Absenkung von Arbeitszeit

Tarifverhandlung ergebnislos abgebrochen

Die Tarifverhandlungen zwischen ver.di und dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) für die rund 125 000 Redakteurinnen und Redakteure an Zeitungen wurden Ende September ergebnislos vertagt. Ein weiterer Termin wurde (bis Redaktionsschluss) nicht vereinbart.

Die Verleger beharren weiter auf einer Nullrunde. Jede denkbare Erhöhung müsse letztlich für die Verlage kostenneutral sein. Das heißt im Klartext, an anderer Stelle soll die Gewerkschaft Einbußen hinnehmen. Oder anders gesagt, die Redakteurinnen und Redakteure sollen eine Gehaltserhöhung selber bezahlen. Gedacht ist da zum Beispiel an die Kappung der Berufsjahresstaffel oder durch Einschnitte im Manteltarifvertrag wie die Kürzung des Urlaubsgeldes.

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten Union (dju) in ver.di will den Manteltarifvertrag nicht antasten lassen. Außerdem muss es eine effektive Entgelterhöhung geben, die nur in Höhe von 3,4 Prozent wie im Druck-Tarifvertrag und bei den anderen Verlagsangestellten liegen kann. Das wichtigste jedoch ist der Erhalt von Arbeitsplätzen. Das kann durch eine Absenkung von Arbeitszeit in Zeitungshäusern erreicht werden, wo es Pläne gibt, Redakteursstellen abzubauen. ver.di schlägt deshalb einen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung vor. Er sieht für den genannten Fall eine kollektive Absenkung von Arbeitszeit vor. Das wird möglich durch eine Vier-Tage-Woche oder auch mit Hilfe von Arbeitszeitkonten. Die auf diesen Konten angesparte oder angesammelte Zeit kann in einer bestimmten Laufzeit ausgeglichen werden, etwa durch eine Verlängerung des Urlaubs. In der quasi eingesparten Zeit könnten im besten Fall weitere Kollegen beschäftigt werden. Natürlich wird verlangt, dass es in jenen Verlagen, in denen diese Möglichkeiten ausgeschöpft werden, keine betriebsbedingten Kündigungen gibt.

Diese Gedanken sind nicht ganz neu. Im Gegenteil, die dju erinnert daran, dass die übrigen Angestellten in Verlagen bereits derartige Tarifverträge zur Verfügung haben. Sie sind die Grundlage für flexible betriebliche Vereinbarungen. Warum kann dies nicht ebenso für Journalisten umsetzbar sein. „Auch vor der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation gibt es keinen Grund, warum Journalistinnen und Journalisten als einzige Beschäftigtengruppe in den Verlagsunternehmen Einbußen in der Reallohnentwicklung hinnehmen sollen“, so ver.di-Tarifsekretär Matthias von Fintel nach der Verhandlung. Eine Abkopplung der Redakteurinnen und Redakteure von der derzeitigen Gehaltsentwicklung in diesem Bereich werde es mit der dju nicht geben.

 

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Filmschaffende kriegen künftig mehr

In der achten Tarifverhandlungsrunde für die rund 25.000 Filmschaffenden haben sich die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), die Schauspielgewerkschaft BFFS und die Produktionsallianz auf Eckpunkte einer vorläufigen Tarifeinigung verständigt. Doch nicht alle Verhandlungsthemen konnten geklärt werden. Die Frage nach der Regelung von Künstlicher Intelligenz (KI) im Film wurde verschoben.
mehr »

Erneute Streiks bei NDR, WDR, BR, SWR 

Voraussichtlich bis Freitag werden Streiks in mehreren ARD-Sendern zu Programmänderungen, Ausfällen und einem deutlich veränderten Erscheinungsbild von Radio- und TV-Sendungen auch im Ersten Programm führen. Der Grund für den erneuten Streik bei den großen ARD-Rundfunkanstalten ist ein bereits im siebten Monat nach Ende des vorhergehenden Tarifabschlusses immer noch andauernder Tarifkonflikt.
mehr »

krassmedial: Diskurse gestalten

Besonders auf Social-Media-Plattformen wie TikTok und Telegram verbreiten sich rechtsextreme Narrative, die zur Polarisierung der Gesellschaft beitragen. Wie Journalist*innen dem entgegen wirken und antidemokratische Diskursräume zurückgewinnen können, diskutierten und erprobten etwa 70 Teilnehmende der diesjährigen #krassmedial-Sommerakademie von ver.di am Wochenende in Berlin-Wannsee.
mehr »

Medien machen in unruhigen Zeiten

Die diesjährige #krassmedial-Sommerakademie von ver.di widmet sich der Frage, wie Medien der gesellschaftlichen Polarisierung entgegenwirken können. Das Fortbildungsangebot für Journalist*innen findet am 6. und 7. Juli 2024 in der ver.di-Bildungsstätte Clara Sahlberg am Berliner Wannsee statt. In Workshops und auf Panels stehen 14 Referent*innen an den zwei Tagen zum Fachaustausch, Kompetenzerweiterung und Diskussionen bereit.
mehr »