Unzufriedene Kunden

dpa wird neue, modifizierte Preisstruktur vorlegen

Die Medienkrise hat die Deutsche Presse-Agentur (dpa) zwar verspätet, dafür aber mit voller Breitseite erwischt. Der Grund: Insgesamt laufen 15 Prozent aller Kontrakte mit Tageszeitungen in diesem Jahr aus. In Zeiten, in denen Sparkommissare die Verlage regieren, Redakteure entlassen und freie Mitarbeiter geschröpft werden, ist dies für die dpa-Kunden ein willkommener Anlass, um über bestehende Verhältnisse neu zu verhandeln. Der Vorwurf: Die Angebote seien insgesamt zu teuer, zudem müsse dpa flexiblere Preismodelle offerieren.

So setzten elf Regionalzeitungen am 25. Juni ein Zeichen und boykottierten für einen Tag die dpa. Als erstes hatte das „Handelsblatt“ im Mai für eine Woche auf die Agenturdienste verzichtet. „Wir haben keinen Zweifel an der Qualität der dpa, das Angebot ist aber zu teuer und unflexibel“, betont deren Pressesprecher Andreas Knaut. Neben der insgesamt zu hohen Kosten haben die Boykotteilnehmer, unter ihnen „Westdeutsche Allgemeine“, „Sächsische Zeitung“ und „Schweriner Volkszeitung“, vor allem das Preismodell im Visier. Die dpa hat seit ihrer Gründung 1949 einen solidarischen Charakter. Das lineare Preiskonzept richtet sich nach der Auflage, was in der Konsequenz heißt, dass große Blätter kleine mittragen. Für einen festen genormten Preis pro Auflage können das Basisangebot, drei Landesdienste sowie das Bildsortiment bestellt werden, ein Splitting ist jedoch nicht möglich. Bei vielen Zeitungen ist ein Problem, dass sie für einen Großteil des Angebots gar keine Verwendung finden. „Rhein-Zeitung“ und „Rheinische Post“ haben dpa bereits gekündigt, auch das „Handelsblatt“ gedenkt, den Vertrag, der in anderthalb Jahren ausläuft, unter den bisherigen Umständen nicht zu verlängern. Knaut: „Die Kosten müssen der Situation auf dem Markt angepasst werden.“ Zudem fordert er, den Kauf von Informationen separieren zu können. So ist seine Zeitung auf politische Informationen der dpa angewiesen, den Wirtschaftsteil recherchieren die eigenen Autoren aber meist selber. Auch die Regionalzeitungen bemühen zunehmend die Anstrengungen ihrer Angestellten. Rainer Bonhorst von der „Augsburger Allgemeinen“ unterstreicht: „Wir haben am Boykott zwar nicht teilgenommen, halten den Reformgedanken aber für wichtig. Das Angebot muss auf den Kunden abgestimmt sein.“

Modell einst von Gesellschaftern diktiert

„Es ist eine diffizile Situation“, so dpa-Chefredakteur Wilm Herlyn. „Die gleichen Medien, die uns als Gesellschafter dieses Modell diktiert haben, sind gleichzeitig unsere Kunden und nun unzufrieden.“ Trotzdem wolle sein Haus, das von insgesamt 198 Miteigentümern getragen wird, reagieren und das Angebot modifizieren. Noch in diesem Jahr soll eine Strategiekommission eine neue Preisstruktur entwickeln. Intern wurde schon früh auf die veränderten Vorzeichen reagiert. Bereits seit 1998 gibt es bei der dpa Kostensparprogramme. So verpflichtete sich die Geschäftsführung zwar, für zwei Jahre keine betriebsbedingten Kündigungen an die 1.200 Mitarbeiter auszusprechen. Im Gegenzug verzichten diese aber für den gleichen Zeitraum bis Ende 2004 auf 2,1 Prozent Gehalt. Danach werden die Karten neu gemischt, erst Recht, wenn sich bis dahin billigere Angebote etabliert haben. „Das wird Arbeitsplätze kosten“, befürchtet dpa-Betriebsrat Reino Gevers. „Preisdumping führt außerdem zu Qualitätsabbau.“

Seit 10 Jahren keine Preiserhöhung

Herlyn rechtfertigt die Preispolitik seines Hauses indes mit der Tatsache, dass die dpa seit zehn Jahren keine Preiserhöhung mehr vollzogen hat. Mit Rücksicht auf die Inflationszahlen der Bundesbank bedeutet dies, dass eine Verteuerung von rund 20 Prozent vermieden wurde. Bei weiteren Einsparungen sind hingegen Auslagerungen zu befürchten. Mit der Gründung der dpa news international Ltd. in Cork / Irland wurde Mitte 2002 bereits die Zentralredaktion des englischen Nachrichtendienstes in Hamburg geschlossen, 23 Arbeitsplätze gingen verloren. Gevers: „In Irland wird für ein Drittel des Lohnes gearbeitet.“

Noch ist die Unternehmensleitung aber optimistisch. Obwohl Umsatz und Gewinn leicht zurückgegangen sind, sprach sie auf einer Bilanz-Pressekonferenz Ende Juni in Hamburg von einem erfolgreichen Jahr 2002. Es wurde ein Umsatzminus von 0,4 Prozent auf 106,2 Millionen Euro verzeichnet. Zu schaffen machte dpa wie schon im Vorjahr die rückläufige Auflage der Tageszeitungen. „Angesichts des sehr schwierigen Umfelds konnten wir unseren Gesellschaftern ein befriedigendes Ergebnis vorlegen“, betonte Geschäftsführer Walter Richtberg trotz widriger Umstände. Doch der Wind scheint sich auch für die dpa zu drehen. Denn eben diese Gesellschafter sind gleichzeitig auch Kunden und haben als diese vordergründig die Wirtschaftlichkeit ihrer eigenen Häuser im Sinn.

 

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