktivist_innen aufgenommen und für die Praxis aufbereitet, um Medienschaffende im Kampf gegen Hass und Hetze im Netz zu unterstützen. Akuten Rat gibt es zielgerichtet: Vorher. Jetzt. Danach - das sind die obersten Menüpunkte des Helpdesk.
mehr »

30 Kündigungen bei apm

Es klingt paradox: Die Maschinen der apm-Druckerei in Darmstadt laufen rund um die Uhr. Weil das 150-köpfige Personal nicht ausreicht, sind Leiharbeiter im Betrieb. Bis Jahresende gibt es reichlich zu tun. Auch für 2019 hat das Unternehmen Produktionsverträge. Trotzdem stellte die Geschäftsführung beim Amtsgericht Darmstadt einen Insolvenzantrag.
mehr »