Für Wertungen gilt ein absolutes: No!

Es ist ein Ritual: Kaum naht eine Wahl im Vereinigten Königreich, erhält jede_r BBC-Mitarbeiter_in die aktuell angepasste Ausgabe der „BBC Guidelines“. Darin wird unmissverständlich festgelegt, wie mit der bevorstehenden Kür umzugehen ist. Oberstes Gebot ist Unparteilichkeit. Es sind strenge Regeln. Jedoch begründen sie die Glaubwürdigkeit der BBC.

Kein BBC-Beitrag darf nur für eine Seite Partei ergreifen. Jeder Bericht hat ausgewogen zu sein, muss die Haltung der Anderen im politischen Spektrum ebenso wiedergeben, selbst wenn es zum Beispiel um das Wahlmanifest einer Partei geht. Sind BBC-Journlist_innen ohnehin strikt verpflichtet, niemals – wirklich niemals – persönliche Meinungen vor, während und nach Berichten, Reportagen oder kurzen Video- und Audio-Clips abzugeben, so gilt dies in Wahlzeiten ganz besonders. BBC-Leute recherchieren, befragen mindestens drei jederzeit nachweisliche Quellen und liefern dann ihre Arbeit ab. Für Bewertungen und Meinungen gilt ein absolutes: No!

Ein aktuelles Beispiel vor der Parlamentswahl im Juni 2017: Durch Musik-Downloads im Internet erreichte der Titel „Liar, Liar GE2017“ (GE steht für General Election) von Captain Ska die Nr.1 der britischen Hitparade. In diesem Song wird Großbritanniens Premierministerin Teresa May als Lügnerin dargestellt. Zitate aus ihren Reden werden als unwahr „besungen“. In den Wochen vor dem Urnengang wurde der Song in der BBC zwar erwähnt, aber nie im BBC Radio, im Fernsehen oder online gespielt. Warum? Er verstößt ganz klar gegen die BBC Guidelines für die Wahl 2017. Auch wenn das Video bei YouTube öffentlich zu hören und zu sehen ist und millionenfach „geklickt“ wurde: Nach Auffassung der BBC wird eine Person kritisiert, während Führungspersonal anderer Parteien von Kritik verschont bleibt. Der Song war nach Meinung der Guidelines-Hüter einseitig.

Die insgesamt mehr als 400 Seiten BBC-Guidelines, im Internet nachzulesen, bilden die Arbeitsgrundlage für alle Mitarbeiter_innen. Sie stehen zudem für die journalistische Stellung der BBC. Jeder kann sie nachprüfen und die Anstalt auf diese Grundlagen „festnageln“. BBC-„Kunden“ machen davon gerne Gebrauch und kontrollieren die journalistische Arbeit genau.

Auch wenn man als Deutscher mit ARD-Erziehung über manche strikten Regularien ins Grübeln kommt und vorauseilenden Gehorsam manifestiert sieht, letztlich gibt es keinen Zweifel: Diese Guidelines haben die britische Rundfunkanstalt zu dem gemacht, was sie auf dem Globus heute darstellt und wofür sie steht. Der BBC und ihrem Newsbereich wird weltweit vertraut, was ich eindrucksvoll bestätigt bekam, als ich zum Beispiel in Indien unterwegs war. Der Link zur BBC ist – nicht nur dort – ein Türöffner zu vielem, vor allem zu Hintergrundinfos, die journalistische Medienwettbewerber so nicht haben.

Die BBC-Guidelines – love them or hate them, they work!

 

nach oben

weiterlesen

Devise „Safer Sex“ gilt auch im Netz

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat Angela Merkel mit ihrer Feststellung, das Internet sei „für uns alle Neuland“, für große Heiterkeit in den sozialen Netzwerken gesorgt. Hintergrund ihrer Aussage war damals die umfassende Spionagetätigkeit der NSA. Mittlerweile ist Digitalisierung für die Bundeskanzlerin kein Fremdwort mehr: Sie ruft zum heutigen „Safer Internet Day“ zu mehr Sorgfalt beim Umgang mit persönlichen Daten auf.
mehr »

Gesicht und Profil: Kandidat und Themen

Der Wahlkampf: Was macht Sinn? Was kommt an? Wissenschaftler der Uni Hohenheim beobachten das Zusammenspiel von Parteien, Kandidaten und Wählern. Frank Brettschneider beleuchtet für M bis zum Wahltag am 24. September fünf Themen. Heute: die Bedeutung von Spitzenkandidaten und Themen.
mehr »

Instant-Politik auf dem Vormarsch

Immer wieder hört man in diesen Tagen: So langweilig wie der Bundestagswahlkampf 2017 war noch nie einer. Vermutlich lässt sich die geringe Begeisterung darauf zurückführen, dass nach allen Umfragen die Entscheidung über die Kanzlerschaft seit Monaten gefallen zu sein scheint. Nicht nur die Kandidat_innen schwächelten. Auch bei den Medien gab es weniger Licht als Schatten.
mehr »

Döpfner schießt mit populistischen Waffen

BDZV-Präsident Mathias Döpfner diffamiert ARD und ZDF als Staatsfernsehen und Staatspresse nach dem Geschmack von Nordkorea - und schlägt damit in die AfD-Kerbe, nicht nur in Bezug auf ihre Terminologie, sondern auch in puncto ihrer populistischen Strategie. Doch damit scheint er neuerdings offenbar in bester Gesellschaft zu sein.
mehr »