Redakteur und Fotograf in einem

Erneut hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) in einem Urteil entschieden, dass ein Zeitungsredakteur auch beauftragt werden kann, neben seiner Textmeldung ein Foto zu erstellen. Das gilt zumindest dann, wenn der Arbeitsvertrag zum Begriff „Redakteur“ keine Einschränkungen enthält, urteilte am 29. Januar das Bundesarbeitsgericht in Erfurt.

Es wies damit die Klage eines Redakteurs der „Magdeburger Volksstimme“ ab, der für seine Fotos zusätzliches Geld verlangt hatte. (Az: 5 AZR 703 / 01).

Laut Arbeitsvertrag wurde der Journalist als „Redakteur / Korrespondent“ eingestellt. Im August verlangte seine Zeitung von ihm und seinen Kollegen, dass sie auf Termine bei Bedarf auch eine Digitalkamera mitnehmen müssen. Der Journalist kam dem nach, meinte aber, dies sei ein neuer und weiterer Aufgabenbereich, für den ihm zusätzliches Geld zustehe. Er verlangte 23 Euro je Foto.

Ohne Erfolg: Der Tarifvertrag kenne schreibende Redakteure, Bildredakteure und Redakteure, die beides liefern, so das BAG in seiner Urteilsbegründung. „Redakteur“ sei demnach ein Oberbegriff, der auch Bildbeiträge umfasse. Die Anordnung des Arbeitgebers liege daher im Rahmen seines Weisungsrechts.

„Dieses Urteil zeigt zum wiederholten Male, wie wichtig für Redakteure eine präzise Festlegung des Arbeitsbereiches innerhalb einer Redaktion ist“, so ver.di-Tarifsekretär Matthias von Fintel. Darauf sei vor allem auch bei Änderungen des Arbeitsvertrages zu achten. „Sind konkrete Festlegungen wie ,Redakteur (Wort)‘ getroffen worden, so stehen nach dem Tarifvertrag zusätzliche Vergütungen für darüber hinaus gehende Tätigkeiten wie im beschriebenen Fall das Fotografieren zu.“

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Funke-Zeitung nutzt  Tendenzschutz für Kündigung – erfolglos

Die Thüringer Mediengruppe des Funke-Konzerns will eine Redakteurin loswerden, die gegen die publizistischen Leitlinien ihrer Zeitung verstoßen haben soll. Die beanstandeten Artikel zu den Grundrechtseinschränkungen des letzten Winters wurden nun aber in einem Urteil des Arbeitsgerichts Gera am 24. November für in Ordnung befunden und die Kündigungsschutzklage der Journalistin erfolgreich beschieden.
mehr »

WDR-Journalist seit Jahren kaltgestellt

Viele Jahre galt er als „programmprägender Journalist“ des WDR und Redakteur mit Expertise auf dem Energiegebiet. Drei Jahre war er Korrespondent und Studioleiter der WDR-Hörfunkredaktion in Moskau. Nach seiner Rückkehr 2002 übernahm er im WDR das Fachgebiet Energie. Seine kritischen Kommentare und investigativen Recherchen stießen bald auf heftige Reaktionen in Politik und Wirtschaft. Es folgten Einschränkungen in seiner Arbeit von Seiten des WDR. Inzwischen ist er kaum noch auf Sendung. Das will sich Jürgen Döschner nicht länger gefallen lassen und reichte Klage beim Arbeitsgericht Köln ein.
mehr »

Sendeklau von Bild TV erneut bestätigt

Bild TV wurde vom Oberlandesgericht Köln in die Schranken gewiesen. Der Sender hatte eine längere Passage der „Berliner Runde“ von ARD und ZDF am Abend der Bundestagswahl am 26. September 2021 in sein Programm übernommen. Damit wurde eindeutig gegen das Urheberrecht verstoßen, befanden die Kölner Richter im Rahmen eines einstweiligen Verfügungsverfahrens. Sie bestätigten damit ein Urteil des Landgerichts Köln aus erster Instanz. Das Urteil ist nun rechtskräftig.
mehr »

SWR-App „Newszone“ teilweise unzulässig

Das Landgericht Stuttgart hat der Unterlassungsklage von 16 Presseverlagen gegen die SWR-Nachrichten-App „Newszone“ teilweise stattgegeben. Die App sei in der untersuchten Version vom 14. April presseähnlich und wettbewerbswidrig sowie nicht vom vorhandenen Telemedienkonzept für das SWR-Jugendprogramm „Dasding.de“ gedeckt, teilte das Gericht mit. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig.
mehr »