Veränderung als Chance

Zeitungsverleger weltweit auf der Suche nach zukunftsfähigen Geschäftsmodellen

Zur World Publishing Expo und Konferenz vom 7. bis 9. Oktober in Berlin werden 8.000 Teilnehmer erwartet. Eine Keynote soll Springer-Chef Mathias Döpfner halten. Seine These: „Das digitale Zeitalter bietet viele Chancen zum goldenen Zeitalter des Journalismus zu werden.“ Angesichts der jüngsten Zeitungsverkäufe des Springerverlages sicher eine Steilvorlage für kontroverse Diskussionen. In dem ebenfalls vom Weltverband der Zeitungen und Nachrichtenmedien WAN-IFRA organisierten Kongress in Bangkok im Juni kreisten die Debatten auch um die existenzielle Frage, wie die Zeitungsindustrie angesichts der ständig wachsenden digitalen Informationsangebote überleben könne.


„Wir haben 2,5 Millionen Tweets“, brüstet sich Suthicai Yoon, der Gründer der thailändischen Nations Mediengruppe, mit der Popularität seiner Mitarbeiter in den sozialen Netzwerken. Neben Tageszeitungen und Fernsehsendern hat Yoon ein „News Junkies Network“ aufgebaut. Der drahtige Nachrichtenmann verlangt von seinen Journalisten rund um die Uhr zu bloggen, zu twittern und ständig auf Facebook präsent zu sein. „Veränderung ist die einzige Chance zu überleben“, sagt der 66-jährige. Doch eines habe sich in seiner langen Karriere nicht verändert: „Wir brauchen bessere Storys“, appelliert Yoon, der immer noch 60 Prozent seiner Einnahmen mit den gedruckten Zeitungen erwirtschaftet. Deshalb gründet Yoon nun eine eigene Universität.
In Ländern wie Thailand prallen modernste Technik und der Drang nach Demokratie und Pressefreiheit auf eine Monarchie mit archaischen Gesetzen und Jahrtausende alte Traditionen. Zum 65. Weltkongress der Zeitungsverleger kam auch Thailands Premierministerin. In Ihrer Ansprache an die 1.500 Zeitungsmacher betonte Yingluck Shinawatra, wie wichtig es sei, dass die Medien die Verständigung zwischen Menschen und Nationen fördern. Jedoch warnte sie auch vor einer „uneingeschränkten Pressefreiheit“!

Gesetze gegen Journalisten

Jacob Mathew, der bisherige, und Thomas Brunegard, der neue Präsident der WAN-IFRA, appellierten an die Premierministerin, Paragraph 112 des Strafgesetzbuches abzuschaffen. Das Gesetz, das Majestätsbeleidigung mit Haftstrafen zwischen drei und 15 Jahren ahndet, schaffe ein Klima von Angst und Intrigen, warnt Mathew: „Jeder kann jeden denunzieren!“
Reporter ohne Grenzen berichtet, dass der Web Designer Thantawut Thaweewarodomkul wegen drei königskritischen Nachrichten zu 10 Jahren Haft verurteilt wurde. Während in Thailand das archaische Majestätsbeleidigungsgesetz immer häufiger gegen Journalisten und Blogger eingesetzt wird, verbesserte sich die Situation im Nachbarland Myanmar durch die Freilassung der regimekritischen Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Mit dazu beigetragen hat Than Htut Aungs. Der Gründer der „Eleven Media Group“ versteckte jahrelang politische Botschaften in seinen Sportnachrichten und nutzte jede Gelegenheit, die Missstände in Myanmar zu kritisieren. Dafür wurde er von Erik Bjerager, dem Präsidenten des World Editors Forums mit der „Golden Pen of Freedom“, dem WAN-IFRA Preis für couragierten Journalismus, ausgezeichnet.
David Rowan, Chefredakteur des amerikanischen Technologie-Magazins WIRED, das zweimal im Jahr auch in Deutschland erscheint, referierte in Bangkok darüber, wie er mit der Organisation von Konferenzen zusätzliche Gewinne erzielt. Der Technik-Freak macht zudem den zweifelhaften Vorschlag, Drohnen beim „Austragen“ von Zeitungen einzusetzen. Der junge Australier Rakhal Ebeli hat „mit Blick auf die Zukunft des Journalismus“ mit newsmodo.com eine neue Plattform geschaffen, auf der freiberufliche Journalisten ihre Beiträge verkaufen und gleichzeitig Nachrichtenredaktionen Aufträge ausschreiben können.
Eunice Walford belegt, dass sich die Paywall, die Bezahlung der digitalen Inhalte, für die Financial Times (FT) durchaus bewährt hat. Über das Internet würden mittlerweile sogar höhere Erlöse erzielt, als mit der gedruckten Ausgabe. „Wir haben insgesamt 620.000 Abonnenten. 320.000 nutzen unser digitales Angebot und 300.000 die gedruckte Ausgabe der FT.“ Durchsetzbar seien die hohen Internet-Preise durch die Marktstellung der FT.

Erlöspotenzial im Abopreis

Gut positioniert ist auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), die nach wie vor auf höhere Verkaufspreise der gedruckten Auflage setzt. „Eine Studie der FAZ hat ergeben, dass im Abopreis weiterhin ein signifikantes Erlöspotenzial liegt“, meinte FAZ-Geschäftsführer Tobias Trevisan in Bangkok. Trevisan glaubt an die Loyalität seiner Leser und daran, dass journalistische Qualität mit höheren Zeitungspreisen honoriert wird. Im Gegensatz zu britischen Zeitungen, wie dem Independent, in dessen Redaktion gerade wieder 27 Kündigungen ausgesprochen wurden, will Trevisan nicht durch unüberlegte Einschnitte die redaktionelle Leistung seiner Zeitung gefährden.
Auf Qualität setzt auch das amerikanische Magazin Forbes, das als eines der erfolgreichsten Wirtschaftsmagazine weltweit gilt. Das Hauptmagazin Forbes erscheint 14-täglich in einer Auflage von über 900.000 Exemplaren. Es gibt Länderausgaben unter anderem in Russland, China und Indien. „Wir sind ein 97 Jahre altes Startup“, benennt Christoper Forbes das Erfolgsgeheimnis des familiengeführten Wirtschaftsverlages und verkündet, den Start von Forbes in Thailand.

WAN IFRA

World Association of Newspapers and News Publishers

Geschäftsführer ist Vincent Peyrègne. 3.000 Medienunternehmen, die 18.000 Publikationen herausgeben, sind Mitglied. Ziel: Vernetzung der weltweiten Zeitungsindustrie und Austausch über neue wirtschaftliche Perspektiven.

 

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