„Ratgeber“ im besten Sinne – völlig unterschiedlich

Urheberrecht für Medienschaffende / Urheberrecht im Alltag

Bücher zum Urheberrecht nehmen Nichtjuristen eher selten aus Interesse am Thema in die Hand. Es geht eher um den Nutzwert – Informationen zur Absicherung geplanter Projekte im günstigen Fall, Klärung rechtlicher Möglichkeiten bei Konflikten im ungünstigen. Zwei solcher im besten Sinne „Ratgeber“ – wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten – liegen neu vor.

„Urheberrecht für Medienschaffende in Deutschland, Österreich und der Schweiz“ richtet sich an alle, die in ihrem beruflichen Alltag als Journalisten, Schriftsteller, Grafiker oder Künstler mit urheberrechtlichen Fragen konfrontiert werden. Nicht nur darin unterscheidet sich dieses Buch von anderen Urheberrechtsabhandlungen. Dargestellt werden nicht nur alle wesentlichen urheberrechtlichen Themen für Deutschland, sondern auch für Österreich und die Schweiz. Es werden nicht nur vertragsrechtliche Aspekte, sondern auch steuer- und sozialrechtliche Fragen behandelt sowie die Verwertungsgesellschaften, verfasst jeweils von juristischen Praktikern der entsprechenden Fachgebiete und Länder. Und obwohl bereits im vorigen Jahr erschienen, sind auch die aktuellen Gesetzesänderungen im deutschen Urheberrecht („Zweiter Korb“) und Künstlersozialversicherungsgesetz berücksichtigt. Großen Wert hat Herausgeber Stefan Haupt, Urheber- und Medien-Rechtsanwalt in Berlin, auf eine verständliche, für die Praxis schnell zugängliche Darstellung des schwierigen Themas gelegt, ebenso wie auf den einheitlichen Aufbau der länderspezifischen Teile, der das Zurechtfinden erleichtert – unterstützt durch Grafiken und angereichert mit nützlichen Checklisten.
Ebenfalls um „Urheberrecht im Alltag“ geht es in der zweiten Neuerscheinung. Wie der Untertitel „Kopieren, bearbeiten, selber machen“ aber schon deutlich macht, wendet es sich nicht an Urheber. Denn nicht nur Autoren und Künstler müssen sich heute mit dem Urheberrecht beschäftigen, sondern auch Musikliebhaber und Internetnutzer. An diese User (Jugendliche, Erwachsene, Private, die Werke Dritter veröffentlichen) wendet sich seit 2005 das Webangebot iRights.info und erklärt einfach und verständlich, was man zum Beispiel beim Kopieren von CDs beachten muss. Oder welche Regeln es gibt, wenn man eigene Musik macht, Filme dreht oder Bücher schreibt. Das Informationsportal zum Urheberrecht in der digitalen Welt – mit deutlicher Sympathie für Creative-Commons-Lizenzen – wurde 2006 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet und erhielt kürzlich den Klicksafe-Preis für Sicherheit im Internet und den .INFO-Award 2008.
Seit April gibt es die geballten Infos der iRights.info-Website nun auch als Buch bei der Bundeszentrale für Politische Bildung. Bei der Umsetzung der nichtlinearen Internet-Struktur auf Papier vermisst man allerdings schmerzlich die interaktiven Möglichkeiten durch interne Links und Links auf andere Websites. Dafür machen eine Literaturliste und das ausführliche Register das Buch zu einem einfach nutzbaren Nachschlagewerk. Dies und nicht zuletzt der subventionierte Preis von lediglich zwei Euro dürften dazu beigetragen haben, dass die erste Auflage bereits vergriffen ist. Ein Nachdruck ist in Vorbereitung. Wer nicht so lange warten will: Das Buch gibt es als pdf-Datei im Download.


Stefan Haupt (Hrsg.), Meinrad Ciresa und Peter Studer;
Urheberrecht für Medienschaffende in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Orell Füssli Verlag; Zürich 2007; 350 Seiten; 46,00 Euro; ISBN 978-3-280-07130-4


Valie Djodjevic, Robert A. Gehring, Volker Grassmuck, Till Kreutzer und Matthias Spielkamp; (Hrsg.)
Urheberrecht im Alltag. Kopieren, bearbeiten, selber machen.

iRights.info
Bundeszentrale für politische Bildung (Schriftenreihe Bd. 655); Bonn 2008; 385 Seiten; 2,00 Euro Bereitstellungspauschale; ISBN 978-3-89331-812-4;
Bestellung: http://www.bpb.de/publikationen/OJVZDZ,0,Urheberrecht_im_Alltag.html
pdf-Datei im Download unter
http://irights.info/fileadmin/texte/buch/iRights-Buch-2.Aufl._download.pdf.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Mentale Belastungen im Journalismus

Immer mehr Journalist*innen fühlen sich in ihrem Beruf unwohl. Der Druck ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Zum einen werden Menschen, die journalistisch tätig sind, über Hasspostings in den sozialen Medien angefeindet. Zum anderen steigt der interne Druck durch Arbeitsverdichtung und Vorgesetzte. Mit Helpline bietet „Netzwerk Recherche“ seit einigen Jahren ein telefonisches Gesprächsangebot – anonym, vertraulich und kostenlos.
mehr »

Gericht kassiert unfaire Klauseln

Der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) haben in erster Instanz gegen die Süddeutsche Zeitung GmbH. Das Landgericht München untersagte hat Süddeutschen Zeitung GmbH, mehrere Klauseln aus ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen für freie Journalist*innen zu verwenden.
mehr »

No-SLAPP: Wehrhaft gegen Antifeminismus

Das sechste Kapitel des No-SLAPP-Handbuchs beschäftigt sich mit antifeministischen Angiffen. Es baut auf einem Workshop auf, der im September 2025 in Hamburg stattfand und Teil der Veranstaltung „Safer community conference: Übergriffe bei Tanzveranstaltungen rechtssicher besprechbar & Tanzcommunities sicherer machen" war. Das Kapitelenthält zahlreiche Tipps und Hinweise aus der feministischen Zivilgesellschaft, insbesondere von der Meldestelle Antifeminismus der Amadeu Antonio Stiftung.
mehr »

Fairnesspreis für „Im Osten was Neues“

Der Deutsche Fairnesspreis wird jährlich im Rahmen der feierlichen Verleihung des DEUTSCHEN SCHAUSPIELPREISES als Gemeinschaftspreis des BFFS und der ver.di FilmUnion vergeben und prämiert. Das diesjährige Thema des Fairnesspreises lautete „Zusammenleben der Kulturen“. Der Preis wurde am 11. September in Berlin verliehen.
mehr »