Für Solidarität und Medienfreiheit

Türkischer Gewerkschafter zu Gast bei der dju in ver.di

In der Türkei sitzen 165 Journalist_innen im Gefängnis (Angabe bei Redaktionsschluss). Unter ihnen seit mehr als 100 Tagen Deniz Yücel, deutsch-türkischer ­Kor­res­pondent der Welt, und seit dem ­30. April die deutsche Radio-Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu. Über Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei sprachen deutsche Kolleg_innen im Mai mit Mustafa Kuleli (Foto), Generalsekretär der Türkischen Gewerkschaft TGS. Eingeladen hatte die dju in ver.di.

Berlin war der letzte Veranstaltungsort der Reihe „Journalismus ist kein Verbrechen“ mit dem Gast aus der Türkei. Zuvor war Kuleli in Stuttgart, Frankfurt am Main, Braunschweig und Hamburg mit Verdianern und anderen DGB-Mitgliedern zusammen getroffen.

Er sei mit anderen jungen Kolleg_innen vor drei Jahren nach den Gezi-Protesten in den Vorstand der „Türkiye Gazeteciler Sendi­kasi“ (TGS) gewählt worden, erzählte Mustafa Kuleli in Berlin. Er wollte sich „um die sozialen und arbeitsrechtlichen Belange der Mitglieder kümmern, Arbeitskämpfe bestreiten, Tarife verhandeln. Journalist­_innen verdienen zwischen 400 und 500 Euro in der Türkei. Die Arbeitslosenquote beträgt insgesamt 10 Prozent, bei Journalist_­innen inzwischen 30 Prozent“, berichtete er. Doch noch mehr habe sich politisch verändert. Verhaftungen, Medienschließungen, Internetzensur – niemand könne sich mehr frei äußern. Gewerkschaftsarbeit bestehe dem­zufolge derzeit in Lobby-Arbeit sowohl in der Türkei als auch in der EU. Es gebe eine enge Zusammenarbeit mit der Europäischen Journalistenföderation (EJF). Die EJF unterstützt die Kampagne „Journalismus ist kein Verbrechen“, die in der Türkei ins Leben gerufen wurde. Natürlich würden die Prozesse gegen Journalist_innen be­obachtet, soweit wie möglich werden Inhaftierte und ihre Familien durch Rechtsbeistand, mitunter auch finanziell und psychologisch unterstützt. „Das ist insgesamt sehr schwierig, da Kontakte in die Gefängnisse verboten sind“, sagte Kuleli. Deshalb sei es umso dringlicher, dass Journalist_innen in anderen Ländern das Thema Medienfreiheit in der Türkei auf die Tagesordnung setzen und darüber berichten. „Es würde helfen, wenn Delegationen mit Kollegen auch aus Deutschland in die Türkei reisen.“ Sinnvoll sei es, dafür auch Prominente zu gewinnen, zeigte sich Mustafa Kuleli überzeugt.

„Wir haben in Deutschland an allen Stationen der Reise Kollegen kennengelernt, die mit uns leiden und sich mit uns freuen, die uns unterstützen. Dank ihres Einsatzes werden sich die Journalisten in der Türkei stärker fühlen. Ich habe gespürt, dass es eine internationale Solidarität gibt. Journalisten sind weltweit wie eine Nation“, sagte Mustafa Kuleli nach der letzten Veranstaltung in Berlin gegenüber M.

 

Berichte aus allen Städten, in denen Mustafa Kuleli Station gemacht hat, stehen auf M Online unter

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